Fragen, Fragen, Fragen …

Ja, das war sie nun, meine Reise durch Deutschland und Teile Tschechiens. Wenn ich so zurückschaue, dann ist das auch schon wieder zwei Monate her. Wahnsinn! Aber in all der Zeit habe ich überlegt, wie will ich diese Geschichte abschließen? Es einfach bei dem letzten Blogeintrag belassen, wäre nicht schön. Also habe ich mir einige Fragen überlegt, von denen ich mir denke, dass sie die Leute interessieren könnten. Auch sind Fragen dabei, die man mir in der Zeit danach immer mal gestellt hat.

Und damit das alles nicht so langweilig rüberkommt, sprich Frage – Antwort, Frage – Antwort, lasse ich einfach dem Wahnsinn in meinem Kopf freien Lauf. Herausgekommen ist ein Dialog, den ich mit mir selber führe. Lehnt euch zurück und genießt die schamlose Offenheit aus den Erkenntnissen, die ich in den vier Wochen meiner Tour sammeln durfte!

So, dann geht es also los hier mit unserem Frage-Antwortspielchen. Mütze, ich darf doch Mütze sagen? Heute ist der 25.06.2017. Heute, vor genau zwei Monaten bis Du in den frühen Morgenstunden wieder zu Hause angekommen. Wie ist es Dir seither ergangen?

Ein bisschen schräg ist das jetzt ja schon, oder? – Aber ich falle aus meiner Rolle. – Stimmt, heute ist es genau zwei Monate her. Gut geht es mir seitdem.

Du hattest nun ja eine ganze Weile, um über das Erlebte nachzudenken. Wie, beziehungsweise wo würdest Du die Entscheidung in Deinem Leben einordnen, diese Reise gemacht zu haben?

Die Entscheidung? Ganz weit oben! Es war etwas absolut Neues und alleine den Entschluss zu fassen. Ohne bis zu dem Zeitpunkt einen Kilometer gefahren, ja, noch nicht einmal das Equipment mein Eigen nennen zu dürfen. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, es so zu machen.

Was war in dieser Phase, der recht jungen Phase der Idee für Dich am Aufregendsten?

Puh! Ich denke die unterschiedlichen Resonanzen aus dem Familien-, Bekannten- und Freundeskreis.

Wie waren diese?

Es ist ja nicht so, dass jeder Mensch gleich reagiert. Der Eine findet etwas gut, der Nächste ist dann weniger begeistert. Durchweg muss ich aber sagen, dass die Leute es positiv aufgenommen haben.

Und was haben die Personen gesagt, die dem Ganzen nicht so zugetan waren?

Ja, was haben die gesagt? Ich sei nicht ganz dicht. Ich sei verrückt, bekloppt. So in etwa. Ein Anderer hat mir aufzeigen wollen, dass ich keine Ahnung habe, auf was ich mich einlasse. Ich sei ja, und das stimmt, zuvor noch nie wirklich über Berge gefahren. Unser Deich hier im Norden zählt da nicht. Auch die Anhöhe aus der Marsch heraus auf die Geest hinauf ist als Vergleich unangebracht. Naja, auf jeden Fall solle ich mir das noch einmal überlegen.

Darf ich raten? Die Überlegung ist dahingehend ausgefallen, dass Du losgeradelt bis.

Natürlich! Alles andere wäre bescheuert gewesen! Ich meine, sicherlich bin ich noch nie über Berge gefahren. Sicherlich bin ich noch nie eine Strecke von diesem Umfang in so kurzer Zeit gefahren. Zumal mit Anhänger und Hund. Aber wenn ich vorher gewusst hätte, auf was ich mich einlasse, wer weiß, ob ich es dann durchgezogen hätte. Oder von einem anderen Sichtpunkt: Wenn ich es vorher gewusst hätte, wo wäre der Reiz gewesen?

Hast Du etwas an Deiner Reise unterschätzt beziehungsweise überschätzt?

Ja! Ganz klar: Ja! Ich habe zum Teil mich überschätzt. Die Berge, allen voran die Rhön unterschätzt. Aber zur Antwort der vorigen Frage. Wenn ich wirklich schon alles diesbezüglich gewusst hätte, hätte ich auch zu Hause bleiben können. Es war gut, dass ich an manche Situationen ziemlich naiv herangegangen bin. Auch hier, die gleiche Erklärung. Wenn ich dieses Wissen vorher gehabt hätte … Ich habe Fehler gemacht, die jemand Anderes vielleicht nicht gemacht hätte. Aber es ist mir egal. Weil ich daraus meine Schlüsse ziehen konnte, die ich in die Planung einer neuen Tour einfließen lassen kann.

Also wird es definitiv eine neue Radreise geben?

Auf jeden Fall! Wenn man erst einmal Blut geleckt hat. Es wird bereits alles auf den Prüfstand gestellt. Was kann ich wie, wo verändern? Wo wird es einfacher, wenn ich es so, oder anders mache? Viele Gedanken, die sich auch mal überschlagen.

Kannst Du einen kleinen Einblick geben?

Die Tagesetappen müssten kürzer werden. Nicht wegen mir. Sondern wegen Lotte. Sie hat die Strecken unterm Strich ausnahmslos gut weggesteckt. Die Pfoten, die ich regelmäßig kontrolliert habe, hatten keine Blessuren . Ihr Laufrhythmus zeigte keine, nennen wir es Unwucht, auf. Was auf Gelenk- oder muskuläre Probleme schließen lassen könnte. Dann hätte ich sofort aufgehört. Aber es waren halt ziemlich lange Tagestouren. Ob nun Anhänger oder mitlaufen. Die Etappen müssten auf vierzig Kilometer am Tag reduziert werden. Oder, wenn ich die Etappen in dem Umfang belasse, mehr Ruhetage. Es ist dahingehend ausgeufert, dass es das geworden ist, was ich eigentlich die ganze Zeit nicht wahrhaben wollte. Dass dies eine ›Kravalltour‹ war.

Krawalltour?

Ja. Der Umfang der Tour. Der Zeitfaktor. Mit dem Anhänger und Lotte.  Dann hält man immer mal an, wenn man ein Foto machen möchte. Man muss das so sehen, wenn ich auf ebener Strecke die fünfzehn Kilometer oder schneller in der Stunde fahren konnte, habe ich innerlich gefeiert. Alles, was darunter war, musste ich hinnehmen. Es war auch ein gedankliches Spiel. Wie weit macht die Geduld dabei mit? Es hätte nichts gebracht, wenn ich mich mit aller Kraft in die Pedale gezogen hätte. Dann wäre nach wenigen Kilometern die Muskulatur zu gewesen. Ich habe in den vier Wochen vielleicht Muskelkater gehabt. Aber Muskelkrämpfe nie. Auch wenn ich in der Rhön kurz davor war. Man musste sich immer wieder in den Kopf rufen, ruhig zu bleiben. Es geht jetzt gerade nicht schneller. Unterm Strich waren es dann durchschnittlich zehn Kilometer, die ich in der Stunde geradelt bin. Wenn ich diesen Wert hatte, war ich zufrieden.

Das bedeutet dann ja aber auch, dass Du bei einer Tagesetappe von siebzig und mehr Kilometern …

Genau. Ich war dann sieben Stunden und mehr im Sattel. Pausen nicht mitgerechnet. Von dem Drumherum habe ich wenig, bis gar nichts mitbekommen. Natürlich die Dinge, wo ich direkt vorbei gefahren bin. Aber wenn es da irgendwo eine Besonderheit auf der Strecke gegeben hat, die blieb dann unbeachtet. Weil ich halt vorwärtskommen musste und wollte, weil ich die Gesamtstrecke im Kopf hatte. Und das war dann doch etwas schade.
Ein weiterer Faktor war, dass ich durch viele Umstände recht viel Zeit verloren habe. Die Probleme mit dem Fahrrad, dem Anhänger, der Rhön. Besonders der Käulingsberg. Jeden größeren Moment des Zeitverlustes begann ich von Neuem mit dem Rechnen, was ich dann an den folgenden Tagen schaffen muss, wenn ich das Ziel erreichen möchte.

Deswegen hast Du dann auch im späteren Verlauf der Tour das Blogschreiben eingestellt?

Das war halt ein negativer Nebeneffekt. Wenn ich abends meine Unterkunft gefunden hatte, war der Kopf meist so voll, oder so leer, dass ich keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte. Erstmal war ich so aufgewühlt, dass ich eine Zeit benötigte, das Erlebte für mich selbst zu verarbeiten. Mich dann aber in Tage davor zurück versetzen und den Blog zu schreiben. Es hat einfach jeden Denkprozess gesprengt. Es hat mich sehr viele Leser gekostet, ja. Es ärgert mich auch. Aber was will man machen, wenn nichts geht? Irgendwo muss man dann zurückschrauben. Von daher bin ich jedem Einzelnen dankbar, der überhaupt meinen Blog gelesen hat. Einen Besonderen aber an die Leute, die bis zum Schluss durchgehalten haben.

Demnach kann man dann meinen, dass die kürzeren Tagesetappen nicht nur für den Hund gelten werden, sondern für Dich auch. Mehr Zeit zum runter kommen und dann eben diese Zeit zum Schreiben benutzen. Dass der Leser halt dieses wirklich echte »Dabeisein-Gefühl« hat.

Genau. Das war auch ein Aspekt, den Einige an mich herangetragen haben. Dieses Gefühl des Dabeiseins ist natürlich jetzt durch das Aufarbeiten Wochenspäter gänzlich verloren gegangen. Es ärgert mich. Aber wie gesagt: Wenn nichts geht, dann geht nichts. Und selbst nachdem ich wieder zu Hause war, habe ich ja noch zwei Wochen benötigt, bis ich mal wieder die Ruhe gefunden habe. Was durch die alltäglichen Dinge auch irgendwie gestört und behindert wurde. Aber nun bin ich ja fertig.

Also wird es für die nächste Reise wieder einen Blog geben?

Ja. Darauf darf sich dann wohl jeder freuen. Weil es dann zeitnaher zu den Etappen geschrieben werden soll. Und vielleicht habe ich dann ja das Glück, dass die, die jetzt abgesprungen sind, als Leser zurückkommen.

Was steht für Dich nun für dieses Jahr radreisetechnisch noch an?

In erster Linie werden es wohl Wochenendtouren. In der direkten Umgebung gibt es genügend Campingplätze, dass ich die, sofern es die Zeit zulässt, mal abradeln werde. Mehr auf das Zelten setzen. Selber am Campingkocher das Essen zubereiten. Das ist auf meiner Reise auch viel zu kurz gekommen. Ich habe den Kocher nur am ersten Abend benutzt. Eigentlich sollte das Ganze etwas mehr als Low Budget Urlaub ablaufen.

Warum ist es das nicht?

Weil ich einen Powerakku nicht rechtzeitig bekommen habe. Die Lieferzeit hatte sich unvorteilhaft nach hinten verschoben. Somit war ich aller spätestens jeden zweiten Tag auf eine Steckdose angewiesen. Somit sind dann aber auch die täglichen Ausgaben in die Höhe geschossen. Ich hatte mich zuvor durch einige Blogs gelesen und von den Leuten dort das finanzielle Tagesvolumen angepeilt.

Wie hoch war das?

25,- €

Und wo bist Du letztendlich gelandet?

Ich habe statistisch täglich knapp über 50,- € ausgegeben. Wären die Zmmer nicht alle gewesen, hätte ich die 25,- € am Tag locker gepackt. Aber egal. Nun ist es, was den Komfort in der Nacht betrifft, angenehmer gewesen. Alles Andere kann man später immer noch machen.

Hattest Du denn Deine Tour von den Unterkünften her vorausgeplant?

Nein. Das wäre meines Erachtens nicht möglich gewesen. Alleine durch die Ereignisse, die man nicht einplanen kann. Pannen, Wetter, Gelände und Straßenzustände. Ich habe es ja in Oederan gemerkt. Die einzige vorgebuchte Unterkunft und dann geht es durch die Witterung so in die Hose. Wenn ich jetzt bedenke, ich hätte die vier Wochen so durchgeplant. Der Stressfaktor schon bei der ersten Panne in Cumlosen hätte alles gesprengt. Deswegen bin ich naiv in den Tag hinein geradelt und habe erst späten Nachmittag oder frühen Abend nach Einem Hotel gesucht. Dadurch, dass ich halt noch nicht in der Hauptsaison unterwegs war, hatte ich recht wenige Probleme. Selbst mit dem Hund nicht. Das ging alles. Erst gegen Ende April wurde diese Art zu reisen etwas kniffliger. Weil halt mehr Leute unterwegs waren.

Wenn Du jetzt an die Fahrradfahrt zurückdenkst. Was hat Dich währenddessen am Meisten aufgeregt?

Wenn ich mich mit den unwirklichsten Wegen angelegt habe, die man sich nur vorstellen konnte. Sei es die Abfahrt vom Keilberg in Tschechien, oder aber der Aufstieg zum Käulingsberg in der Rhön. Die abgesoffenen Wanderrouten, oder die Geröllstraßen. Es hat sehr an den Nerven gezerrt.

Dann jetzt die Frage in die andere Richtung. Was waren die schönsten Erlebnisse auf dieser Tour?

Alles negativ Genannte. Das Gefühl es am Ende geschafft zu haben hat einem jedes Mal so einen Schub gegeben, dass ich sagen möchte, die schlimmsten Wege waren zugleich die Schönsten. Alle anderen Wege, die keine Probleme bereitet haben, waren natürlich genau so aufregend und toll zu befahren. Aber die Tage, an denen ich wirklich Kraft gelassen habe, werden sicherlich länger in Erinnerung bleiben.

Gab es sonst auf Deiner Tour etwas, wovon Du enttäuscht warst?

Das Navi! Ganz klar das Navi. Es ist zwar super, dass es Kartenmaterial von ganz Europa besitzt. Aber das es mich durch vier von fünf Militärgebieten Schicken wollte. Sicher, hätte ich in Lehnin meine Birne mehr einschalten müssen. Aber mir geht es dabei um die Logik, die man bei der Programmierung an den Tag gelegt hat. WAS haben solche Straßen, die sowieso für jeden Zivilisten gesperrt sind, auf einem zivilen Gerät zu suchen? Das ist doch hirnrissig. Sicher wird man gewarnt durch eine Anzeige, dass man nirgendswo hinfahren soll, was einem Probleme bereiten könnte. Aber einfach nur diese Erklärung direkt nach dem Einschalten. Es ist mir etwas zu poplig gelöst. Wenn ich da etwas hätte beisteuern können, ich hätte diese Wege komplett von dem Gerät verbannt. Sie haben darauf nichts zu suchen, und wenn man sie »nicht findet«, kommt man auch nie in die Versuchung sie doch zu fahren. Ich habe jetzt eine riesen Portion Glück gehabt. Es hätte ja auch anders enden können.
Des Weiteren bin ich von dem Anhänger enttäuscht. Der erste Reißverschluss war bereits nach wenigen Tagen kaputt. Doch auch da muss ich mir selbst etwas einen Vorwurf machen. Ich habe lediglich den Schwerpunkt auf die Nutzbarkeit gelegt. Was eine potenzielle Reparatur auf freier Fläche betrifft, habe ich gänzlich nicht bedacht. Auch das Bekommen von Ersatzteilen ist bei diesem Gefährt äußerst beschränkt.

Und positiv? Was hat Dich besonders beeindruckt?

All die kleinen und großen Gesten der Leute, denen ich begegnet bin. Angefangen bei zwei Paketen Papiertaschentüchern, bis hin zur Tafel Schokolade, der Kellner in Allermöhe, der einfach mal die Rechnung übernommen hat, weil ihn das Vorhaben so begeistert hat. Die Ladys, die meine Klamotten gewaschen haben. Aber ganz besonders die Jungs und Mädels aus Retzow, die mir das Übernachten im Gerätehaus ermöglicht haben.
Einzig getoppt von Jens und Christiane aus Heinebach. Die mich bei sich haben schlafen lassen. Vor allem mit dem Wissen, dass ich am nächsten Morgen ganz alleine im Haus aufwachen würde. Mit der simplen Absprache, dass man den Hausschlüssel in den Briefkasten werfen würde. Ein absolut krasses Erlebnis.
Und natürlich die Mädels, die mit mir im Hotel bei Kassel so lange ausgeharrt haben, bis mein Taxi da war. Weil ich sonst in der Kälte hätte sitzen müssen. All diese vielen Gesten zu erfahren, ob klein oder groß. Sie machen diese Reise unvergesslich. Ich habe Menschen kennengelernt, denen ich, hätte ich diesen Trip mit dem Auto gemacht, wohl nie begegnet wäre!

Ich denke, wir haben jetzt auch lange genug gequatscht. Gibt es noch etwas, was Du loswerden möchtest?

Nochmal ein Dankeschön an alle da draußen. An meine Blogleser. An die Leute, die ich kennenlernen durfte. An all die Mitmenschen, die mir geholfen haben. Und ich darf meinen Vater an dieser Stelle nicht vergessen. Schließlich hat er alles beiseite geworfen und mich aus Kassel abgeholt, als bei mir nichts mehr ging. Es war ein, für mich, beispielloses Erlebnis. Und ich kann nur jedem raten, der mit dem Gedanken spielt, Ähnliches zu tun. Mach es! Trau Dich! Allen Zweiflern zum Trotz! Wenn sie Dich verrückt nennen, einen Spinner bezeichnen. Interpretiere es als Kompliment! Du machst Dinge, an die Andere noch nicht einmal zu denken wagen. Und führe Dir vor Augen: Was DIE verpassen, das wirst DU erleben! DICH wird es prägen und DEINEN Horizont erweitern! Lass Dich nicht von Ängsten und Zweiflern davon abhalten!

Blog 1

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