Zwei Wochen Urlaub! Ich, das Fahrrad und der Hund … haste gedacht …

02.04.2018

Wie lange habe ich auf diesen Moment hingefiebert? Bereits vor neun Wochen habe ich begonnen, diese zu zählen. Als es zu wenige wurden, habe ich begonnen, die Tage zu zählen. Und immer wieder drängt sich ein Gedanke in den Vordergrund: Du musst den Anhänger noch erweitern! Lotte benötigt einen Platz zum Verschnaufen. Sei nicht so dumm, wie letztes Jahr und beginne erst zwei Tage zuvor! Nein, das ist definitiv nicht so gekommen. Es sind zwei Wochen gewesen. Verzögerungen habe ich dennoch hinnehmen müssen. Der Grund? Ich hatte den Wunsch, dass ich mal bewegte Bilder von meiner Reise machen kann. Bilder, mit denen ich selber zufrieden bin. Nicht so, wie letztes Jahr, als ich die Kamera am Lenkrad festgemacht habe und alles verwackelt war.

Möchtest du dann auch etwas dazu sagen, was du gerade machst? Vielleicht? Also benötigst du einen Kamerahalter, der in ausreichendem Abstand zu deiner Schnute steht und die Linse nicht direkt in das linke Nasenloch schaut. Also drauf los. Es ist ja erst Ostersamstag. Osterfeuer fällt aus, das spielt dir in die Karten! Bau den Halter. Ist ja sonst nichts zu tun. Hast du die Taschen fertig gepackt? Letztes Jahr hast du sechs Stunden hin und her gerührt, bis du alles zu deiner Zufriedenheit verstaut hattest. Hast du bis jetzt nicht gemacht? Ja, los, dann bau doch erst den Halter. Och, den zweiten Halter dazu, damit du Lotte im Anhänger bei ihrer Pause ablichten kannst? Ja, warum denn nicht? Nur zur Erinnerung. Du möchtest Ostersonntag um die Mittagszeit los! Und es ist ja gerade erst früher Abend. Was soll denn schon schief gehen?

ALLES! Es ist einfach alles in die Hose gegangen! Bis spät in die Nacht habe ich die Halter gebastelt. Gelungen sind sie mir. Wirklich. Nur sind im Nachhinein einige Dinge ans Tageslicht gekommen. Warum die Kamera an einem Stick von die weghalten? Während du auf einem schwammig zu befahrenden, schwer beladenen Fahrrad umher gondelst, wenn man einfach einen Halter baut, der das Fahrrad permanent scheiße aussehen lässt? Das kann doch nur geil werden. Wie weiter oben beschrieben: NEIN!

Der Halter am Lenkrad, der meine Visage in Erscheinung bringen soll, zittert, wie ein Mensch, der an Entzugserscheinungen leidet. (An dieser Stelle möchte ich mich für die Metapher bei jedem Suchtkranken entschuldigen). Die Kamera, das ist das Witzigste, hält überhaupt nicht fest. Sie baumelt vor und zurück, wie ein Wackeldackel. Der Halter, der meinen Hund zeigen soll, ist zu niedrig. Es zeigt lediglich auf den Aufbau des Anhängers. Und die Kamera baumelt ebenfalls. Grandios! Mehrere Stunden für Grütze verballert! Haste ganz toll gemacht. – Danke!

So komme ich durch meine unnütze Spielerei erst am Ostermontag los. Aber ein Gutes hat es auch. Das Wetter ist herrlich! Die Sonne scheint, die Blümchen blühen, die Vöglein zwitschern. Dadurch dass ich aber einen Tag verloren habe, möchte ich gleich das Ziel, der eigentlich heutigen Etappe anfahren. Oyten bei Bremen. Sind ja nur knappe achtzig Kilometer. Mit einem Einradanhänger, den du noch nie getestet hast, mit dem der Hund noch nie gefahren ist. Du bist echt ein Fuchs, was deine Entscheidungen betrifft. Aber egal. Denn vorwärts komme ich fast wie von alleine. Die Kette surrt, die Hundemarke klimpert. Man kann dem Hund regelrecht anmerken, dass er Bock hat. Nicht nur einmal muss ich Lotte ermahnen, dass sie nicht so ziehen soll. Das Fahrgefühl mit dem Anhänger ist, zumindest stellenweise nicht das Beste. Dabei hat der Hund noch nicht mal drinnen gesessen.

Hinter Horneburg fahre ich zum ersten Mal die schmalen Pfade durch das Auetal. Noch nie zuvor gesehen. Und auf dem Weg nach Harsefeld biege ich irgendwann nach links Richtung Ahlerstedt ab. Diesen Weg kenne ich aber. Den bin ich letztes Jahr mit dem Ulrich gefahren. Als wir eben dort, in Ahlerstedt, zum Schützenfest geradelt sind, um eine Bratwurst und Bier zu verhaften. Nun führt mich also die Route wieder auf den sandigen Weg.

Blog 1

Lotte blüht unterdessen richtig auf. Die Nase klebt am Boden, die Ohren schlackern bei jedem ihrer Schritte und die Hundemarke klimpert eh. Ich bin heute nicht der Schnellste. Es besteht auch kein Grund. Auch wenn ich spät losgekommen bin. Ich zuckel mit meinem Gespann quer durch die Wallapampa und lasse mir den leichten Wind um die Nase wehen.

Als ich Lotte dann schließlich in ihre Box stecke, staune ich nicht schlecht. Es ist ein mehr durchwachsenes Fahrgefühl. Irgendetwas gefällt mir überhaupt nicht. Was es ist? Ich kenn mich derzeit nicht genau festlegen. Der Anhänger neigt nun dazu sich aufzuschaukeln. Auch zieht er mich nach links rüber. Okay, der Hund? Sitzt recht mittig. Doch dennoch hängt der Anhänger nach links. Warum? Ich verstehe es gerade nicht. Erst al ich bei einer Pause das Gespann unachtsam auf die Seite schmeiße, fällt mir auf, dass die Plastikbuchse eingeschnitten, gerissen ist. Der obere Haltebügel hat sich da hineingearbeitet. Tolle Nummer. Das Plastik ist derart zäh, dass ich schon technische Hilfe benötige, damit ich das irgendwie reparieren kann.

Blog 2

In Boitzen entdecke ich eine Bank mit Mülleimer daneben. So gönne ich mir eine Pause. Lotte sitzt vor mir und blinzelt müde in die Gegend. Auf die Aufforderung sich doch niederzulassen, da sie fast im Sitzen einschläft, legt sie sich mit einem leichten Schnaufen hin. Mich selbst packt der Gedanke, dass Oyten recht ambitioniert erscheint. Es sind noch immer etwas bei vierzig Kilometer. Der Anhänger läuft mistig und der Hund gefällt mir auch nicht recht. Wobei sie sich in ihrem regulären Pensum befindet, wenn ich mit ihr die »große« Runde drehe. Irgendetwas scheint sonderbar.

Ein Bauer kommt auf seinem Fahrrad vorbei und bestückt seine SB-Kiste mit neuen Kartoffelsäcken. Ein kurzer Plausch folgt zwischen uns. Wo ich hin möchte, was das Gesamtziel ist. Ob ich so etwas schon öfter gemacht hätte. Schließlich erzählt er etwas von seinen Reisen. Auch etwas rustikaler, wenn ich das so bemerken darf. Westerndorf im Harz und Ähnliches gibt er als Reiseziele an. Durchaus interessant. Und so vergehen die Minuten, ehe sich unsere Wege wieder trennen. Für mich ist es nun auch wieder Zeit in die Pedale zu treten. Schnell alles verstaut und wieder in den Sattel. Zwischen Boitzen und Heeslingen fällt mir dann auf, dass Lotte das linke Bein nachzieht. Auch das noch, schießt es mir in den Kopf. Vom Ziel Oyten verabschiede ich mich augenblicklich. Wie weit kann ich mit ihr so kommen? Immerhin liegen bis Harlesiel noch drei weitere Tage vor uns. Und ich habe gerade einmal fünfunddreißig Kilometer hinter mich gebracht. Augenblicklich verfrachte ich Lotte wieder in ihre Box. Doch auch das Fahrverhalten des Anhänger wird immer bescheidener. Er scheint sich mehr und mehr nach links zu neigen.

Zwischen Heeslingen und Zeven fällt schließlich die Entscheidung. Abbruch! Alles Andere wäre Wahnsinn! Der Hund muss nach Hause. Der Anhänger genauer unter die Lupe genommen werden. Was für eine Pleite! So rufe ich den David an, der sich bereit erklärt hat, im Notfall den Taxifahrer zu spielen. Dafür ein riesen Dankeschön! Ein Vorteil ist, dass ich noch nicht allzu weit weg bin. Ich schlage mich noch bis zum Ortseingang von Zeven durch. Dort auf dem Parkplatz des Campingplatzes warte ich auf meinen Abholer. Alles weitere geht dann recht schnell. Um sechs am späten Nachmittag bin ich bereits wieder zu Hause. Bei Lotte fliegen unterdessen die Sicherungen raus. Mein Vater ist just in dem Moment aus Berlin zurück, wo wir ankommen. Plötzlich spielt der Hund wieder wilde Sau. Es ändert jedoch nichts daran, dass sie Probleme beim Laufen hat.

So überarbeite ich mein Gepäck. Die Hundesachen fliegen raus. Der Hund bleibt diesen Trip bei meinem Vater. Ich habe noch drei Tage, um nach Harlesiel zu kommen. Ich muss nur die Route überarbeiten. Es ist noch alles realistisch. Es wird einen zweiten Versuch geben. Darauf freue ich mich …

Fahrstrecke: 42,46 km
Höhenmeter: 160 m
Zeit: 3:52 h
D.-geschw.: 10,93 km/h

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