Jetzt verreckt auch noch der Anhänger!

23.04.2017

Der Tag Pause war grandios. Es gab die ein oder andere Unterhaltung mit dem Betreiberpaar der Wirtschaft. Beide sind begeisterte Radler, dessen Hobby aber mit der Zeit ins Hintertreffen geraten ist. Der Betrieb. Dennoch wirklich aufschlussreich. Neben mir hat auch noch ein weiterer Herr einige Tage dort verbracht. Er hat mich sogar meist noch mehr beeindruckt. Er besitzt kein Auto mehr und macht alles mit dem Fahrrad. Er kommt hier aus der Gegend und wohnt derzeit in Frankfurt.

Ist es richtig, wenn ich sage, dass er Heimweh hat? Hmm … Naja, zumindest möchte er hier nach Schlitz zurückkommen und kümmert sich in diesen Tagen um alles Nötige. Mit dem Fahrrad. So fahren wir an diesem Morgen einige Kilometer gemeinsam. Ehe sich vor den Toren der Stadt unsere Wege trennen und ich weiter dem R1 folge.

Eigentlich ist starker Wind vorhergesagt worden, doch aus irgendeinem Grund bleibt er heute aus. Soll mir recht sein. So radel ich unter einem wolkenverhangenen Himmel hindurch. Als ich Ende März losgefahren bin, war der Winter noch allgegenwärtig. Doch jetzt, vier Wochen später ist der Frühling mit großen Schritten im Anmarsch. Ich fahre an Rapsfeldern vorbei, die langsam das Blühen anfangen. Das Grün der Bäume beginnt zu sprießen. Es ist wieder ein Moment, wo mir bewusst wird, wie schön es ist. Aber auch, dass es kommenden Donnerstag bereits alles zu Ende sein wird.

Bis es so weit ist, liegen noch über vierhundert Kilometer vor mir. Also, wenn ich es bis vor die heimische Haustür schaffen will. Es bedeutet dazu, dass ich am Tag mindestens achtzig Kilometer schaffen muss. Fünf Tage habe ich noch. Heute mitgerechnet. Lotte neben mir hat wieder richtig Bock auf Laufen. Die Ohren fliegen im Wind, ihre Marke klimpert, die Zunge schlabbert an der Seite heraus.

Hin und wieder, wenn ich frage, ob alles gut ist, wirft sie mir einen flüchtigen Blick zu, um gleich wieder nach vorne zu schauen. Mit langen raumgreifenden Schritten läuft sie neben mir her. Es ist schade, dass bald alles zu Ende ist. Dass ich fast schon melancholisch werde. Es hat wohl jeder in seinem Urlaub schon erlebt, dass man am liebsten an dem Ort bleiben möchte, wo man eine schöne Zeit verbracht hat. So geht es mir auch gerade. Die Straßen Deutschlands »mein zu Hause« nennen zu dürfen ist schon krass. Tschechien dabei nicht zu vergessen. Jeder einzelne Tag hat etwas Neues gezeigt. Hat mich an meine Grenzen gebracht, oder hat mich in meinem Vorhaben beflügelt.

Blog 1

So radel ich an Niederaula vorbei. Lasse Bad Hersfeld hinter mir. Heute, am Sonntag ist auf sämtlichen Fußballplätzen, an denen ich vorbei fahre, die Hölle los. Logisch. Es ist Sonntag. Ob Kreis, Bezirksliga, oder höher. Alle sind sie unterwegs. Mittlerweile bin ich in der Gemeinde Ludwigsau. Hier entdecke ich am Fuldaradweg eine große Betonkugel. Neugierig, wie ich bin schaue ich auf das Hinweisschild. Ich befinde mich jetzt auf dem ›Planetenweg‹. Vor mir, die große Kugel ist die Sonne. Okay, ja, dann auf durch unser Sonnensystem geradelt.

Die ersten vier Stationen sehen gar nicht aus, wie Planeten. Es sind Säulen aus Granit. Darauf sind Merkur, Venus, Erde und Mars befestigt. Gerade einmal so groß wie Kugeln aus einem Kugellager. Erst der Jupiter schaut wieder gescheit nach einem Planeten aus. Und der Saturn mit seinen Ringen ist das interessanteste dargestellte Modell. Fehlen nur noch Uranus und Neptun. Als ich den letzten Planeten unseres Sonnensystems erreiche, kommt es mir vor wie eine Ewigkeit, dass ich die Sonne passiert habe.

Blog 2

Aber, Moment. Kann es sein, dass der Anhänger heute lauter klappert? Gerumpelt hat er eigentlich immer. Ach, Quatsch! Das bildest du dir ein. Rotenburg an der Fulda ist die letzte große Stadt, die ich heute hinter mir lasse. Aber mal im Ernst. Der Anhänger ist doch lauter heute? Irgendwann wird es mir zu bunt und ich halte an. Ganz großes Kino. Der linke Reifen am Anhänger ist platt. Der Mantel ist von der Felge gesprungen und diese läuft nun auf dem nackten Gummi.

Ich habe gefühlt einhundert Leute überholt. Warum hat niemand etwas gesagt? Und wenn es ein blöder Kommentar ist, warum man mit einem platten Reifen umherfährt? So würde ich es zumindest machen. Ob es ein neuer Trend ist, oder so? Naja. Also alles abgestellt und geschaut, dass das Fahrrad nicht umfällt. Die Felge aus dem Bajonettverschluss gezogen und den Schlauch untersucht, warum der nun platt ist.

Es wird immer besser. Die Gewindenieten der Speichen haben sich durch das Felgenband gescheuert und dann den Schlauch kaputt gemacht. Wie willst du das jetzt reparieren? Du hast kein Felgenband dabei. Versetzen. Versuch es mit versetzen. Also los. Neues Loch gestochen, dass der neue Schlauch aufgezogen werden kann, aber dann die nächste Überraschung. Ich habe den Mantel bereits so breitgeritten, dass der nicht mehr in der Felge hält. Jedes Mal, wenn ich Luft in den Schlauch gebe, drückt er seitlich aus seiner Halterung.

Zwei Damen kommen vorbei. Ob ich nen Platten hätte, werde ich gefragt. Natürlich! Ich bin eben an euch vorbei geradelt. Warum habt ihr da nichts gesagt? Gnarf! Das alles habe ich natürlich nicht geantwortet. Hätte es aber gerne getan. Stattdessen frage ich, wo hier in der Nähe ein Fahrradgeschäft ist. In Melsungen oder nach Rotenburg zurück. In Heinebach soll sich auch ein Fachgeschäft befinden. Ich bedanke mich für die Auskunft und will es soweit wie möglich mit dem Reifen schaffen.

Dass der Mantel aber immer nach ein paar hundert Meter wieder von der Felge hüpft, lässt mich schließlich in Heinebach halten. Nun gilt es, eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden.Hotels und Pensionen sind in der Gegend alle ausgebucht. Feuerwehr und Kirche verweigern mir ›Asyl‹. Wegen Lotte. Nachdem es dann auch noch dunkel geworden ist und ich mit Hilfe des Wirtes vom Gasthof »Am Gänsemarkt« alles versucht habe, scheint sich heute mal das Glück gegen mich gewandt zu haben. Ich wäre auch schon mit einer leeren Garage zufrieden. Hauptsache Steckdose. Oder Platz für das Zelt. Eine Steckdose kann man auch bei Pausen erfragen.

Schließlich meldet sich ein Pärchen, die den Abend in der Wirtschaft ausklingen lassen. Die Zwei, Stefan und Christiane haben meine Bemühungen beobachtet und sie würden mir ein Bett fertig machen. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Natürlich nehme ich diese großzügige Geste nur zu gerne an. So folge ich wenig später den Berg hinauf. Lotte fährt Auto. Stefan begleitet mich. Nachdem übernachtungstechnisch alles geklärt ist, setzen wir drei uns noch etwas auf die Terrasse und lassen den Abend bei einem Bier ausklingen …

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