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Hopp, hopp, über den Berg

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Ein Hinweis der Werbung:
Dieser Bericht wird von der Fleischerei Düwer aus Grünendeich präsentiert.
Ob Wurst, Aufschnitt, Grillspezialitäten, zarte Steaks oder hausgemachte Salate. Im Ladengeschäft findet man immer die beste Qualität. Die Fleischerei Düwer wird mittlerweile in der fünften Generation geführt und über 90 Prozent der Produkte kommen aus eigener Produktion. Darüber hinaus wird ein Partyservice angeboten, dessen Speiseangebot von vielen unterschiedlichen warmen und kalten Köstlichkeiten bis hin zu ganzen Büfetts reicht.

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11.06.2021

Drei Tage hat die Pause jetzt gedauert. Eine Zeitspanne, die ich wirklich gebraucht habe. Wobei ich eigentlich noch länger bleiben könnte. Man gewöhnt sich echt schnell daran, wenn man sich eine längere Zeit nicht so sehr bewegt. Es hat mir auch nochmal die Möglichkeit gegeben, über bisher Erlebtes nachzudenken. Vor allem bezogen auf die letzten Tage. Denn wenn ich ehrlich bin, waren diese Etappen das perfekte Training für das, was jetzt kommen würde. Und es gibt ja den Spruch, den ich immer wieder auf T-Shirts in Online-Werbeanzeigen gezeigt bekomme: »Ich werde es durchziehen, aber ich werde die ganze Zeit fluchen.« So oder so ähnlich. Wenn man sich das jetzt einmal genauer vor Augen führt, dann ist exakt das passiert. Und da ich meine Leserschaft ja vom Grundgedanken her so nah wie möglich auf dieser Reise mitnehmen möchte, habe ich auch bei den Nacherzählungen mit der Schilderung meines Unmutes gesparrt.

So beginne ich langsam, die Kisten aus meinem Zimmer hinunter zu meinem Wagen zu tragen. Wie weiter oben beschrieben, habe ich gerade überhaupt keine Lust. Ich habe den Rahmenplan im Kopf und der sagt mir, dass ich losziehen muss. Bis Mitte Juli ist jetzt nicht mehr so lange hin. Ich muss über den Erzgebirgskamm, durch das Böhmische Becken und den Bayerischen Wald rüber. Viele Höhenmeter und ich weiß nicht, wie ich konditionell mit der Situation klarkomme, wenn es jetzt über mehrere Tage wirklich bergauf geht.

Die Mittagszeit bricht an und ich stehe noch immer vor der Pension. Ich plaudere und schinde Zeit. Ich stehe mir gerade selber im Weg. Immer wieder geht der Blick auf die andere Seite des Tals, wo ich dieses verlassen möchte. So schlimm sieht das jetzt nicht aus. Frank belächelt diese Aussage. Die Straße, die ich gewählt für die Passierung gewählt habe, kenne ich. Mit dem Fahrrad habe ich es schon einmal getan. Zu Fuß mit an die sechzig Kilo jedoch noch nicht. Ich muss los. Doch nicht ohne ein Letztes Radler mit Frank in der Kneipe unten an der Hauptstraße zu trinken. Katrin, seine Frau, fährt kurz darauf mit dem Auto vorbei und lacht beherzt. Ja, die Motivation.

In Deutschkatharinenberg verlasse ich Deutschland. Polizei oder Zoll ist nicht zu sehen. Einzig die Leute im nahegelegenen Wirtshaus schauen neugierig, als Lotte und ich, gefolgt vom gelben Wagen vorbeiziehen. Bereits in den ersten anderthalb Kilometern kann ich eine Steigung bemerken. Nichts, was einen ins Schwitzen bringen würde, aber spürbar durchaus. Das ändert sich kurze Zeit später. Wie lange geht es eigentlich bergauf? Zwei Kilometer? Drei? Das weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur, dass ich damals, mit dem Fahrrad eine gewisse Zeit gebraucht, und auch mal geschoben habe. Während ich mich nun als in mein Zuggeschirr werfe und mit kleinen, langsamen Schritten den Berg erklimme, tropft es doch gewaltig von meiner Stirn. Alle Paar hundert Meter setze ich ab und muss verschnaufen. Doch nicht so leicht, wie es anfänglich ausgesehen hat.

Plötzlich die Erkenntnis: Ich habe vergessen und in Oberlochmühle die Postkarten in den Briefkasten zu werfen. Was mache ich jetzt? Die Karten quer mit durch Tschechien schleppen? Umdrehen? Nein! Letzteres: Niemals! Ja, dann geht nur mitschleppen. Da ertönt hinter mir das Geräusch eines Fahrzeugs. Ein Wagen hält neben mir. Auf der Beifahrerseite sitzt ein Herr, den ich am Vorabend im Wirtshaus kennen lernen durfte. Ihm erkläre ich schnell die Umstände und dass die Karten fertig frankiert sind. Er sie lediglich in den Briefkasten werfen muss. Das sei nicht das Problem. – Glück muss der Mensch haben.

Bild 1: An der Tschechischen Grenze – Bild 2: Blümchen am Wegesrand – Bild 3 & 4: Ein Blick in das Böhmische Becken

Was ein Gezerre. Wie lange bin ich jetzt schon unterwegs? Ich blicke auf die Uhr. Es war auf alle Fälle nach zwölf, als ich in Oberlochmühle gestartet bin. Zwei Stunden also. Wie weit bin ich gekommen? Vier Kilometer? Fast fünf. Oha. Ich verlasse den Wald und blicke auf einen baumlosen Gipfel. Die natürliche Baumgrenze ist das nicht. Dafür bin ich zu tief. Jetzt bin ich aber komplett der Sonne ausgesetzt. Zumindest kann ich das Ende vom Anstieg sehen.

Oben, also, sieben Kilometer im Ganzen mache ich eine längere Pause. Dafür nutze ich eines der beiden Bushäuschen in dem Ort Malý Háj. Ab dann geht es nur noch bergab. Erst war es ein Geziehe und nun drücke ich mich mit meinem Rücken und Beinen gegen den Wagen, dass der nicht noch mehr schiebt. So wird die Beinmuskulatur jetzt völlig anders beansprucht.

Vor Boleboř hält ein weiteres Auto. Ein Kleinbus. Die Insassen kenne ich. Die habe ich wenige Tage kurz vor Olbernhau schon einmal getroffen. (Das hatte ich vergessen, in dem Bericht dafür zu erwähnen). Damals haben sie mir angeboten, meinen Wagen einzuladen und mich ein Stück mitzunehmen. Was ich aber abgelehnt habe, weil es ja Schummeln wäre. So plaudert man eine Weile über die vergangenen Tage. Über die Pause und den Besuch in Seiffen. Schließlich trennt man sich wieder. Ich laufe weiter nach Boleboř und nehme ein weiteres Mal ein Bushäuschen in beschlag.

So langsam müsste ich mir auch mal einen Schlafplatz suchen. Es ist schon verdammt spät. Wenn ich den Hintern am heutigen Tag früher hochbekommen hätte, wäre es jetzt nicht so das Problem. Wenn ich aber die Stadt Jirkov noch hinter mir lasse, dann wäre es das Erfolgserlebnis. Zumal es ja auch irgendwann einmal flacher werden müsst. Die Beine mosern nämlich schon eine ganze Weile. Insgesamt laufe ich heute sieben Kilometer bergauf und ganze dreizehn bergab. Ich habe einfach keine Lust mehr.

In Jirkov selber komme ich mit einem jungen Herrn ins Gespräch. Es ist ein Mix aus Deutsch und Englisch. Später unterhalte ich mit zwei Damen, die mir einen Tipp geben, wo ich heute Nacht schlafen kann. Das ist ja gerade total leicht hier. Wenn das so weiter geht, dann wird das eine total geniale Zeit und Tschechien. Hinter Jirkov hält ein Auto und ein weiterer junger Herr gibt mir neben Gesichtsmasken und etwas Essbares auch noch einen kleinen Obolus für meine Kasse. Das erleichtert mir die Situation ein weiteres Mal entschieden, denn ich muss keine Wechselstube aufsuchen. Man plaudert anschließend noch etwas auf Englisch, was ich bereits erlebt habe und wo ich heute noch hin möchte. Ich deute den angepriesenen Schlafplatz der zwei Damen an. Er nickt. So ziehe ich weiter.

Hinter dem Dorf Odvice, Richtung der Stadt Komotau, gelange ich an einen Stausee. Dort auf der Grünfläche baue ich mein Zelt auf. Die noch anwesenden Personen stören sich nicht im geringsten daran und wirken hier eher desinteressiert. So verbringe ich die erste Nacht in Tschechien in meinem Zelt. Den ersten wirklich großen Anstieg habe ich doch recht gut überstanden. Nun werden Lotte und ich die nächsten Tage durch die von Hügeln versetze Landschaft des Böhmischen Beckens laufen.

Start/Ziel: Oberlochmühle (Deutschland) – Otvice (Tschechien)
Laufstrecke: 25,25 km
Höhenmeter: 290 m
Zeit: 5:21 h
D.-geschw.: 4,72 km/h
Schritte: 32.838

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