Mit dem Fahrrad? – Womit sonst?

12.05.2018

Es passiert nicht oft, aber hin und wieder kommt es vor. Es gibt dieses Jahr Stuhlrochaden in der örtlichen Feuerwehr. Ein verdienter Mann nimmt seinen Hut, ein jüngerer rückt nach. Für den Neuen muss dann natürlich auch das Wissen geschaffen werden. Wie geht das? Er wird mit Lehrgängen eingedeckt. Problem. Wenn die Anzahl der Fortbildungen den einen Mann zu viel werden. Also, auf das Jahr betrachtet. Nicht jeder möchte seinen ganzen Urlaub für so derartiges »opfern«. So kommt es vor, dass Lehrgänge weiter gereicht werden.

Hier komme ich ins Spiel. Ich dachte eigentlich, dass ich längst fertig bin. Also, was das Weiterbilden mittels Lehrgänge betrifft. Aber man möchte mich noch einmal losschicken. Warum erzähle ich das? Nun, ich habe eines Abends auf meinem Bett gesessen. Das Notebook auf dem Bauch. Die Knöpfe im Ohr und die Musik im Kopf. Ich fantasierte auf Googlemaps etwas herum. Schaute, wie weit es von hier nach dort ist. Mit dem Fahrrad versteht sich. So kam auch mal die Strecke Steinkirchen – Loy in die Suchfunktion. Es war alles, bevor ich mit dem Fahrrad nach Wangerooge gefahren war. In etwa hundertzwanzig Kilometer. Das ist doch machbar, dachte ich seinerzeit.

Dann kam die Lehrgangskarte und die Entscheidung stand. Eine reine Theoriefortbildung. Keine schweren Einsatzklamotten. Das machst du mit dem Drahtesel. Du hast mit dem Wochenende zwei Tage Zeit. Lässig. Das ist keine große Sache. Noch besser: Danach ist das Pfingstwochenende und du hast für die Heimreise einen Tag mehr. Da kann man doch mal etwas weiter ausholen. Ob nördlich und doch noch über Cuxhaven fahren, was im April auf der Strecke blieb. Oder mehr Richtung Süden. Bei Bremen umhergurken, Richtung Nordheide radeln und von dort aus wieder nach Hause. Ja! Das wird irgendwie dein Plan!

So starte ich diesen Samstag in den frühen Nachmittagsstunden. Spät, ich weiß. Ich habe aber Zeit. Ob ich heute vierzig und Morgen achtzig Kilometer radel. Oder die Etappen doch ganz anders einteile. Es bleibt jetzt ja doch recht lange hell. Gute sieben Stunden habe ich bis zum Sonnenuntergang. Bis dahin sollten doch einige Meter hinter mir liegen. Gemütlich lasse ich die Pedale kreisen. Das Gefühl wieder auf der Straße zu sein ist fast unbeschreiblich. Nein, das ist zu hoch gegriffen. Auf alle Fälle kribbelt es im Bauch. Obwohl die letzte Tour erst vier Wochen her ist, ist die Freude doch groß.

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Die Sonne scheint. Die Vöglein singen. Die kleinen Steinchen auf dem Radweg knarzen und knirschen leise unter den Reifen. Nach knapp drei Kilometern blicke ich kurz auf dem Anhänger zurück. Moment. Etwas fehlt. Die Warnfahne habe ich vergessen. Mist. Umdrehen? Ungerne. Vielleicht hast du Glück und sie wird dir hinterher gebracht. Also fix zu Hause angerufen. So kommt die Fahne zu ihrem Taxi. Jedoch nicht durch meinen Vater. Es ist der Gemeindebrandmeister, der durch Zufall gerade bei uns ist, der mir mein Gerümpel nachbringt. Witzig. Und danke dafür! Es erspart mir viel Zeit. Also die Fahne schließlich in die Vorrichtung gesteckt und weiter. Ich Stade geht es erst in einen Supermarkt. Anschließend gönne ich mir bei den Temperaturen noch ein Eis.

Die Ostefähre von Brobergen ist das nächste Zwischenziel. Worüber ich mir jedoch keinen Kopf gemacht habe, ist, wann die Letzte am heutigen Tag fährt. Um sechs? Zwei Stunden noch und etwas mehr als zwanzig Kilometer. Wenn Du so fährst, wie letztens, wird das wirklich knapp. Also in die Pedale getrampelt. Du musst Kilometer reißen, wenn du nicht den Umweg über Bremervörde machen möchtest. Der Wind spielt mir dabei gehörig in die Karten. Ich habe ihn im Rücken und ich glaube, so schnell bin ich mit diesem Gespann noch nie gefahren. Weit über zwanzig Kilometer in der Stunde. Das Navi pendelt bei der angepeilten Ankunftszeit immer um fünf Minuten hin und her.

Unterm Strich würde beides locker reichen, um die Fähre zu erwischen, ehe sie für heute die Segel streicht. Habe ich Mmich auf dem Weg dorthin auf Hauptstraßen eingestellt, hat das Navi eine schöne Überraschung parat. Einzig hinter dem Ort Wiepenkathen muss ich eine kurze Strecke an der Bundesstraße radeln. Alles Übrige, bis Heinbockel ist landwirtschaftliche Straße. Kein Auto, kein Mensch … naja fast nicht. Es kommt mir generell sehr wenig vor, was heute unterwegs ist. Es ist der halbe Nachmittag durch und nur vereinzelt ist wer unterwegs. Ist doch verrückt. Das Wetter ist gigantisch!

Zwanzig Minuten vor Feierabend erreiche ich schließlich die Ostefähre. Eine schöne alte Seilfähre. Und auch hier ist der Hase tot. Nichts los. Verrückt. Dem Fährmann für seine ehrenamtliche Tätigkeit schnell etwas Trinkgeld dagelassen und der Wirt auf der Gegenseite bekommt auch noch etwas. Ich als Gegenzug eine schöne eisige Limo. Wo die Leute denn seien, da doch Wochenende sei, zuckt er nur mit den Schultern. Schade so etwas. Drücke ich ihm mal die Daumen, dass am morgigen Sonntag mehr los ist. Auch für den Fährmann. Sechzig Fahrzeuge/Fahrgäste hat er laut Strichliste heute übergesetzt. Von Auto über Fahrrad bis Fußgänger.

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Ab hier stelle ich das Navi auf Sandstedt ein. Dort ist die Weserfähre, die mich nach Brake rüber bringen soll. Knappe sechzig Kilometer noch. Das machst du heute zwar nicht mehr. Aber zwanzig willst du noch schaffen. Dann irgendwo das Zelt aufschlagen. Um einen Campingplatz in der Nähe habe ich mich nicht bemüht. Muss auch nicht. Versuch einfach irgendwo eine Grünfläche zu ergattern. Ist ja nur für ein paar Stunden. Aufbauen, Schlafen, Abbauen und weiter.

Keinen Kilometer weiter am Ostedeich komme ich ins Schlingern. Familie Gans hat sich auf der Deichstraße breitgemacht. Was machst du jetzt, geistert es mir durch den Kopf. Wie ein Ganter beißen kann, weißt du. Diese Erfahrung durftest du mal im Kindesalter machen. Aber du möchtest da durch. Mutter Gans hat sich unterdessen langsam Richtung Gewässer gemacht. Nur allmählich bequemen sich dann auch ihre Küken, die Straße zu räumen. Als sie alle auf dem Grünstreifen sind, packe ich die Gelegenheit beim Schopf. Papa Gans gefällt das dennoch nicht. Mit weit ausgebreiteten Schwingen und einem bedrohlichen Fauchen lässt er mich wissen, dass ihm mein Handeln so nicht gefällt. Zum Glück bleibt es bei den Drohgebärden.

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Die Zeit rennt dahin und ich komme immer näher an Hipstedt heran. Einige Kilometer davor führt mich das Navi dann in einen Wald. Erst noch schöne festgefahrene Spurrinnen wird es schließlich ein unwegsames Gelände. Du bist jetzt aber schon so weit hier rein. Hier ist eine schöne Lichtung mit recht niedrigem Bewuchs. Hier in der Wildnis das Zelt aufstellen? Wer soll hier heute noch durchkommen? Im Ort zuvor ist Schützenfest. Förster Hubert freundet sich bestimmt gerade mit der Bierbude an. Hier schlafen? Wirklich? Wäre das erste Mal, dass du wirklich »wild« campst. Ist zwar verboten, aber wie gesagt, wer soll dich hier heute zu dieser Zeit finden?

Feigling!

Nein, ich radel weiter. Ich frage einfach irgendwo im nächsten Dorf. Im Vorgarten. Auf dem Hinterhof. Irgendwer wird dir schon einen Platz bieten.

So ist es dann auch. Beim Gasthof Köster im kleinen Örtchen Hipstedt darf ich mein Nachtlager aufschlagen. Zum Schluss noch Luft in die Matratze. Eine Kleinigkeit gegessen und dann die Augen zu. Morgen wird der Rest in Angriff genommen.

Fahrstrecke: 57,31 km
Höhenmeter: 155 m
Zeit: 3:54 h
D.-geschw.: 14,68 km/h

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