DAS war KEIN Specht!

03.04.2017

Der Tag beginnt wie jeder andere auch, wenn ich in die Pedale trete. Die Zeit, die ich zum Zusammenpacken benötige, finde ich noch immer gewaltig. Einen schnelleren Weg habe ich jedoch noch nicht gefunden. Zwei Stunden sind Minimum. Plus Frühstück macht das drei Stunden Vorbereitung auf die nächste Etappe.

Die Heutige beginnt eigentlich unspektakulär. Ich befahre einige Nebenstraßen und komme nach Lehnin. Am Gohlitzsee gönne ich mir eine erste kleine Pause. Mein Weg führt mich Richtung Rädel. Hinter dem Dorf führt mich das Navi in einen nahegelegenen Wald. Aus der Ferne kann ich einen Specht hören, wie er in den Bäumen nach Futter sucht. Die Luft ist klar und das Wetter sonnig, aber nicht zu warm.

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Der Gohlitzsee bei Lehnin

Im Wald stoße ich auf Schilder, dass ein militärisches Sperrgebiet hier sei. Also drehe ich um und nehme eine weiter entfernte Straße. Aber auch die führt ins Sperrgebiet. Zuvor muss ich noch einen Anstieg überwinden, der mich ziemlich aus der Puste kommen lässt. Nun stehe ich vor diesen Warnschildern und bin am Überlegen. Rein da? Oder besser drum herum?

Mein Specht hämmert wieder in einen Baumstamm. Der helle hölzerne Klang. Wenn ein Specht hier schon alles gibt? Dann wird da drin sicher niemand sein. Die hocken doch alle an der russischen Grenze und regen sich drüber auf, dass der Russe sein Kriegsgerät so dicht an der eigenen Grenze hat.

Ich untersuche etwas die nähere Umgebung. Wachposten sehe ich keine. Trampelpfade gibt es hier, die ins Gebiet reinführen. Fahrradspuren auch. Alt sind die nicht. Ach, komm. Ist von den Anwohnern, die auch da durchfahren. Wenn die das können, dann du doch locker. Also rein da. Das Navi führt mich die Straße rechts entlang. Und irgendwann soll ich links abbiegen. Ein verwachsener Waldweg eröffnet sich mir. Der von einem Schlagbaum versperrt wird. »Achtung – Feuerübungen Betreten verboten« ist darauf zu lesen. Mein Specht hackt wieder im Holz.

Ich fahre weiter und komme an zwei weiteren Waldwegen vorbei, wo ich wieder reinfahren soll. Wieder mit Schlagbäumen und Schildern versehen. Langsam komme ich doch ins Grübeln. Ist das wirklich verlassen hier? Es müssten doch Leute in Uniformen hier rumrennen? Warum nur Waldwege, wo ich rein soll? Gibt es keine Asphaltstraßen quer da durch? Und warum die Schlagbäume? Erneut höre ich das hölzerne Hacken des Spechtes.

Plötzlich stielt sich jedoch die Farbe aus meinem Gesicht. DAS war KEIN Specht. DAS war eine Schusssalve. Es ertönen zwei Einzelschüsse, gefolgt von einer weiteren Salve. Hier ist jemand. Und das ist kein durchgeknallter Jäger. Es finden hier tatsächlich Schießübungen statt.

Du willst hier raus! Schnell! Ehe man dich entdeckt! Wer weiß, was dann mit dir passiert? Also umgedreht!

Auf halber Strecke zurück taucht hinter mir plötzlich ein dunkelblauer Bus auf. »Range Control« steht darauf. Ich werde entdeckt. Also, was tun? Augen zu und durch. Ich halte an. Neben mir hält der Bus und ein Herr etwa so alt wie ich kurbelt die Seitenscheibe herunter. Was ich denn hier wolle, werde ich gefragt.

Doof stellen aber ehrlich sein, kommt es mir in den Kopf. Also erzähle ich meine Geschichte, dass ich mich verfahren hätte, die Schüsse gehört hätte und eigentlich nur hier raus möchte. Er fragt mich, von wo ich komme. Rädel ist meine Antwort. Fahren sie einen Ausgang weiter. Dann sei es nicht ganz so weit herum um das Gebiet. Außerdem bin ich auf der »Platzrand-Straße«. Hier sei noch alles harmlos und ich solle mir keine Gedanken machen. Ich bedanke mich höflich und setze meinen Weg fort.

Da ich jetzt eine klare Order habe, man von mir weiß und gewissermaßen einen Freifahrtschein habe, ist alles gut. Fahrer von anderen Fahrzeugen, die mir entgegen kommen, schauen mich wie ein Backstein an. Wohl noch nie einen Fahrradtouristen auf der Platzrand-Straße gesehen, was?

Als ich zu meinem Ausgang komme, hält ein weiteres Fahrzeug. Ein älterer Herr schaut mich fragend an. Ihm erzähle ich die gleiche Geschichte, auch dass die Range-Control von mir weiß. Ob ich das Gelände nun verlasse, bejahe ich. Und so endet mein Ausflug auf das militärische Sperrgebiet von Lehnin. Unter dem Strich muss ich sagen, dass man das alles doch ziemlich lässig gesehen hat. Worüber ich echt froh bin. Hätte ja auch anders enden können.

Hinter dem Ort Borkheide gelange ich wieder auf einen Feldweg, der mich schließlich über die Autobahn neun führt. Hier, obwohl es sicher bessere Orte gibt, lasse ich mich zu einer Pause nieder. Wann hat man mal die Gelegenheit über der Neun zu pausieren? Schnell etwas gegessen und ein Erinnerungsfoto geschossen und weiter geht’s.

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Letztendlich schaffe ich es bis Gölsdorf. In der Wirtschaft dort gönne ich mir zum Tagesabschluss ein nettes Essen, ehe ich mich niederlege. Auf ein Zimmer komme ich nicht, weil der Wirt keine Hunde gestattet. Aber ich darf hinter seinem Haus zelten. Immerhin. Also schnell das Zelt aufgebaut, ehe es ganz dunkel ist und ich nichts mehr sehen kann. Gegen zehn Uhr fallen mir erschöpft die Augen zu …

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