Erzgebirge, ich komme!

17.08.2017

Sind die ersten zwei Tage recht lässig gewesen, was das Fahren betrifft, so kommt die bis hier längste Etappe auf mich und Lotte zu.

Nachdem ich heute Morgen bravurös verpennt habe, schäle ich mich aus dem Bett. Bernd hat schon längst gefrühstückt. Und so wird es später Vormittag, ehe ich wieder auf der Straße bin. Bis Rhinow schaffe ich es doch tatsächlich ganz auf Karte, oder Navi verzichten zu können. Zu sehr kommen mir signifikante Punkte wieder in den Kopf. Doch in Rhinow verlässt mich mein Erinnerungsvermögen. Ich erwische im Kreisel die falsche Ausfahrt und brause erstmal gute fünfzehn Minuten in die falsche Richtung. Auf der Bundesstraße fünf schwant mir schließlich »Böses«.

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Du bist doch nicht so weit auf der Fünf gefahren, um nach Retzow zu gelangen? Also die Karte raus! Nach einem kurzen Moment des Haareraufens. (Als ob das bei mir noch gehen würde.) Also nach kurzer Orientierung steht fest, ich bin falsch gefahren.
In Retzow selbst ist nicht viel Leben auf der Straße. Das meiste tobt auf der Bundesstraße vorbei. So geht es kurz zum Spritzenhaus und anschließend fahre ich zum Matthias, dem Ortsbrandmeister. Lotte gönnt sich erstmal eine Erkundungstour. So lange im Auto zu hocken ist natürlich ätzend, für einen lebhaften Hund, wie sie es ist. Die Hühner sind weniger begeistert. Der Zaun dazwischen verhindert schlimmere Zusammenstöße. So wird der neugierige Besucher mit wildem Gegacker ausgeschimpft.

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Nach einem kurzen Plausch geht es weiter durch das Havelland. Ketzin, dort die Havelfähre, ist das nächste Ziel. Habe ich damals auf dem Fahrrad die vielen Wald- und Wiesenwege erkunden dürfen, düse ich jetzt über schmale Waldstraßen. Treffen sich Personenwagen, ist nichts los. Begegnet man nem Laster, wird es schon etwas interessanter. Aber treffen hier zwei Laster aufeinander hat man wohl gefühlt nen Supergau. Ob ich hier aber Streckenabschnitte befahre, die ich auch mit dem Fahrrad befuhr, kann ich nur schwer sagen. Auf der anderen Flussseite führt mein Weg weiter nach Schenkenberg, die Verwandtschaft fix besucht.

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Und ab da liegen einige Kilometer vor mir. Immerhin möchte ich es heute noch bis in Erzgebirge schaffen. In diesem Abschnitt fahre ich fast ausschließlich die Strecke nach, die ich auch mit dem Fahrrad gefahren bin. Nicht selten schüttel ich mit dem Kopf. Hier ganz her. Bei Gölsdorf komme ich an der Wirtschaft vorbei, wo ich mit dem Hund nicht aufs Zimmer, aber im Garten zelten durfte. Und vor Annaburg erfasst mich für diesen Tag der größte »Schlag«, wenn ich das so schreiben darf. Ich gelange zu dem Imbiss, wo ich seinerzeit pausiert habe. Warum es mich hier so packt, weiß ich nicht.

Vor Torgau besuche ich das Wirtshaus wieder, wo ich ebenfalls pausiert habe und gönne mir etwas Deftiges. Anschließend geht es Richtung Torgau und über die Elbe. War es mir damals gar nicht so bewusst, bin ich hinter der Stadt fast eine gefühlte Ewigkeit gefahren, ehe ich die nächste Ortschaft erreichte. Der Tag vergeht wie im Flug und vor Waldheim muss die Karte nochmal helfen. Irgendwie habe ich meine Route verloren. Was mich in diesen Gegenden stört, ist, dass die größeren Städte erst sehr spät ausgeschildert sind. Quasi erst, wenn man schon vor deren Toren steht. Das finde ich doch mir im Norden weitaus angenehmer. Ob vierzig, fünfzig oder mehr Kilometer. Stadte zum Beispiel, oder Cuxhaven. Eigentlich ist es egal, welche Stadt ich nenne. Sie sind auf lange Sicht besser beschildert, was ein Orientieren doch sehr erleichtert. Aber es gibt ja eine Karte.

(Warum ich nicht nach Navi fahre? Das mache ich beim Autofahren nur äußerst ungern. Ich bin da eigen und nutze lieber die klassische Karte. So prägt es sich besser ein. Warum ich die Strecke meiner Fahrradreise so gut erinnern kann, obwohl ich diese mit technischer Hilfe, sprich Navi, gefahren bin? Ich spekuliere mal, dass ich doch recht langsam unterwegs war. Somit hat sich der Weg trotz Navigationsgerät eingeprägt. Aber das ist Vermutung. Aber zurück zur Reise!)

Waldheim bleibt hinter mir und ich nehme Oederan ins Visier. Ich verpasse erneut meinen alten Weg und gelange auf die urigsten Dorf- und Landstraßen, die ich je gesehen habe. Es passt lediglich ein Auto auf die Fahrbahn. Der Mühlenweg hinter der Schule oder die Moorstraße Richtung Stade spiegeln das sehr schön wieder. Es ist ein absolut geniales Fahren. Wie eine Schlange winden sich diese engen Wege durch die Ausläufer des Erzgebirges. Die kleinen Dörfer aus lediglich ein paar Häusern, die satten Wiesen, die die Straße säumen. Wunderschön!

Hinter Oederan selbst verfinstert sich der Himmel zu einer schwarzen Suppe. Platzregen prasselt auf mein kleines Auto ein. Die Wische geben ihr Bestes. Es erinnert fast an damals, als ich die Etappe abgebrochen habe. Nur war der Regen damals bei weitem nicht so schlimm. Und jetzt, wo ich hier selber mit dem Autor umherbrause, so bergauf und bergab, ich hätte das damals nie im Leben geschafft, in angemessener Zeit in Olbernhau zu landen.

Nach diesem heftigen Regenguss klart der Himmel doch schnell wieder auf und die Sonne läutet so allmählich die Abenddämmerung ein. In Oberlochmühle muss ich kurz zittern, dass ich ein Zimmer bekomme. Zuerst werde ich abgewiesen. Dass ich jedoch nur eine Nacht bleiben möchte, wird doch etwas für mich hergerichtet. Da die anderen Gäste am folgenden Tag erst anreisen. Schnell alles aufs Zimmer gebracht und dann noch schnell nach Seiffen, den Falk besucht.

Die Überraschung gelingt! Große Augen empfangen mich auf der Terrasse. Seine Tochter hat mehr Angst um ihre Katze, als Lotte um die Ecke flitzt und sie verschwindet mit ihr im Haus. So lassen wir es erst bei ihm, später noch in der Wirtschaft ausklingen. Wir verabreden uns zuguterletzt noch für den kommenden Tag, ehe ich mich dann endlich aufs Zimmer zurückziehe. Heute war nicht ganz so leicht und morgen erwartet mich eine ähnlich lange Etappe. Dann soll es nach Bayern runter gehen.

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