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Ich wäre dumm …

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Ein Hinweis der Werbung:
Dieser Bericht wird von der Heitmann & Junge GmbH präsentiert. Mein Ansprechpartner als Bau-, Garten- und Getränkemarkt. Dazu einen Zeltverleih und neben einer Tischlerei gibt es in ihrem Hause auch eine Abteilung für Obstsortiermaschinen.
Die Heitmann und Junge GmbH, eine Klasse für sich … alles aus einer Hand.

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06.05.2021

Knapp sieben Uhr ist es, als ich die Augen öffne. Lotte liegt auf ihrem Bettchen und schnauft zufrieden. Mein Blick wandert durch den Raum. Die Eingangstür ist offen. Wie zum?! Ich blicke mich genauer um. Nein. Alles noch da. Komisch. Der Wind in der Nacht? Kann sein. Die Tür zu schließen war schon nicht ganz einfach und bedurfte etwas mehr Kraft. War der Schließer dann doch nicht ganz eingeschnappt? Egal. Es ist alles noch da. Ich schaue aus dem Fenster. Strahlendblauer Himmel. Nicht eine einzige Wolke. Ich springe auf und stecke die Nase hinaus. Der Wind ist auch weg. Größtenteils jedenfalls. Nein. Heute gibt es keinen weiteren Ruhetag. Heute wird gelaufen. Ich wäre grotesk dumm, wenn ich hier heute bleiben würde.

Also laufe ich zum Wohnhaus meiner Gastgeber. Nach kurzer Plauderei mit Kakao und einer kurzen gemeinsamen Hunderunde, setze ich mich dann in Bewegung. Man hat mir den Hinweis mit auf den Weg gegeben, dass hier unglaublich viel Rehwild unterwegs sei. Ich soll ein Auge auf die Grabenwälle haben. Der Nutria würde hier sein Unwesen treiben. Also wird Lotte auf diesem Streckenabschnitt kürzer gehalten. Auf Scherereien habe ich nun ja überhaupt keine Lust. Ich bin nicht mal hundert Meter gelaufen, da entdecke ich schon die angesprochene Rehschar. Links. Rechts. Überall. Ich höre sogar einen Bock röhren. Der Kuckuck lässt seinen Ruf ertönen und ein Specht hackt in einiger Entfernung auf einen Baum ein. Von der Biberratte, wie der Nutria auch bezeichnet wird, ist jedoch nichts zu sehen.

Ich habe Hunger und der nächste Bäcker ist etwa drei Kilometer entfernt. Anschließend suche ich mir einen Supermarkt, der mir etwas Aufschnitt bescheren soll. Ich hätte zwar noch die ein oder andere Konserve im Gepäck. Wenn man aber etwas Frisches bekommen kann, warum dann aus der Dose leben?
Mit prallen Leinenbeuteln suche ich schließlich einen geeigneten Platz zum Frühstücken. Das Unterfangen zieht sich dann aber doch. Die Bänke, die am Wegesrand, oder besser auf dem Deich vorbeikommen, sind über und über mit Schafdung besudelt. Dazu der Duft. Nein. Da »hungere« ich dann noch ein kleines Bisschen länger. Irgendwann müssen Bänke kommen, die sauberer sind.

Auf der linken Seite erscheint schließlich die Staustufe Geesthacht. Nun bin ich wirklich auf der Reiseroute meiner aller ersten Radreise. Auf dem Elberadweg soll es nun bis nach Havelberg gehen. So sehr viele Menschen sind heute nicht unterwegs. Menschen mit ihren Hunden, ja. Aber Fernradreisende habe ich nicht. Ob es am Wetter liegt? So wirklich toll ist es ja nun wirklich nicht. Der Wind frischt auch wieder auf und gewinnt an Kraft. Wie am Vortag werde ich angeschoben. Eine junge Mutter mit zwei Mädels begleitet mich eine Weile. Eine auf Skates, die andere auf einem Fahrrad. Die Mädchen entladen einen Schwall an Fragen, den ich nur zu gerne beantworte.

Nahe eines Kinderspielplatzes entdecke ich eine Bank-Tisch-Kombination. Endlich. Ponys und Ziegen sind im nahegelegenen Gehege zu beobachten. Hier möchten auch meine Begleiter hin. Ziegen gucken. In der Nachbarschaft ist eine Seniorenresidenz. Nett ist es hier. So haben auch die Älteren etwas zum Schauen, wenn sie mal spazieren gehen.
Nun muss ich aber zusehen. Es baut sich in meinem Rücken eine schwarze Wand auf. Auf Nässe habe ich ja mal so gar keine Lust. Mit dem letzten Schritt schaffe ich es vor dem Wolkenbruch auf einen der überdachten Parkplätze. Lange dauert das Spektakel zum Glück nicht und ich kann mit Lotte weiterziehen.

Bild 1: So viele Rehe – Bild 2: Ein Reiher auf Nahrungssuche – Bild 3: Pause für Lotte – Bild 4: Langsam Richtung Artlenburg

Am Wegesrand tauchen immer wieder Hühnergehege auf, wo gackerndes Federvieh mit den Krallen im Boden scharrt und nach etwas Fressbarem sucht. Im letzten Moment kann ich Lotte ausbremsen etwas Blödes zu tun. Eines der Hühner hat ein Loch im Zaun gefunden und stolziert außerhalb von seinem Gehege umher. Mit lauten Unmutsbekundungen läuft das Tier dahin zurück, wo es hingehört.

Die Kilometerzahl wächst unterdessen immer weiter an. Da passiert mich ein Radler. Dreht und hält mich an. Eine junge Dame, die sich ausgerechnet heute zu einer Gewalttour von Lauenburg bis Hamburg aufgemacht hat. Alles gegen den Wind. Melanie heißt sie und sei mal eben mit der Bahn aus Fulda hier rauf und würde später am Abend mit der Bahn wieder gen Süden fahren. Kann man mal machen. Fulda? Da sind Schweinfurt und der Main-Radweg nicht so sehr weit weg. Vielleicht sieht man sich im August wieder, wenn ich in der Ecke unterwegs bin. So trennen sich unsere Wege wieder.

Endlich erreiche ich Artlenburg. Das ganz grob angepeilte Zwischenziel. Aufgabe jetzt? Einen Schlafplatz finden. Auf einem landwirtschaftlichen Betrieb könne ich zelten. Bei dem Wind? Ein Vier-Mann-Zelt aufbauen? Geht nicht die Scheune? Zelt oder nichts! Ich betrachte das Grünstück. Es ist abschüssig noch dazu. Da rutsche ich ja von meiner Schlafunterlage. Nein. Ich laufe weiter.
Ich entdecke drei Herren, die an einem Neubau zugange sind. Vielleicht habe ich dort ja Glück. Ich lerne Philipp, seinen Vater und einen ihrer Kumpel kennen. Sie heben auf der Auffahrt gerade Löcher für die Carportpfähle aus. Einen Schlafplatz kann man mir nicht bieten. Aber einen Obolus für die Reisekasse. Auch beim Nachbarn habe ich kein Glück. Wenige hundert Meter weiter lerne ich Uwe kennen. Einen Feuerwehrkameraden. Doch auch er hat keinen Platz.

Schließlich gelange ich an den Ortsausgang. Eine alte Mühle steht links am Wegesrand. Letzte Möglichkeit, denke ich. Also rauf auf den Hof. Ich störe ein älteres Pärchen gerade beim Abendessen. Aus dem Fenster heraus werde ich gefragt, was ich möchte. Schnell meine Geschichte erzählt und dann wird es etwas kurios. Aus dem ersten Obergeschoss kommen zwei Kinder aus dem Fenster geklettert und huschen die Treppe zu mir hinunter. Der ältere Herr, offensichtlich der Opa, beauftragt den Jungen, seinem Vater kurz von mir zu berichten. Und dann geht alles ganz schnell. Ich lerne Ralf kennen. Einem aufgeregten Kind gleich, kommt er aus der Tür gestürmt. Frei nach dem Motto: Endlich passiert hier mal etwas. Carola ist schon blöd.

Ich kann mich in der Scheune ausbreiten. Schnell werden einige Dinge beiseite geräumt und ich bekomme alte Sitzbezüge für Gartenmöbel zusätzlich als Schlafunterlage. Davon muss die Zeitung erfahren, höre ich noch und kaum eine Minute später steht der Reporter auf dem Hof. Was geht hier denn los? Ich lerne Stefan kennen, der ab dem Zeitpunkt den Namen »Karla Kolumna« verpasst bekommt. Und ich schäme mich fast nur ein bisschen dafür, dass ich den Namen auf ihn assoziiert habe. So schnell zu einer Geschichte zu fahren. Das grenzt an Zauberei. Er sei gerade Tanken, und in unmittelbarer Nähe gewesen. Das hätte ich jetzt auch gesagt. Bei einem Bierchen und angeregten Plaudereien lassen wir den Abend schließlich ausklingen.

Start/Ziel: Drage – Artlenburg
Laufstrecke: 23,79 km
Höhenmeter: 45 m
Zeit: 4:19 h
D.-geschw.: 5,51 km/h
Schritte: 29.266

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