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Kampf dem Krampf

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Dieser Bericht wird von der Fleischerei Düwer aus Grünendeich präsentiert.
Ob Wurst, Aufschnitt, Grillspezialitäten, zarte Steaks oder hausgemachte Salate. Im Ladengeschäft findet man immer die beste Qualität. Die Fleischerei Düwer wird mittlerweile in der fünften Generation geführt und über 90 Prozent der Produkte kommen aus eigener Produktion. Darüber hinaus wird ein Partyservice angeboten, dessen Speiseangebot von vielen unterschiedlichen warmen und kalten Köstlichkeiten bis hin zu ganzen Büfetts reicht.

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05.07.2021

Es ist so weit! Der Tag ist gekommen, da die Pause, wenn man so will. Naja, die Pause vom Laufen. Das ist es schon gewesen. Die Pause jedenfalls ist vorbei. Elf Tage habe ich auf der Caldis Farm geweilt. Nun soll es also wieder nach Deutschland gehen. Zwei Tage habe ich dafür grob eingeplant. Ob es funktioniert? Es sind einige Höhenmeter im Weg, die überwunden werden wollen. Mal schauen, ob es funktioniert.

Los komme ich aber noch lange nicht. Ich laufe quer über den Hof und sammel noch einiges an Videomaterial. Warum jetzt? Sicher wäre es hier und dort besser gewesen, wenn ich zwischendrin mal die Kamera angemacht hätte. Ich wollte aber nicht so viel Zeit während meiner Aufgaben vergeuden. Vorankommen war mir irgendwo wichtiger. So wird es eine Nacherzählung. Immer wieder muss ich abbrechen und neu anfangen. Immer wieder verhaspel ich mich bei meinen Ansagen. Dann aber ist es endlich geschafft. Ich habe alles Rohmaterial beisammen. Der Wagen ist gepackt und ich verabschiede mich von Sandro und Fabienne. Eliane ist bereits in Deutschland, da sie vor einigen Tagen eine zweite Tätigkeit dort aufgenommen hat. Nun ist Sandro den ein und anderen Tag ganz alleine auf dem Hof, sofern kein freiwilliger Helfer anwesend ist.

Lotte in ihre Warnweste gesteckt und los geht es. Bereits Tage zuvor habe ich mich mit dem Weg nach Deutschland auseinandergesetzt. Wie ich laufen möchte. Es gibt einen Abschnitt, der zwischen den Hauptstraßen durch den Wald führt. Oder laufe ich weiter an der Otava entlang? Es wäre einiges an Kilometer mehr. Noch dazu ist diese Straße stark befahren. Nein, ich entscheide mich für den Wald. Ob das sol clever ist, werde ich sehen. Auch laufe ich nicht nach Bergreichenstein zurück. Sandro sagt, ich soll mich an der Dorfstraße rechts orientieren. Das sei wesentlich angenehmer. Gesagt, getan. Gute sechs bis acht Kilometer geht es relativ entspannt ins Tal. Die Zeit verfliegt und der Kilometerzähler am Wagen steigt rasch an. Vor dem Ort Rejštejn komme ich dann mit einem Pärchen ins Plaudern. Sein Deutsch ist wirklich gut. Er klingt so norddeutsch. Und wirklich. Er kommt gebürtig aus Hannover. Ist ja verrückt. Ob ich etwas zum Essen haben möchte, werde ich gefragt. Eigentlich habe ich alles. Aber auch Bananen? Nein, die nicht. Schokowaffeln? Nein. Ich soll zupacken. Ich bedanke mich und ziehe weiter.

In Rejštejn, nachdem ich die Hauptstraße gequert habe, entdecke ich eine Bank. Weiter hinten ist ein Wirtshaus mit Biergarten, wo die Hölle los ist. Einen kurzen Moment bin ich am Überlegen. Ich bleibe aber auf meiner Bank. So viele Vorräte, die gegessen werden wollen. Fahrradfahrer passieren und mustern mich mit meinem Wagen. Ich werfe einen Blick auf den Bach, der mit seinem beruhigendem Geplätscher das Gebrabbel der Massen im Biergarten übertönt.

Als ich weiterziehen möchte, komme ich mit einem jungen Vater ins Gespräch, der mit seinem Sohn eine Fahrradtour unternimmt. Ob ich für ein Bild bereit wäre? Na, klar! Ist nicht das erste und auch bestimmt nicht das letzte Mal. Nebenbei frage ich nach dem Weg durch den Wald. Ja, den kann man schon nehmen, bekomme ich als Antwort. Zustand? Der ist okay. Die ersten einhundert Meter stimmt die Aussage. Danach geht es bergauf. Aber wie! Die Steine unter meinen Füßen werden auch mit jedem weiteren Meter gröber und größer. Das kann ja was werden. Ich ziehe und zerre. Halte immer wieder an und verschnaufe. Meine Klamotten sind schweißnass. Lotte erkundet die nähere Umgebung. Es ist zu langweilig neben mir.

Bild 1: Auf den ersten Metern zurück nach Deutschland. – Bild 2 & 3: Erst über Geröll, dann durch Schlamm – Bild 4: Ein letzter Blick auf das Böhmische Becken in der Abendsonne

Ich komme einfach nicht vorwärts. Geröll und große Löcher liegen in meinem Weg. Der Regen einige Tage zuvor hat hier ganze Arbeit geleistet. Mountainbiker überholen mich und fallen beinahe vom Fahrrad. Weil sie mich mit meinem Wagen gesehen haben? Vielleicht auch. Der Weg wird noch schlimmer und sie entscheiden sich, zu schieben. Wenn Mountainbiker schieben, dann muss man sich Gedanken machen. Doch zurück? Nochmal über das bisher absolvierte? Ich weiß nicht. Da quiekt es schrill hinter mir. Ein schwarzes Etwas kommt mit eingezogenem Schwanz von weiter oben. Lotte ist mit der Nase in den Elektrozaun gekommen, der seit einiger Zeit zu meiner Linken ist und Schafe in ihrem Gehege hält. Es ist ja nicht so, dass wir einem Elektrozaun noch nie begegnet sind oder gespürt haben. Dieser Hund.

Endlich scheine ich es geschafft zu haben. Meine Beine fühlen sich an wie Butter. Nun sind die Steine zwar weg, dafür ist es jetzt aber alles voll mit Schlamm. Dann also da durch. Kurz dahinter taucht ein weiterer Wegabschnitt mit großen Gesteinsbrocken auf. Niemals! Ich schaue auf mein Telefon. Ich bin von der Weganzeige der Navigationsapp angewichen. Wie jetzt? Ich habe doch … Nein, habe ich nicht. Wie weit bin ich …? Ich muss zum Glück nur durch den Schlamm zurück. Dann stehe ich wieder an der T-Kreuzung. Rechts herum? Das scheint aber auch falsch. Da, wo mich das Navi hinschicken will, ist nichts. Kein Weg. Nur Moos und Büsche, Wurzeln und Bruchholz. Oh, wo bin ich hier gelandet? Ich werfe einen Blick auf die Uhr. Drei Stunden für zwei Kilometer und jetzt im absoluten Nirgendwo.

Ein Vater kommt mit seinem Kind aus der Richtung, aus der ich selber kam. Im Gepäck ein Holzkörbchen und Messer. Da hat jemand Pilze gesucht. Ich frage nach einem Ausweg. Erst auf Englisch, dann auf Deutsch. Ich habe Glück. Der Herr kann mich verstehen und deutet nach rechts. Und jetzt wird es verrückt. Nur knapp dreihundert Meter und einen weiteren kleineren Anstieg später stehe ich am Waldrand. Autos stehen hier und die Straße ist asphaltiert. Ich soll mich links halten. Das sagt mein Navi jetzt, wo ich wieder auf dem richtigen Pfad bin. Dort geht es aber wieder in den Wald. Ich bin doch nicht bescheuert! Jetzt nicht mehr! Das hat mir heute an unwegsamen Pfaden gereicht. Ich blicke auf die Karte und folge mit dem Finger der Straße. Es sind einige kleinere Dörfer auf der Route. Hartmantice bringt mich dann final an die Straße, die mich Richtung Bayerisch Eisenstein bringen soll. Alles in allem ist es nur drei Kilometer weiter. Drei Kilometer, die ich heute nur zu gerne laufe. Von Wald habe ich an diesem Tag die Nase gestrichen voll.

Ich muss mich beeilen. Es ist nicht mehr so lange und es wird dunkel. Hier um die Kurve und dort ein Stück ins Tal. Dort wieder raus und ich bin in Hartmantice. Ich brauch jetzt unbedingt etwas Kaltes zum Trinken. Etwas mit Geschmack. Mit Zucker. Wasser hängt mir zu den Ohren raus. Der Biergarten der Wirtschaft ist gut besucht. Viele Augen beäugen mich, als ich die Bühne betrete. Zwei Limonaden und einige kurze Plaudereien später verlasse ich unter den neugierigen Blicken der übrigen Menschen den Ort wieder. Ich habe nicht mehr viel Zeit.

Ich bin völlig am Ende. Der Abschnitt durch den Wald hat mir alles abverlangt. Nach elf Tagen der Pause solch eine Anstrengung. Schlau ist das bestimmt nicht gewesen. Noch dazu: Von Hartmantice aus geht es jetzt nur noch bergauf. Nicht schlimm, aber spürbar. Ich verlasse nun das Böhmische Becken. Es ist der finale Anstieg. Ein Auto kommt mir in den Abendstunden entgegen und geht kraftvoll in die Eisen. Eliane, die Feierabend hat und nach Hause fährt. So habe ich auch hier nochmal die Möglichkeit mich zu verabschieden. Dann geht es weiter. Ich muss es irgendwie zu meinem auserkorenen Punkt schaffen, wo ich mein Nachtlager aufschlagen möchte. Ein Wirtshaus, in etwa auf der Hälfte des Weges nach Bayerisch Eisenstein. Bis dahin möchte ich es unbedingt schaffen. Dann ist das Morgen nicht mehr ganz so schlimm. Aber … komme ich da auch wirklich an?

Meine Oberschenkelmuskulatur möchte krampfen. Während ich noch laufe. Das habe ich auch noch nicht erlebt. Wie kann ich die Schritte jetzt setzen, ohne, dass es in einer »Katastrophe« endet? Ein weiteres Auto hält und ein Herr mit seinem Sohn steigt aus. Man hätte mich vor knapp zwei Wochen in Sušice gesehen. Da man mich hier nun wieder entdeckt hat, wollte man mal nach den Umständen meiner Wanderung fragen. Wie ein angeknockter Rummelboxer stehe ich in der Gegend rum und beantworte die Fragen. Kann ich das Bein so drehen? Ja, das geht, so fühlt es sich besser an.

Wie soll die Nacht nur werden, wenn die Beine schon jetzt so rumzicken? Kann ich überhaupt Schlaf finden? Das werde ich erst herausfinden, wenn ich im Schlafsack liege. Dann endlich habe ich das Wirtshaus erreicht. Ich bin so unendlich erleichtert. Hoffentlich darf ich hier mein Zelt aufschlagen. Das wäre ein Desaster, wenn ich das nicht darf.
Der Kellner guckt völlig verdutzt aus der Wäsche. So etwas sei er noch nicht gefragt worden. Er muss seinen Chef fragen. Ja, ich darf. Aber etwas abseits, dass andere Gäste es nicht direkt sehen. Das sollte das kleinste Problem sein. Kaum steht mein Zelt, sehe ich einen Rennradfahrer, der ebenfalls sein Nachtlager aufbaut. Erst fragt niemand und jetzt zwei am gleichen Tag, im fast gleichen Moment. Zufälle gibt es, die gibt es nicht.

Start/Ziel: Červená – Hartmanice
Laufstrecke: 20,52 km
Höhenmeter: 313 m
Zeit: 4:30 h
D.-geschw.: 4,56 km/h
Schritte: 29.816

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