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Abschließende Fragerunde

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Willkommen zu Runde sieben dieser Gehirnakrobatik, wo ein Typ zwei Rollen einnimmt und das Erlebte in Frage und Antwort noch einmal Revuepassieren lässt.

Es ist echt schwer, dieses Mal einen gescheiten Einstieg zu finden. Es soll ja nicht zu hölzern klingen.

  • Mit wem sprichst du jetzt?

Mit dir … mir … was auch immer.

  • Wenn du solche Probleme hast. Soll ich mal anfangen? Einfach aus dem Nähkästchen plaudern? Vielleicht fallen dann weitere Fragen ein?

Oh, ja. Mach mal!

  • Sechsundsiebzig Tage sind vergangen, seit ich den ersten Schritt Richtung Süden getätigt habe. Neunundzwanzig Etappen später ist diese Zahl auf fast eine Million angewachsen. Jetzt am Ende diese Zahl zu sehen, gepaart mit den Erlebnissen in dieser Zeit. Ein krasses Gefühl.

Oh, hier kann ich einsteigen.

  • Bitte …

Es ist jetzt deine zweite Tour, die länger als zwei Wochen gedauert hat. Einmal warst du diese Zeit mit dem Fahrrad unterwegs und jetzt zu Fuß. Wie würdest du diese Reisen miteinander vergleichen? Kann man das überhaupt?

  • Die Radreise 2017. Das war meine Allererste. Ich war völlig grün hinter den Ohren. Ich bin naiv drauf los. Jetzt, 2020, hat man sich schon mehr Gedanken gemacht. Was soll mit? Was bleibt daheim? Groß einen Vergleich zu ziehen ist äußerst schwer. Beide Reisen haben ihren Reiz gehabt. Jede auf eine andere Art.
    Die Radreise: Es war alles neu. Jeden Tag zwischen fünfzig, siebzig Kilometer zu radeln. Noch dazu habe ich fast jede Nacht in einem Hotel, in einer Pension verbracht.
    Zu Fuß ist man nochmal ein ganzes Stück langsamer unterwegs. Nimmt alles noch intensiver wahr. Begegnet dabei noch mehr Menschen.

Hast du zwischendrin einmal gedacht, dass du es nicht schaffen würdest?

  • Ja. Immer wieder kam diese »Angst«? Kann man es »Angst« bezeichnen? Jedenfalls, schwebte der Gedanke immer wieder durch meinen Kopf. Besonders als ich mit Lotte die Zwangspause in Breitungen einlegen musste. Oder bei der Etappe durch die Rhön. Ich habe manches Mal geschwitzt, gerechnet und gehofft. Überraschter war ich, als es absehbar wurde, dass ich sogar einen Tag schneller am Ziel sein würde, als anfänglich gedacht und geplant.

Demnach würdest du also …

  • … mehr Zeit zur Verfügung hätten haben wollen. Das geht jedoch schlecht. Aber der eine oder andere Tag auf die Gesamtreise mehr, wäre bestimmt schön gewesen. Wenn man hier oder dort noch einen Tag hätte länger bleiben können. Ähnlich wie 2017 war es eine Gewalttour. Laufen um fast jeden Preis.

Angesprochen auf die Rhön. Was war angenehmer? Das Fahrrad mit Gepäck den Berg hinauf zu bekommen, oder den Anhänger?

  • Der Anhänger. Dadurch, dass ich das Gewicht direkt hinter mir hatte, konnte ich gleichmäßiger ziehen/schieben. Beim Fahrrad ist die Last neben einem. Sofern man gezwungen ist zu schieben. Nein, der Anhänger war um ein Vielfaches angenehmer. Also, bergauf. Bergab ist der Drahtesel besser. Einfach draufsetzen und rollen lassen. Das habe ich dieses Mal etwas vermisst. Auch den kühlenden Fahrtwind.

Wie ist das mit der Verpflegung gelaufen?

  • Das ist etwas, worüber ich jetzt im Nachhinein den Kopf schütteln muss. Ich habe mich viel zu sehr auf Dosen festgelegt. Gerade wenn ich im Supermarkt gestanden habe, hätte ich mehr auf Frischware setzen sollen. Ich hätte es ja kurz darauf irgendwo essen können. In diesem Aspekt muss ich mich noch verbessern. Auch was Wildessen betrifft.

Wildessen?

  • Ja. Ich habe mich in den letzten Wochen und Monaten vermehrt mit Pflanzen und Früchten beschäftigt, die man draußen in der Natur finden und essen kann. Ich werde jetzt bestimmt nicht zum Überlebenskünstler. Aber auf den Aspekt abgezielt, dass man so nicht immer auf einen Vollversorger angewiesen wäre.

Das bezieht sich dann auf die Charakterentwicklung, beispielsweise in einem Film?

  • Metaphorisch gesehen: Ja. Man entwickelt sich mit jedem Kilometer weiter. 2017 habe ich gar nichts gewusst. Jetzt kann ich auf den Straßenrand deuten und sagen: Das Kraut kann man essen. Das nicht. Das wieder ja. Auch was das Kochen unterwegs betrifft. Es wird alles immer besser. Auch die Sorge, die ich immer hatte, was das Wildcampen betrifft. Auf dieser Reise blieb mir in mancher Situation einfach nichts anderes übrig. Dabei habe ich mich dann aber so provokant in das Sichtfeld der Leute gebaut, dass man denken konnte, dass dies so gehört. Wenn man sich erst hinter Bäumen und Büschen versteckt, weckt man Verdacht. Nein. Frei nach dem Motto: Mit dem nackten Arsch ins Gesicht. Es hat wunderbar geklappt. Beschwert hat sich niemand.

Hat sich sonst noch etwas verändert?

  • Gewisser maßen, ja. Meine Verfolgerschaft ist noch einmal um eine große Zahl angewachsen. Meine Reise hat es zweimal in eine Zeitung geschafft. Besonders der letzte Bericht, hier in der Heimat, hat mich mit Stolz erfüllt. Das haben die ganz toll umgesetzt und geschrieben. Zum einen, weil ich dadurch auch einmal die Menschen erreicht habe, die nicht so oft im Internet sind. Und ein weiterer Effekt ist der, dass vereinzelt Leute auf mich zukommen und mir ihre Geschichte erzählen. Dass sie auch mit diesen »dunklen Gedanken« zu kämpfen haben. Dass sie diese bezwungen haben. Oder auf dem besten Weg sind. Auf die unterschiedlichsten Weisen. Es baut einen auf. Es freut mich, dass andere scheinbar Mut aus meinen Erzählungen ziehen. Vielleicht wird je eines Tages jemand auf mich zukommen und mir sagen, dass ich sein Inspirator war. Sich seinen Gedanken zu stellen. Einen Ausweg zu suchen, wie ich es getan habe. So, wie Jean mich inspiriert hat. Oder das Ehepaar Toll.

Was steht denn nun als Nächstes an? Gibt es schon Ideen?

  • Ideen gibt es immer. Jetzt ist es das Ausland, das mich reizt. Vier Jahre mache ich diese Art des alternativen Reisens nun schon. Ich habe Deutschland im Osten, im Westen und in der Mitte gesehen. Schottland, Irland, Norwegen. Vielleicht Italien, Österreich. Das würde mich jetzt reizen.

Auch zu Fuß?

  • Ja. Man ist zwar wesentlich langsamer unterwegs. Sieht aber gleich noch einmal so viel. Die ersten Pakete sind in den letzten Tagen eingetroffen. Die Ausrüstung wird schon wieder modifiziert und verbessert.

Demnach kommt nächstes Jahr wieder etwas Großes?

  • Ich würde es mir wünschen. Natürlich muss man die Geschehnisse in der Welt im Auge behalten. Wie sich die derzeitigen Dinge entwickeln. Aber ich bin zuversichtlich.

Möchtest du sonst noch etwas loswerden?

  • Ja! Ich möchte noch einmal allen Menschen danken, die mir auf dieser Reise geholfen haben.
    Heike und Rolf in Sittensen
    – Der Familie in Ebbingen
    Frauke, Walter, Michel und Ronja in Eickeloh
    – Noemia und Peter in Abbensen
    Katharina und Knut in Garbsen/Behrenbostel
    – Ira und Björn in Seelze
    Margret und Heiko in Föhrste
    – Hans und seiner Enkelin in Niedergandern
    Die Betreiber vom Heuhotel in Breitau, die mich trotz Urlaub dort schlafen ließen
    – Danny und Familie in Herda
    Maik in Witzelroda
    – Andreas in Gollmuthhausen
    Andreas mit Familie und Thomas mit Lebensgefährtin in Sulzdorf a.d. Lederhecke
    – Helmut und Frau in Pfarrweisach
    Helga und Franz samt Nachbar in Reckeneusig
    – »Uschis Treff« in Nürnberg
    Euch allen möchte ich noch einmal danke sagen! Danke für eine unvergessliche Zeit!
    Ich hoffe, ich habe niemanden vergessen.

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