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»Schlafen? Hier? Nein!«

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Ein Hinweis der Werbung:
Dieser Bericht wird von der Heitmann & Junge GmbH präsentiert. Mein Ansprechpartner als Bau-, Garten- und Getränkemarkt. Dazu einen Zeltverleih und neben einer Tischlerei gibt es in ihrem Hause auch eine Abteilung für Obstsortiermaschinen.
Die Heitmann und Junge GmbH, eine Klasse für sich … alles aus einer Hand.

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13.05.2021

Als ich aus dem Fenster schaue, sehe ich nur Regen. Na, das kann ja etwas werden. Also die Regenklamotten an und raus an die Luft. Raus aus Cumlosen, vorbei an Wentdorf und ab nach Wittenberge. Am Stadteingang ist ein Einkaufskomplex mit größerem Vordach. Darunter suche ich mit Lotte Schutz und gönne mir ein Frühstück. Von der Pensionsdame habe ich ein Frühstücksei mitbekommen. Das landet jetzt voller Vorfreude auf meinem Brötchen. Während ich nun also da sitze und mir den Bauch vollschlage, beobachte ich die Leute, die zur »Goldenen Möwe« fahren und sich den Fastfood-Abfall reinstopfen. Was ich aber viel witziger finde: Den Müll, den die Menschen ordnungsbewusst in den Mülleimer stecken, pflücken die Krähen kurz danach gleich wieder heraus und suchen nach fressbaren Resten. So sieht der Parkplatz aus wie Sau. Der Wind erledigt dann den Rest.

Gut gestärkt laufe ich dann einmal quer durch die Stadt. Vorbei am Fahrradladen, der mir vor vier Jahren bei einer Panne geholfen hat. Dann weiche ich von der damaligen Route ab. Ich biege nicht links, sondern rechts an der Hauptstraße ab. Recherchen zufolge soll ich dadurch einige Meter einsparen. Ob das wirklich so ist? Mal schauen.
An der Eisenbahn-Elbbrücke Wittenberge halte ich ein weiteres Mal. Hier bemerke ich, es ist ja Vatertag. Also, nicht dass ich vorher nicht wusste, dass Feiertag ist. Das wusste ich schon. Hier an der Brücke treffe ich jedoch zum ersten Mal auf feierwütiges Volk. Noch dazu steht hier eine Bratwurstbude. Eine Bratwurst. Etwas Warmes. Das wäre es jetzt! Also fix eine Wurst vertilgt. Dabei lerne ich Daniel und seine Kumpel kennen. Man macht eine Fahrradtour und möchte nach Scharleuk. Dort wäre ein Pausenhäuschen, wo man den Grill anwerfen möchte.

So fahren sie weiter und ich laufe langsam in die Richtung hinter her. Unterwegs treffe ich immer wieder Gruppen von Jugendlichen, die sich schon gewaltig einen auf die Laterne gegossen haben. Einer rauscht in seinem Rausch die Böschung hinunter. Aber wie das ungeschriebene Gesetz schon sagt: Kleinen Kindern und Besoffenen passiert nichts. Unter dem Gejohle seiner Kumpels krabbelt er aus dem trockenen Graben heraus. Dreckig, wie Sau, ist er dennoch.

Zwei Kleinbusse der Polizei überholen mich und die Insassen schauen nicht schlecht, als sie mich mit meinem gelben Wagen sehen. Wo die wohl hinwollen? Ich laufe weiter. Komme von der Hauptstraße weg und kann wieder auf einem Deichweg spazieren. Bis Hinzdorf geht das so, dann muss ich wieder auf die Hauptstraße. Dort sehe ich auch die Polizeiwagen wieder. Die rupfen gerade eine größere Menschenmenge auseinander. Nehmen Personalien auf und diskutieren mit den Anwesenden. Mich betrifft das nicht. Ich bahne mir einen Weg durch das Geschehen und setze mich von dem Spektakel ab.

Bild 1: Entlang der Bundesstraße nach Wittenberge – Bild 2: Die Elbe bei Wittenberge – Bild 3: Weiter Richtung Hinzdorf – Bild 4: Auf nach Quitzöbel

Von hinten her werde ich irgendwann von jungen Leuten eingeholt. So lerne ich unter anderem Emma und Lucas kennen. Sie fragen, wo ich am Abend schlafen möchte, was ich mit einem Schulterzucken beantworte. Bis Lengde sei mein Minimum. Bis dahin möchte ich es unbedingt schaffen. Man hätte einen Bekannten in Quitzöbel, der einen größeren Hof hat. Wenn ich eine feste Zusage bekomme, dass das klargeht, dann würde ich die fünf Kilometer auf die heutige Etappe noch draufpacken. Ein Telefonat später habe ich »grünes Licht«. Dann also Quitzöbel. Über dreißig Kilometer. Das packe ich!

Dann treffe ich Daniel und seine Leute wieder. Ich soll noch mit zum Grillen kommen. Gut, ein kurzes Weilchen. Ich habe einen Schlafplatz und muss Gas geben. So sitze ich wenige Kilometer später mit im Hüttchen und habe eine Bratwurst im Brötchen in der Hand. Man plaudert, albert und lacht. Dann aber muss ich wirklich in die Hufe kommen. Ich muss noch an die dreizehn Kilometer schaffen. Das wird noch einmal hart.

In Bälow komme ich dann auf eine asphaltierte Wirtschaftsstraße, die zwischendrin einmal auf große Pflastersteine wechselt. Wieder so ein Abschnitt, der sich unheimlich zieht. Landschaftlich unheimlich schön. Die weiten Felder. In der Entfernung, ganz klein, die Dächer der Zivilisation. Für mich heißt es wieder: Beißen! Irgendwie ankommen.
Dann endlich erreiche ich Lengde. Nun sind es nur noch vier Kilometer. Das Ziel kommt näher. Die Zunge hängt immer weiter heraus. Lauf, Junge! Denk an die zwei freien Tage, die ab Morgen Abend warten. Was heute gelaufen ist, muss morgen nicht mehr. Es hat alles einen Vorteil!

Mit letzter Kraft laufe ich schließlich in Quizöbel ein. Ich bewege mich in die angegebene Straße und … habe den Namen vergessen. Wie hieß der Typ nochmal? Eine junge Familie, die gerade zu einer abendlichen Runde aufbricht, kann mir nicht wirklich weiterhelfen. Ich entdecke jemanden im Garten und frage. Irgendetwas mit »M«. »Mux«? Ja! Mux! Der wohnt am Anfang der Straße. Ich also zurück. Einmal geklingelt und nichts passiert. Weitere Menschen kommen vorbei. Schnell den Sachverhalt erklärt und die Mobiltelefone erledigen den Rest. Ein kräftiger Herr mit rundem Kopf kommt zur Straße. Er hat leicht einen Sitzen, das verrät mir die Art des Laufens und sein Blick. Schlafen? Hier? Nein! Da kann ja jeder kommen. Es sei aber telefonisch abgesprochen. Aber nicht mit ihm. Ja, wie? Ich kann hier nicht schlafen. – Jetzt habe ich ein Problem. Wo will ich jetzt unterkommen?

Von den Leuten um mich herum erklärt sich auch keiner bereit. Da kommt die Familie zurück, die mir anfänglich nicht helfen konnte. Dort kann ich in die Garage. Schnell das Auto herausgefahren und noch etwas Platz gemacht und ich habe mein Schlafplatz. Unter diesen verrückten Umständen lerne ich Roman kennen. Einen Physiotherapeuten, mit dem ich im späteren Verlauf des Abends eine ausgedehnte Unterhaltung über mein Projekt und bereits gesammelte Erfahrungen führe. Über die Motivation so etwas zu tun und die Umstände, wie es dazu kam. Für mich sind es wirklich äußerst aufschlussreiche Stunden und ein Glück, dass ich zuvor anderorts abgewiesen wurde.

Start/Ziel: Cumlosen – Quitzöbel
Laufstrecke: 33,89 km
Höhenmeter: 23 m
Zeit: 5:53 h
D.-geschw.: 5,76 km/h
Schritte: 40.055

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