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Der Wanderweg Nummer vier

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Dieser Bericht wird von der Volksbank Stade-Cuxhaven präsentiert. Mein Ansprechpartner für Finanzfragen während meiner Tour. Weltweit bargeldlos mit der VR-BankingApp bezahlen oder ein schneller Geldtransfer an Freunde mit »Kwitt«. Für Fragen wenden Sie sich an einen persönlichen Finanzberater der Volksbank. »Morgen kann kommen. Wir machen den Weg frei.«

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10.07.2021

Was ein schöner Morgen. All der Regen und Wind vom Vortag ist verschwunden. Die Sonne zeigt sich von ihrer besten Seite und vereinzelt hängen wattebauschähnliche Wolken am Himmel. Ich bekomme den Tipp, dass ich mich an den Wanderweg Nummer vier halten soll. Der ist durchgehend bis Böbrach asphaltiert. Dann steht der heutigen Etappe ja nichts im Weg!
Während ich Kiste für Kiste aus meinem Zimmer schleppe, beobachten mich neugierige Augen der übrigen Hotelgäste. Lotte läuft im Innenhof umher und ist gut gelaunt wie eh und je. Hier eine Streicheleinheit und dort einen Knuddel. Sie lässt nichts aus oder anbrennen.

In Ortskern von Bodenmais versuche ich dann noch einige Geschäfte als Werbepartner für meine Reise zu gewinnen, was aber mehr suboptimal läuft. Man kann nicht immer Erfolg haben. So geht es dann auf den Wanderweg.
Über Nebenstraßen verlasse ich Bodenmais. Laufe an Senioren vorbei, die gerade mit dem Fahrrad unterwegs sind. Die Grillen zirpen vereinzelt im hohen Gras und der leichte Wind lässt die grünen Halme sanft hin und her wiegen.

Bei einem großen Wirtshof stoße ich dann auf eine Sonderheit. Mein Weg teilt sich. Es gibt hier jetzt den Abzweig »4a«. Was mache ich jetzt? Nach Böbrach führen beide. Ich bleibe, wie mir gesagt wurde auf der Vier ohne Zusatz. Ich kreuze eine Hauptstraße, quere die Brücke über den Rothbach und laufe wieder durch den Wald. Vereinzelt tauchen Häuser auf und verschwinden wieder. Und dann? Ein Wendehammer. Kein Asphalt mehr. Waldweg. Tiefe Spurrinnen und größere Felsen auf meinem Pfad. Zurück? Nein. Ich bin auf dieser Reise schon so oft über den Holzweg gelaufen und habe stur daran festgehalten, also mache ich das jetzt auch.

Dass das nicht schlau ist, bemerke ich nur wenige hundert Meter später, als sich mein Wagen der Spurrinnen wegen auf die Seite wirft. Ich habe gemerkt, dass das passiert, habe aber zu spät oder besser falsch reagiert. Nun stehe ich mitten im Wald und muss meinen Zossen irgendwie wieder aufrichten. Ich fange an die leichteren Anbauteile abzunehmen und dann Lottes Box. Der Inhalt der zwei offenen Kästen, die ich mitführe, verteilt sich auf dem Weg. Letztendlich wirkte das aber schlimmer als es tatsächlich ist. So viel Zeit verliere ich dadurch jetzt nicht. Es deutet sich im späteren Verlauf dann auch noch ein zweites und drittes Mal an, dass der Wagen droht zu kippen. Da kann ich dann aber mit Kraft rechtzeitig gegenhalten, dass das nicht passiert.

Auf dem Wanderweg Nummer vier bin ich derweil lange nicht mehr. Der knickte vor einiger Zeit nach rechts weg ins Tal. Recht steil und mit großen Steinen und Wurzeln als Hindernisse. Wo bin ich denn jetzt? Ich werfe einen Blick auf mein Telefon. Die Wege sind auf der Karte schon mal eingezeichnet. Das ist gut. Ich kann graue Kästchen finden, die Gebäude darstellen. So weit ist das jetzt nicht mehr dahin. Dann weiter. Wo Häuser sind, sind die Wege auch wieder besser. Naja, kommt drauf an, was das für Gebäude sind. Sind es einfach nur Scheunen, muss das mit dem Straßenzustand nicht wirklich stimmen.

Bild 1: Hier ist die Welt noch in Ordnung – Bild 2: Bruchlandung im Wald

Als ich die Gebäude erreiche, bin ich erst einmal erleichtert. Es sind Wohnhäuser. Nur, wie dort jetzt hinkommen. Meine Wege führen ab hier alle wieder den Berg hinauf. Ich könnte … über die Futterweide laufen. Ginge das? Ich trete näher heran. Einen Zaun gibt es hier nicht. Aber weiter unten? Ich kann es nicht sehen. Es könnte dort auch einen Graben geben. Egal. Irgendwie muss ich von dieser Waldpiste runter und wieder auf festes Geläuf. Ich ziehe und zerre den Wagen durch kniehohes Gras. Lotte hüpft, einer Gazelle gleich, durch das Grün und versucht immer wieder eine Richtung zu ergattern, wo es nun hingeht.

Ich schließe die Lücke zu Böbrach und schaue mich um, entdecke auch den Radweg, der für mich anfänglich bestimmt gewesen ist. Ist jetzt nicht mehr zu ändern. Jetzt bin ich ja wieder auf dem richtigen Weg. Motiviert bin ich allerdings nicht mehr wirklich. Ich schaue abermals auf die Karte. Wie weit möchte ich heute noch kommen? Wie weit bin ich überhaupt schon? Neun Kilometer? Das ist ja gar nichts! Ich sondiere die Karte. Teisnach oder besser Geiersthal. Das erst einmal als Richtwertziel. Dann bin ich zwar noch immer weit hinter meiner Wunschentfernung für meine Tagesetappen, aber seit ich aus Tschechien raus bin, habe ich noch keine Etappe über zwanzig Kilometer gebracht.

Noch dazu schwebt mir eine weitere Zahl im Kopf umher. Eintausend. Heute ist nämlich auch der Tag, an dem ich die Marke von Eintausendkilometern knacke. Das möchte ja eigentlich gefeiert werden. Zumindest mit einem Bier. Ganz bescheiden.
Ich kämpfe mich noch bis Geierstahl durch und steuere das nächste Wirtshaus an. Dort sitzt an einem Tisch eine Gruppe älterer Herrschaften. Wie ich es immer neckisch nenne, der Dorf-Ältesten-Rat. Man kann eigentlich in jedes Dorf in Bayern gehen. Im Wirtshaus wird man nahezu immer solch einen Tisch vorfinden. Was aber auch wieder schön ist. Man findet gleich Anschluss und Gesprächspartner.

So sitze ich kurz darauf mit meinem halben Liter Bier mit am Tisch und man plaudert über die Welt. Später kommt dann noch ein jüngeres Pärchen aus der Nachbarschaft und setzt sich dazu. Man kommt gerade vom Sportplatz. Der Kracher ist es dort aber wohl nicht gewesen. So muss die Stimmung hier im Wirtshaus wieder aufgeheitert werden.
Kurz bin ich sogar bereit ein Zimmer zu nehmen. Es hat sich Regen angekündigt und ich möchte es irgendwie vermeiden, dass mein Zelt nass wird. Letztendlich entscheide ich mich jedoch dagegen. Ich kann nicht immer und überall ein Zimmer beziehen. Noch dazu hatte ich ja in Bodenmais gerade eine schöne Behausung. Heute müsste es dann wieder etwas bescheidener einhergehen.

Ich reiße mich vom Tisch los, nachdem ich noch zwei weitere Biere getrunken habe, und verabschiede mich. Doch nicht ohne mich für das letzte Getränk zu bedanken, das man mir ausgegeben hat.
Auf dem Weg raus aus Geiersthal werde ich dann noch von einer Familie angesprochen, die mich im Wirtshaus gesehen hat. Ob ich noch einen Schlafplatz suche? Ich bejahe die Frage. Leider kann man mir aber nichts anbieten.
Wenige hundert Meter später habe ich dann Glück. Ich darf mein Zelt im Garten einer etwas älteren Dame, auf deren Klingelschild der Spruch steht, dass man keinem Mann trauen soll, der Hunde nicht mag, aufbauen.

Start/Ziel: Bodenmais – Auhof
Laufstrecke: 15,66 km
Höhenmeter: 181 m
Zeit: 3:37 h
D.-geschw.: 4,33 km/h
Schritte: 23.381

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