Sechs Tage frei und kein Plan wohin!

15.08.2017

Es ist viel zu lange ruhig auf diesem Blog gewesen. Die letzte Reise, von der ich euch berichten möchte, liegt nun auch schon drei Monate zurück. Das passiert, wenn man sich mehr selbst im Weg steht und auch sonst genug um die Ohren hat. Es soll jedoch keine Entschuldigung für meine »Faulheit« sein. So lasst mich die Reise vom August Revue passieren. Was ebenfalls recht zäh begann. Aber dazu jetzt mehr:

Sechs Tage frei und kein Plan wohin!

So habe ich mich, soweit ich zurückdenken kann, noch nie gefühlt. An einem Samstagabend, okay. Kneipe, Disco, Kino oder doch zu Hause bleiben? Das kennt, so glaube ich jeder. Aber fast eine ganze Woche Urlaub und dann nicht wissen, was man machen möchte? Nein, das ist definitiv neu.

Gestern ist bei uns das Schützenfest zu Ende gegangen. Vier Tage Alarm im Dorf. Ob es daran liegt? Nein, denn auch für dieses Fest war ich unmotiviert, ich lediglich Sonn- und Montag mitgenommen habe. Was sich doch noch als recht schön herausgestellt hat. In dieser Zeit schwirrt es mir aber bereits durch den Kopf. Was machst du eigentlich mit dem Rest der Woche? Du hast frei! Quasi die Nachwehen des Schützenfestes auskurieren. Welche Nachwehen eigentlich? Du hast dich erfolgreich zurückgehalten.

Der »goldene Kelch«, sprich, die Würde des Königs, ist ebenfalls an dir vorbei gegangen. Das ist der Sperre geschuldet. Aber den »silbernen Löffel«, den Titel des Besten Mannes hätte ich noch gewinnen können. Doch auch bei dem war ein Jemand besser als ich. Nicht schlimm. Die Gruppe aus Würdenträgern passt dieses Jahr in dieser Konstellation eh viel besser zusammen, als wenn ich da noch mit umher gehüpft wäre.

Es ändert aber nichts an der Tatsache, dass ich sechs Tage frei habe und noch immer nicht weiß, wo ich hin möchte. Mit dem Fahrrad weg? Mit dem Auto? Zu Fuß? Letzteres fehlt schließlich noch in meiner Vita. Aber sechs Tage in der näheren Umgebung umherlatschen? Ist auch bescheuert. Was nicht heißt, dass es nicht interessant geworden wäre. Aber nein. Das ist bescheuert.

So stehe ich zum Feierabend … Moment! Feierabend? Ja, ich habe trotz Urlaub noch weiter in der Firma geholfen. Ist eben viel zu tun. Zumindest kann ich früher gehen. Ändert aber nichts, dass ich da stehe und nicht weiß, was ich will …
Ich fühle mich fast, ja ich schäme mich, dass ich diesen Vergleich ziehe. Ich fühle mich, wie eine Frau, die vor ihrem Kleiderschrank steht und rumheult, sie hätte nichts zum Anziehen. – Mir liegt die Welt zu Füßen und … ich habe es oft genug geschrieben.

So werfe ich unmotiviert alles Nötige ins Auto. Zumindest auf das Fortbewegungsmittel konnte ich mich einigen. Der Hund auf den Rücksitz und den Motor gestartet. Mein Vater fragt beim Losfahren, wo ich denn hin wolle? Außer einem Schulterzucken kommt nichts von mir. Ich rufe an, wenn ich irgendwo gelandet bin. So rollt mein kleiner Peugeot vom Hof. Erstmal Richtung Hamburg. Frei nach dem Motto: »Alle Richtungen«! Das Radio dröhnt. Die Straße windet sich am alten Elbdeich in Neuenfelde entlang. Der Fahrtwind bläst durch das geöffnete Fenster. Lotte liegt auf dem Rücksitz und blinzelt in den ausklingenden Tag hinein.

In gut drei Stunden wird es dunkel. Dann sollte ich eine Unterkunft haben. In welche Richtung es letztendlich gehen soll, darauf habe ich mich immer noch nicht festgelegt. Echt ätzend! In Hamburg Harburg gelange ich dann an dem alles entscheidenden Scheidepunkt. Links herum Richtung Autobahn? Rechts? Gen Lüneburg? Oder doch geradeaus, weiter an der Elbe entlang?

Geradeaus!

Schon verrückt. Eben tobte noch das Leben auf den Straßen und keine zwei Kilometer gehört mir die Fahrbahn fast alleine. Ich brause durch Bullenhausen. Dort, wo einst die Fernsehpersönlichkeit Inge Meysel ihr zu Hause hatte. Ich lasse Ortschaften wie Hoopte, Drage und weitere hinter mir. Und schließlich gelange ich zur Elbebrücke bei Geesthacht.

Der Flashback, der mich hier ergreift, fühlt sich unglaublich an. Im ganzen Körper kribbelt es. Hier bist du mit dem Fahrrad von der anderen Elbseite herüber gekommen. Wenn sich das hier schon so unwirklich anfühlt, wie soll das dann die nächsten Tage erst werden? Zwischen den Häusern kann ich den Deich sehen. Und einige Minuten später fahre ich direkt neben dem Fahrradweg. »Meinem« Weg. Hier warst du mit deinem Drahtesel unterwegs. Mit Anhänger. Mit Lotte. Völlig verrückt. In diesem Bereich hast du den Herren getroffen, der dir sein Brot geschenkt hat, kommt es mir in den Kopf.

Von der Rückbank meldet sich meine Reisebegleitung. Der Ruf der Natur rückt in den Vordergrund. In Tespe gibt es eine kurze Hunderunde. Die Sonne steht schon recht tief. Eine junge Frau kommt heran geritten. Ob sie hier etwas galoppieren dürfe? Ich hätte nichts dagegen, gebe ich zur Antwort. Ist ja nicht meine Wiese, die sie potenziell kaputt hoppelt. So galoppelt das Mädel auf dem Rücken ihres Pferdes mit raumgreifenden Schritten davon.

Blog 1

Ich schaue mich um und suche meinen Hund. Der hockt neben mir und blinzelt mich mit seinen haselnussbraunen Augen an. Also wieder ins Auto und weiter. Hinter jeder Kurve, an jeder Gabelung kommen neue Erinnerungen hoch. Hier ist dir die Milchtüte geplatzt. Dort hast du den Berliner getroffen. Hier ist die Kirche mit dem gigantisch dicken Baum davor. Als ich schließlich in Neu Darchau ankomme, ist es bereits nach zwanzig Uhr. Im Garten vom »Elbnest« wird noch fleißig gearbeitet. Die Blicke wirken etwas verdutzt, als ich mit meiner »Cola-Kiste« auf den Hof rolle.

Einige Worte der Erklärung, wer ich bin und ein Schwall an Geplapper schwappt in die Abendstunden. Lotte flippt unterdessen auf der Rückbank aus. Ayla muss unbedingt begrüßt werden. Jetzt! Sofort! Sieh zu, Herrchen! Reiß die blöde Tür auf! Endlich draußen gibt kein Halten mehr. Ausgelassen tollen die zwei Hunde über den Rasen.

Ich bekomme mein »altes« Zimmer und richte mich eilig ein. Zu einem weiteren Gespräch kommt es heute nicht mehr. Es steht Besuch an. Also gehe ich zum Fähranleger, dort in die Wirtschaft. Die Küche ist gerade geschlossen. Currywurst bekomme ich zum Glück noch. Und während ich es mir schmecken lasse, komme ich mit zwei Herren ins Gespräch, die nicht weit von Neu Darchau ihr vorübergehendes Zuhause gefunden haben.

So endet der erste Tag, der eigentlich kein echter, ganzer Urlaubstag war. Sei es drum. Ich habe bereits neue Bekanntschaften geschlossen und was noch viel wichtiger ist: Ich weiß endlich, wo ich hin möchte! Ich werde die Strecke meiner Tour nochmal abfahren. Die Leute besuchen, wo ich untergekommen bin und wo man mir geholfen hat. Und noch viel Wichtiger: Ich werde die Tour dieses Mal richtig beenden. Zwar mit dem Auto, aber das ist egal …

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