Am Erzgebirgekamm entlang oder darüber hinweg?

08.04.2017

Das ist die Frage, die mich am heutigen Morgen beschäftigt. Immerhin habe ich auf meiner Rundfahrt noch einen weiten Weg vor mir. Diagonal durch die Tschechei abkürzen oder aber das Eck an der Grenze entlang mitnehmen?

Was kommen für Berge auf dich zu? Wie lange würdest du brauchen, wenn du den Kamm querst? Wie lange, wenn man am Kamm entlang fährt? Was ist »schlimmer«? Nach Rücksprache mit Herrn Böttcher, den ich am heutigen Tag noch einmal bei sich zu Hause besuche, fällt die Entscheidung, dass ich darüber hinwegfahre.

Die Motivation bei mir ist jedoch ziemlich im Keller. So dauert es bis in die Mittagszeit hinein, dass ich meinen Tross in Bewegung setze. In Deutschkatharinenberg überschreite ich schließlich die Grenze. Ein kleiner Übergang. Keine Zöllner. Alles ruhig und verlassen. Der Aufstieg, ja ich schiebe das Gespann, dauert gefühlt ewig.

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Die Sonne brennt den heutigen Tag, die Suppe läuft vom Kopf. Ich kann mein eigenes Herz regelrecht hämmern hören. Alle vierzig, fünfzig Meter muss ich pausieren. Gewaltig. Ich ahnte zwar, dass es nicht einfach werden würde. Aber so? Es ist ein geiles Gefühl! Ja, wirklich! Ich habe früher schon gerne gewandert. Aber das hier ist anders. Man hat sein ganzes Hab und Gut auf dieser Reise dabei. Das muss mit dir zusammen darüber. Es ist irre. Die Euphorie wächst dann ins Unermessliche, wenn man sieht, wie die Steigung langsam seichter wird und man der Kuppe immer näher kommt.

Für Lotte ist es fast schon langweilig. Immer nur ein paar Meter gehen und dann auf das Herrchen warten. Dieser Typ, der fast auf seine eigene Zunge tritt. Der Wasservorat, den ich dabei habe schwindet rasant, während die Sonne noch an Intensität zuzunehmen scheint.

Endlich geht es bergab.

Leider nicht lange. Das Navi schickt mich auf einen Schotterweg. Neunhundert Meter soll ich ihm folgen. Etwas wehmütig blicke ich die Straße hinunter. Folge dennoch der Schotterstraße. Hätte ich das bloß nicht getan! Ich komme an einer T-Kreuzung, wo ich nach links geschickt werde. Unbefestigter Waldweg. Zwei Spurrillen. Drehst du um? Aber es ging doch bergab. Selbst hier. Auch der Waldweg führt weiter nach unten. Sechshundert Meter oder so soll ich folgen. Ach los. Da beißt du dich durch.

HÄTTE ICH DAS BLOSS NICHT GETAN!!!

Durch den Regen vom Vortag ist weiter unten der gesamte Weg überschwemmt. Hat er den weichen Waldboden in einen schlammigen Morast verwandelt. Umdrehen? Den Mistweg bergauf wieder zurück? Ich versuche abzuwägen: Was würde jetzt länger dauern? Kraft kostet beides. Also weiter.

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Ich schnaufe wie ein Pferd, als ich meinen Tross durch den Schmodder schiebe. Immerhin kann ich auf der Kante recht gut laufen, dass meine Füße trocken bleiben. Dennoch ist es verdammt anstrengend. Da piept das Navi erneut. Nach rechts? Willst du mich jetzt völlig verarschen?!? Ich soll einem weiteren Waldweg folgen. Wieder auf den Berg hinauf. Am Arsch!, schießt es mir durch den Kopf. Ich gehe jetzt geradeaus weiter! Da kannst du piepen, wie du willst.

Weiter die Moraststraße entlang. Hinter einem Hubbel erstreckt sich mir dann auch noch eine ausgedehnte Schlammpfütze. Jetzt habe ich alles morastig hier. Umdrehen? Im Leben nicht! Also den Weg verlassen und quer durch die Bäume geschoben. Falls ihr euch nun fragt, ob …: JA! Es ist so ätzend, wie es sich liest.

Endlich erblicke ich eine Asphaltstraße. Zwei Kilometer folge ich ihr, ehe ich erneut einem Waldweg folgen soll. Erneut bergauf. Auf den Piss bin ich einmal hereingefallen. Jetzt bleibe ich auf der Straße. Mit wehenden Fahnen geht es ins Tal. Plötzlich ist die zu fahrende Strecke um drei Kilometer kürzer. Heute hasse ich das Navi von ganzem Herzen.

Bei Kilometer fünfundzwanzig bin ich bereits völlig am Ende. Was mir in die Karten spielt: Ich bin auf einer Fahrradstraße gelandet und eine Pension taucht vor mir auf. Platz haben sie jedoch keinen mehr. Ich könnte umdrehen, meint man zu mir. Weiter oben sei eine weitere Unterkunft.

Ich bin da gerade mit weit über vierzig Klamotten runter gerauscht. Ich eier da doch nicht wieder rauf! So radel ich weiter. Ja, ich radel. Hier ist der Weg nahezu eben. Kein Gefälle, keine Steigung. Die Radstraße schlängelt sich an einem Wasserlauf entlang. Immer wieder tauchen kleinere Brücken auf, über die ich das Wasser kreuze. Wirklich schön. Eine willkommene Abwechslung.

Leider nicht sehr lange. Denn eine weitere Biegung taucht auf und führt mich von der Straße weg. Bergauf. Schieben ist wieder angesagt. Anderthalb Kilometer. Oben angekommen erblicke ich einen Stausee. Der Weg führt in einem großen Halbkreis um das Gewässer herum. Wieder einige Kilometer, die ich wirklich radeln kann. Wahnsinn. Ich mache doch noch etwas Strecke.

Blog 3

Bei Kilometer einunddreißig ist dann aber doch Schluss. Die Sonne steht schon ziemlich tief. Nach einer weiteren Steigung komme ich an einem Forellenteich an. Ein einziges Haus steht dort in der Nachbarschaft. Ich frage und muss mehr vortanzen, was ich möchte. Aber mit etwas Scharade kann ich mich dann doch verständlich machen. Ich darf am See schlafen. Also schnell alles aufgebaut und hinein in die Koje.

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