Wow! Einfach wow!

29.06.2020

Windig ist es geworden. Die Bäume des angrenzenden Waldstücks rauschen ganz schön, als ich langsam meine Augen öffne. Hoffentlich habe ich diesen im Rücken. Ich habe keine Lust auf eine Krampfetappe mit Gegenwind. Also aus dem Zelt gekrabbelt und geschaut, wie es sich draußen so verhält. Auf den zweiten Blick erscheint es mir, dass ich heute ein gutes Stück schneller sein werde. Ja, los. Alles zusammengepackt. Noch schnell eine Zecke vom Unterarm geschnipst, ehe ich von ihr angebohrt werde und dann in die Pedale getreten.

Wie ein geölter Blitz fege ich über die Wege und Straßen. Plötzlich muss ich aufpassen, dass mir nicht die Augen aus dem Kopf fallen. So leise, wie es geht bremse ich ab. Man hat mich nicht bemerkt. Perfekt! Ich krame die Kamera hervor und versuche den richtigen Moment zu erhaschen. Der Auslöser klickt. Ein Mal, zwei Mal. Ich habe es geschafft einen Fuchs abzulichten, der gerade über das Feld streift und seine nächste Mahlzeit sucht.

Ab Gnarrenburg darf ich dann ein größeres Stück am Oste-Hamme-Kanal entlang fahren. Ein weiterer Wasserweg, von dem ich nicht wusste, dass es diesen gibt. So auf die Zukunft beziehungsweise Vergangenheit geschaut. Manchmal tun mir die Leute leid, mit denen ich im Auto unterwegs bin. Zu oft sage ich, dass ich hier oder dort schon einmal mit dem Fahrrad gewesen bin. Es gipfelte darin, dass man mir einmal dezent genervt sagte, dass ich schon ÜBERALL mit dem Drahtesel war. Naja, nicht ganz. Aber wem will ich es verübeln, wenn ich stets sage, dass ich bereits einmal hier war. Vielleicht sollte ich meine Taktik ändern und nur noch auf Wiesen und Plätze warten, wo ich schon geschlafen habe. Wobei das die gleiche Reaktion provozieren könnte. Es ist mit einem Handwerker vergleichbar, der einem stets erzählt, wo er einmal etwas repariert oder installiert hat. Halt, da gehöre ich ja auch zu. Ich glaube, an der Stelle wäre etwas Mitleid für meine Mitmenschen angebracht.

Wie dem auch sei. Ich erreiche Bremervörde und entdecke heute den Wegweiser, den ich vor zwei Wochen verfehlt habe. Ich bin auf dem Oste-Radweg. Darf nun den Vörder-See entlang fahren und bin schließlich am Ostedeich. Was ein geiles Fahren. Es ist gigantisch hier. Es erinnert ein wenig an den Elberadweg. Also, Richtung Artlenburg, Neu Darchau. Rechts von mir der Deich und dahinter die Oste. Links von mir Wälder und Felder. Die Sonne scheint von oben herab und lässt die Wiesen in einem satten Grün erstrahlen. Wie eine Schlange winden sich Deich und Straße am Flusslauf entlang.

An der Prahmfähre bei Brobergen nutze ich den Moment für eine Pause. Ist bin unheimlich gut vorwärtsgekommen. Wenn ich so weiter mache, dann bin ich noch vor der Kaffeezeit Zuhause. Trödeln ist angesagt. Irgendwie Zeit schinden. So sitze ich auf meiner Bank und schaue Löcher in die Luft, beobachte Fahrradfahrer und Autos, die von der Fähre kommen. Aber irgendwie komme ich mir doof vor. Fahr einfach Heim, dann kann Lotte noch eine Runde mit mir drehen. So lasse ich mich auf das andere Flussufer übersetzen. In Fredenbeck mache ich eine letzte kurze Pause, ehe ich wirklich zur Kaffeezeit bei uns auf die Auffahrt rolle. Lotte ist nicht da, höre ich von meinem Vater. Die ist mit Wiebke unterwegs. Dann fange ich eben an, meinen ganzen Kram abzuladen und auszupacken.

Wenn ich ein Urteil abgeben müsste, was mir an diesen drei Tagen am Besten gefallen hat, dann würde ich die Hamme und den Abschnitt an der Oste hervorheben. Der Wümme-Radweg ist landschaftlich wirklich schön. Man hat auf die Gesamtstrecke betrachtet jedoch nichts vom Fluss. Das haben Hamme und Oste jedoch wieder wettgemacht.

Fahrstrecke: 93,85 km
Höhenmeter: 181 m
Zeit: 5:24 h
D.-geschw.: 17,35 km/h

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