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Wiedersehen in Retzow

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Ein Hinweis der Werbung:
Dieser Tagesbericht wird vom Schnauzen-Kontor präsentiert. Von Halsbändern bis Leinen. Von Trocken- und Nassfutter bis zum Leckerchen. Vom Hundebettchen bis zum Regenmantel. Frau Eva Löhden hat dafür gesorgt, dass Lotte für diese Reise das Passende dabei hat. So sind wir »Meisterlich ausgestattet«.

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18.05.2021

Um vier lässt mich Prasseln aufhorchen. Regen. Gut, die Wahrscheinlichkeit, dass ich am Morgen aus einem trockenen Zelt krabbel, war verschwindend gering. Nun ist es aber amtlich, dass es nicht so ist. Ich drehe mich mit einem Murren um und versuche noch eine Mütze Schlaf zu ergattern.
Um halb acht oder so ist die Nacht dann wirklich beendet. Ich habe annähernd zwölf Stunden geschlafen. Der Körper schien es gebraucht zu haben. Trotz der zwei Ruhetage nicht mal achtundvierzig Stunden zuvor.

Vorm Zelt atme ich die klare Morgenluft ein und blicke über den See, der wie ein Spiegel vor mir liegt. Die Mücken sind weg. So kann ich den Moment eine Weile genießen. Lotte kommt aus dem Zelt und beginnt in der Gegend zu schnuppern.
Lange bleibe ich auch nicht allein. Gemeindemitarbeiter fahren vor. Ob ich nun eine Erklärung abgeben muss? Nein. Der Herr vom Ordnungsamt, der mir am Vortag diesen Platz empfohlen hat, ist auch dabei. So plaudert man noch ein Weilchen. Der Platz muss für den Sommer präpariert werden. Sprich: Rasen mähen. Bruchholz aus dem Weg räumen.
Lotte findet das Treiben hochinteressant und wuselt zwischen den Leuten umher, während ich langsam zusammenpacke.

Bild 1: Blick nach links – Bild 2: Auf dem Weg nach Görne – Bild 3: Blick nach rechts

Über Kleeßen laufe ich entlang einer asphaltierten Wirtschaftsstraße nach Dickte und weiter nach Görne. Hier entdecke ich eine Bank und entschließe mich zu einer Pause. Eine Dame mit ihrem Sohn kommt an mir vorbei. Wohin ich denn möchte? Nach Retzow? Dann bin ich hier falsch. Ja, wie? Ich bin eine Straße zu früh rechts abgebogen. Auf dieser Route gelange ich zurück nach Rhinow, würde somit im Kreis laufen. Niemals! Schnell die wenigen hundert Meter zurück gelaufen und ich bin wieder auf der richtigen Straße.

Vor einem Haus stehen zwei ältere Damen und sind in ihrem Dorftratsch vertieft. Die Haustür steht dabei offen. Lotte, erklimmt die wenigen Stufen und huscht zwischen ihren Beinen hindurch. Zielstrebig eilt sie durch den Flur und steht in der Küche am Katzennapf. Drei verdutzt dreinschauende Menschen stehen da und glauben den Augen nicht zu trauen. Energisch rufe ich nach dem Abklingen der ersten Verwunderung. Lotte aber lässt sich nicht stören. Happs. Happs. Happs. Napf leer. Lotte wieder auf der Straße. Sichtlich zufrieden und mit wedelndem Schwanz. Alte Blödkuh! Die Damen lächeln verlegen. Mir ist es unangenehm. Kann es aber nun nicht mehr rückgängig machen. So entschuldige ich mich aufrichtig. Was mit einem Handwischen abgetan wird. Okay.

Nun ist es eine Hauptstraße, der ich folgen darf. Viel Verkehr ist hier nicht. So baumeln die Gedanken in der Gegend herum. Da schießt mi ein gewaltiger Schreck in die Glieder. Direkt neben mir, im Grünstreifen hat sich etwas Größeres bewegt. Ich prüfe das Gras mit einem genaueren Blick. Eine Blindschleiche, die sich eiligst aus dem Staub macht.
Dann gelange ich an eine Bundesstraße. Vor vier Jahren bin ich mit dem Fahrrad links abgebogen und bin ihr gefolgt. Jetzt weiß ich, dass ich auch geradeaus hätte fahren können. So mache ich es dieses Mal zu Fuß. Anfänglich ist der Weg nicht berauschend. Viel Sand mit größeren Schlaglöchern. Je länger Lotte und ich aber auf dem Weg bleiben, desto besser wird der Zustand.

So gelangen wir nach Haage, wo ich auf den ortszuständigen Polizisten treffe. Nach einer kurzen Unterredung rät er mir, dass ich Lotte an die Leine nehme. Das macht man hier so. Ich könnte jetzt eine Diskussion starten, habe jedoch keine Lust. Und Recht hat er ja vom Ding her. Also Lotte an die Leine genommen.
Einmal links und einmal rechts abgebogen und ich werde von zwei Herren angesprochen. Man sei gerade dabei Renovierungsarbeiten zu verrichten. Da bin ich eine willkommene Abwechslung. So sitze ich wenig später bei ihnen im Garten und habe ein kühles Bier in der Hand. Ob ich hier eine längere Pause machen kann? Ja sicher. So krame ich mein Knäckebrot hervor und starte vor ihren Augen meine Schlemmerei. Essen, anderen bei der Arbeit zusehen und unqualifizierte Kommentare von mir geben. Das kann ich.

Im Laufe der immer weiter eskalierenden Blödeleien aller Anwesenden erhalte ich den Tipp, sofern ich nicht an der Bundesstraße laufen möchte, dass ich die Wirtschaftswege ab Senzke nehmen soll. Es sei zwar einige Kilometer weiter, aber mit der Verkehrsdichte der Bundesstraße Nummer fünf sollte man vorsichtig sein.
Was ich nur bestätigen kann, habe ich es vier Jahre zuvor mit dem Fahrrad selber erlebt. Dann also weiter Wirtschaftswege. Und was soll ich sagen? Der Weg zieht sich. Mittlerweile habe ich wieder an die fünfundzwanzig Kilometer in den Füßen. Ich habe keine Lust mehr.

Bild 1: Weiter nach Haage – Bild 2: Am Großen Havelländischer Hauptkanal – Bild 3: Angekommen in Retzow

Rechts, in der Ferne, kann ich schon den Kirchturm von Retzow sehen. Eine Nachricht habe ich auch schon geschickt. Zwischen fünf und sechs am späteren Nachmittag würde ich eintreffen. Ich habe keine Lust mehr. Zwei Damen auf bepackten Fahrrädern bieten mir durch eine kurze Plauderei noch eine kurze Abwechslung. Ansonsten ist es ein Voranschleppen.
Nur noch zwei Kilometer. Ich zähle schon die Schritte. Und dann … dann habe ich es endlich geschafft. Vor dem Gerätehaus der freiwilligen Feuerwehr Retzow werde ich von Melanie empfangen. Später kommt noch der Ortsbrandmeister Matthias hinzu. Zu dritt sitzen wir eine Weile vor dem Tor und plaudern. Schade, dass es nur eine solch kleine Wiedersehensrunde ist. Wie schön war es mit alle Mann vor vier Jahren? Es soll halt nicht sein.

Man händigt mir einen Schlüssel aus und zeigt mir noch schnell alles. Einmal die Erinnerungen auffrischen. Mein nasses Zelt kann ich zum Trocknen im Schlauturm aufhängen. Und dann … dann bin ich alleine im Gerätehaus. Schlecht geht es mir bei weitem nicht. Ich kann mich in der Küche, im Mannschaftsraum nach belieben ausbreiten. So koche ich mir eine Brühe mit Einlage und lege mich heute einmal später am Abend auf meine Luftmatratze.

Start/Ziel: Kleßen – Retzow
Laufstrecke: 28,17 km
Höhenmeter: 63 m
Zeit: 5:01 h
D.-geschw.: 5,62 km/h
Schritte: 33.445

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