Vor mir liegt die längste Etappe – ab nach Hause …

20.08.2017

Wie dumm ich doch war. Also, im April. Als ich damals von Burgwallbach aufgebrochen war, um nach Gersfeld zu gelangen. Nur habe ich mich mit dem falschen Berg samt Wanderweg angelegt. Wäre ich damals auf der Hauptstraße geblieben, die mich zurück zur Bundesstraße geführt hätte … *gnarf*

So muss ich mit dem Auto heute nur gute zwei Kilometer weiter bergauf, ehe es mit wehenden Fahnen talwärts geht. Nahezu bis Bischofsheim geht es abwärts. Auf damals zurück gedacht … was für eine Pleite! Streckentechnisch versteht sich. Nein, eigentlich nicht. Es war ein grandioser Tag damals. Besonders als ich es geschafft hatte. Das hier ist nun die leichte Variante, die ich befahre. Und es ist eine Hauptstraße. Dennoch hätte ich damals natürlich bei weitem mehr Strecke geschafft, wäre ich hier entlang … gut, weiter im Text.

Also brause ich von Bischofsheim über die Schwedenschanze hinweg. Von Gersfeld scheint Fulda ein Steinwurf entfernt zu sein. Es fühlt sich jedenfalls so an. Fulda selbst sehe ich nur einen Teil der Skyline. Die Bundesstraße gleicht hier schon fast einer Autobahn, wodurch die Stadt mit einem Wimpernschlag hinter mir liegt. So verabschiede ich mich von der Schnellstraße und biege Richtung Schlitz ab. Du hast doch gerade erst gefrühstückt? Schon wieder etwas essen? Hallo, Urlaub! So komme ich bei der letzten Wirtschaft an, wo ich seinerzeit übernachtet habe. Leider noch nicht geöffnet. Eine halbe Stunde muss ich warten. Egal. Der Hund benötigt Bewegung. Jetzt spaziere ich also auch auf meiner Fahrradroute. Auto, Fahrrad, zu Fuß. Inliner fehlt noch. Hab ich nicht mit. Aber das wird es wohl auch nicht geben. Auf Inliner durch die Rhön geballert. Ich könnte mich ja gehackt legen. Nein, so, wie es jetzt ist, reicht es dicke.

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So verbringe ich die nötige Zeit am Fuldaufer und schlender mit dem Hund im Schlepptau schließlich zur Wirtschaft zurück. Mit einem breiten Grinsen werde ich vom Wirt begrüßt. Na, das Gesicht kenne ich doch, kommt es mir entgegen. Man plaudert eine Weile, während seine Frau mehr fragend neben uns steht. Es dauert eine Weile, ehe auch sie die Verbindung der Bekanntschaft erinnert. Also gibt es Mittag. Gefühlt fünf Minuten nach dem Frühstück. Oder wie bei einer Familienfeier. Der Essenstafel ist noch gar nicht richtig abgeräumt, kommt der Kuchen auf den Tisch.

Vollgestopft setze ich meine Etappe fort. Letzter Halt unterwegs wird Heinebach sein …

Christiane staunt nicht schlecht, als ich plötzlich vor der Haustür stehe. Wir setzen uns mit der Tochter eine Weile auf die Terrasse. Eigentlich möchte man Eis essen gehen und ich bin etwas ungelegen. Passiert, wenn man so als Überraschung reinplatzt. Dann geht man eben etwas später in den Ortskern hinunter. So sitzen wir eine Weile und quatschen. Stefan ist auf dem Sportplatz außerhalb von Heinebach. Seine Mannschaft hat ein Spiel heute und er muss die Jungs einheizen. So verabschiede ich mich von Christiane und brause mit Lotte zum Sportplatz hinunter. Dort ist das Spiel der Zweiten gerade unentschieden ausgegangen. Die Hausherren sind noch gewaltig angefressen. Hat man sich wohl viel mehr ausgerechnet. So ist das dann halt. Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Und für diese hohle Phrase muss ich wohl das Schwein füttern …

Aus der Kabine kommt entschlossenes Gebrüll. Die erste Mannschaft betritt kurz darauf den Platz. Als Letzter ihr Trainer: Stefan. Einige Worte werden gewechselt und bis zum zwei – null bleibe ich, dann verabschiede ich mich. Es liegen noch immer gut fünfhundert Kilometer vor mir. Auf dem Weg nach Kassel komme ich wieder an der Stelle vorbei, wo ich seinerzeit den Faden verloren hatte. Wo ich irrtümlicherweise wieder einen Berg hochgeschoben bin. Und wären dort keine Waldarbeiten gewesen, hätte ich mich noch schlimmer verfahren. Aber das war damals. Nun verfranse ich mich in Kassel selber. Nicht schlimm, einmal umgedreht und die Richtung stimmt wieder.

Kurz hinter Kassel finde ich mich auf der Bundesstraße drei wieder. Ich folge eine Weile und merke recht schnell, dass sich die Straße am Flusslauf entlangschmiegt. Bei Han.Münden wechsel ich auf die Achtzig. Nun ist es die Weser, die rechts von mir ihr Flussbett in die Natur geschnitten hat. Was man in diesem Bereich aber haben muss, ist Geduld. Es scheint eine gigantische Zahl an älteren Herrschaften auf der Straße unterwegs zu sein. Man kommt und ist nicht weiter. Der eine fährt keine fünfzig, der nächste nur knapp über dreißig Kilometer pro Stunde. Man möchte schon fast ins Lenkrad beißen. Nichts gegen Menschen gehobenen Alters. Aber so richtig weiß ich nicht, wo ich gerade bin. Dazu komme ich nicht voran. Ich entdecke einen Abzweig nach Paderborn. So weit in den Westen bin ich gefahren? Klar, der Flusslauf. Die Weser macht doch einen gewaltigen Bogen. Aber so groß? Nicht viel Später sehe ich den ersten Hinweis auf Hannover. Holla … was mache ich jetzt? Richtung Hannover abschweifen, oder doch der Weser weiter folgen? Nein. Mit dem Fahrrad wärst du weiter Richtung Bremen gefahren. Also machst du das jetzt auch mit dem Auto.

Bei Minden zieht es mir aber dann fast die Socken aus. War die Landschaft eben noch mit Bergen versetzt und man fuhr durch ein ellenlanges Tal. So ist jetzt alles platt. Als ob einer mit nem Bügeleisen alles geglättet hat. Fast schon langweilig. Aber wo will ich nun langfahren? Ich muss auf die Karte schauen. Nienburg, Rothenburg, Sittensen, fast zu Hause. Klingt einfach? Ist es auch. Es dauert nur etwas. Ist halt keine Autobahn. Als ich schließlich zwischen Rothenburg und Sittensen bin, kommt es mir in den Kopf, dass Harsefeld doch Schützenfest dieses Wochenende hat. Zum Abschluss des Tages noch ne Ladung Gyros mit Tzatziki auf die Hand? Ja, los, komm: Das gönn dir noch. Die Schwielen am Hintern haben schon Schwielen. Da kommt eine kurze Pause, auch wenn es quasi vor der Haustür ist, doch nochmal gelegen. Frustriert muss ich jedoch feststellen, dass alle Buden fast abgebaut sind. Ey, es sind noch zwei Stunden bis Mitternacht! Nichtmal mehr eine Bratwurst bekomme ich. Was für eine Pleite. Also dann doch direkt nach Hause.

So endet kurz vor elf meine Sechstagereise. Einmal die alte Radroute plus einige Zugaben nachgefahren. Alten und neuen Bekanntschaften begegnet. Etwas mehr als zweitausend Kilometer sind auf dem Tacho dazu gekommen. Davon habe ich aber nicht einen Meter Autobahn gesehen. Dafür viele schöne Ecken, die man nur jedem ans Herz legen möchte, dass man mal die Autobahn, Autobahn sein lässt. Nehmt euch die Zeit. Es lohnt sich!

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