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Motivation? Die hat heute frei …

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Dieser Tagesbericht wird von der Elbe-Verlag GbR präsentiert. Dem Herausgeber der Monatszeitung »Dat Ole Land«. Einer Zeitung von Menschen für Menschen der Obstanbauregion »Altes Land« in den Elbmarschen zwischen Stade und Hamburg. Und das schon seit 45 Jahren.

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09.05.2021

Wie ein Stein habe ich diese Nacht geschlafen und komme nur widerwillig aus den Federn. Lotte kurz raus in den Garten und beim Zurückkommen bemerke ich einen Umschlag mit meinem Namen auf der Treppe. Das wird die Rechnung sein, denke ich. Von Wegen. Ein äußerst üppiger Reiseobolus. Wie jetzt? Nichtmal das Zimmer bezahlen? Und dann der Gedanke: Kann ich eine solche Summe annehmen? Ist das nicht ein bisschen viel? Aber was ist, wenn ich es nicht annehme? Kränke ich meine Gastgeberin und Gönnerin damit womöglich? Immerhin war es ihre eigene Entscheidung. So stecke ich die zwei Scheine nach einem weiteren kurzen Hin und Her doch in meine Tasche.

Ich bin keine fünfzehn Kilometer mehr vor Neu Darchau. Soll heißen, ich kann heute ein gutes Stück an Dömitz herankommen. Mit dem Gedanken als Ziel setze ich mich mit Lotte und Wagen in Bewegung. Ich entdecke einen Deichweg, den ich von früher nicht erinner. Den probiere ich doch mal aus. Ein tolles Laufen. Ich kann weit in die Marschlande im Außendeich blicken. Und dann geht ein Weg nach links in eben diese Richtung. Ob ich darüber nach Neu Darchau gelange? Ich halte eine Gruppe Radler an. Ja, könne man, aber es sei ein ganzes Stück länger. Hmm … Dömitz oder Landschaft genießen? Nein. Ich möchte weiter an Mecklenburg Vorpommern herankommen. Ich entscheide mich für Dömitz und laufe auf dem Fahrradweg entlang der Hauptstraße.

Fast wie vor vier Jahren. Nur wirkte es damals nicht so langweilig. Die Strecke zieht sich ganz gewaltig. Dazu ballern mit einem Höllenlärm die Motorradfahrer an mir vorbei. Das Wetter zu dieser Stunde ist schon malerisch. Fast schon ein wenig zu warm. Nach dem kalten Schmuddel jetzt so ein Temperaturanstieg. Es ist unglaublich, wie viele Menschen heute unterwegs sind. Wobei … es ist Sonntag. Was will ich denn erwarten bei diesen Temperaturen? Es ist klar, dass die Leute in Scharen über die Straße herfallen und irgendwas an der Luft machen möchten.

In Alt Garge habe ich dann überhaupt keine Lust mehr auf Laufen. Am alten Draisinenbahnhof setze ich mich auf eine der überdachten Bänke und genieße den Schatten. Lotte tut es mir gleich und versteckt sich gleich unter der Sitzmöglichkeit. Wie warm mag es sein? Wie groß ist der Temperaturunterschied zu von vor zwei Tagen? Fünfzehn Grad? Bestimmt. Die Suppe rinnt in Bächen von der Stirn. Das Salz brennt in den Augen. Ein sanfter Anstieg der Wärme über mehrere Tage wäre schön gewesen. Zwei, drei Grad pro Tag. Das wäre es! Man hätte sich locker, lässig daran gewöhnen können. So, wie es jetzt ist, wirkt das alles schon wieder zu viel.

Von Alt Garge nach Neu Darchau

Als ich weitergehen möchte, werde ich von einem Paar auf dem Fahrrad angehalten. Sie kommt aus Moldawien. Auf meine Aussage, dass ich da auch mal irgendwann ankommen möchte, ernte ich große Augen. Man müsse aber schauen, wo man da laufen möchte. Moldawien, vergleichbar mit der Krim, hat Regionen, die mehr Russland zugewandt sind. Mit eigener Währung und, und, und. Wieder etwas dazu gelernt. Man drückt mir noch einen Reiseobolus in die Hand und wünscht mir Glück auf meinen weiteren Wegen.

In Katemin, dem letzten Örtchen vor Neu Darchau, komme ich mit drei Motorradfahrern ins Gespräch. Alle drei ein gutes Stückchen älter als ich. Einer Pause geschuldet wollte man hier am Café ein Stück Kuchen essen. Leider gibt es den nur zum Mitnehmen. Nicht zum Hierverzehren. Für einen Motorradfahrer ein Schlag ins Gesicht. Dabei stehen Tisch und Stühle auf einer Grünfläche bereit. Die dürfen sie aber nicht benutzen. Ein Irrenhaus mit diesen Regelungen derzeit.
Auf meine Frage, was heute das Ziel ist, bekomme ich die Antwort, dass man einfach ganz entspannt etwas an der Elbe entlang knattern würde. Dann rast ein weiterer, einem Geisteskranken gleich, an uns vorbei. Wie alle vier stehen kopfschüttelnd auf dem Bürgersteig. Bis es knallt. Und dann ist das Geschrei wieder groß.

Kaum einen halben Kilometer später höre ich eine weibliche Stimme meinen Namen rufen. Ich drehe mich um. Sabine?! Wie lange ist es her? Siebenundzwanzig Jahre? Ja, natürlich erkenne ich dich! Eine alte Klassenkameradin aus der Fünften und Sechsten. Ich habe ja mit allem gerechnet. Aber damit nicht! Sie habe mich am Morgen in der Zeitung gesehen. Dass man mir hier nun in persona begegnet? Verrückt! Völlig verrückt! Lange dauert dieses Gespräch nicht. Ihre Tochter hat Geburtstag und man möchte an die Elbe und dort den mitgebrachten Kuchen verhaften. Schade. Ich hätte gerne noch ein oder zwei Minuten länger geplaudert. Immerhin liegen fast drei Jahrzehnte zwischen der letzten Begegnung. Hat nicht sollen sein.

So zeihe ich weiter zum Elbnest. Jener Pension, wo ich vor vier Jahren mit Lotte Katrin, ihre Tochter und den Hund Ayla mit dem Plüschschaf »Mä« kennenlernen durfte. Eine warme Begrüßung und ein längeres Gespräch inklusive Eis und Bier ist dann alle Motivation verschwunden. Vergiss Dömitz. Wer weiß, wo ich auf der anderen Elbseite gelandet wäre. Hier weiß ich, was ich haben kann. Ein Bett, eine Dusche und eine Kneipe in der Nachbarschaft. Schnell eine Currywurst mit Pommes bestellt und dann ab in die Falle. Ich habe sowas von keine Lust mehr heute!

Start/Ziel: Bleckede – Neu Darchau
Laufstrecke: 13,83 km
Höhenmeter: 23 m
Zeit: 2:27 h
D.-geschw.: 5,64 km/h
Schritte: 15.795

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