»Ruperts« Reise

12.04.2018

Um halb neun, quasi, wie die vergangenen Tage auch, sitze ich im Sattel und bringe die ersten Kilometer zum nächsten Etappenziel hinter mich. Habe ich letztes Jahr auf meiner großen Tour fast jeden Tag vorm Losradeln gefrühstückt, ist der Ablauf bei dieser Tour anders. Hautsache erst einmal auf der Straße sein. Anhalten kann man immer. Aber dieses innere Gefühl, du hast schon etwas geschafft. Das ist bei diesem Trip doch sehr dominant.

Während ich also auf dem Weg zum nächsten Etappenziel bin, rege ich mich ein wenig über den Übernachtungspreis auf. Fast dreizehn Euro. Der teuerste Campingplatz der ganzen Reise. Wofür eigentlich? An der Nordseeküste ist die Kurtaxe mit im Preis, das, okay. Aber hier? WLAN gab es faktisch nicht. Sicher bei den anderen Zwischenstopps auch nicht, naja, es war schon da, aber komplett überlastet. Ich fand es halt irgendwie Grütze.

Dann habe ich mich im Vorwege mit meinem Zelt erzürnt, weil einer der Schnappverschlüsse sich nicht öffnen lassen wollte. Völlig bescheuert. So’n olles Plastikding. Ich konnte drücken und quetschen, er wollte nicht aufgehen. Beim Nachbarn habe ich daraufhin eine Zange und Schraubendreher geborgt.

Jetzt gaaaanz vooooorsichtig … *KNACK!* … Oh, toll! Kaputt!

Blödes Plastikteil! Aber die Funktion ist dennoch gegeben. Dann geht es ja. All das sind jetzt auf dem Fahrrad die Dinge, die mir so durch den Kopf geistern. Die Musik dudelt. Der Wind ballert mir ins Gesicht. Moment! Wind? Ja, der Mist ist noch immer nicht abgeflaut. Ich habe ja keinen Bock mehr. Jeden Tag Wind seit ich Richtung Heimat fahre. Darüber hinaus fahre ich jetzt fast nur Hauptstraßen. Kein Fahrradweg. Nichts. Wenigstens ist der Verkehr hier nicht ganz so dicht.

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Habe ich eigentlich schon das Etappenziel genannt? Ich glaube nicht. Wobei … ach, nicht so wichtig. Das Etappenziel. Ja, das weiß ich nicht so ganz. Eigentlich wollte ich ja bis Sonntag unterwegs sein. Heute ist Donnerstag und ich hätte noch drei Tage. Nur bin ich jetzt, »A« schon sehr dicht an zu Hause dran. »B«: Geht mir der Wind gewaltig auf den Zeiger. »C«: Mir das Tretlager mehr und mehr Sorgen bereitet. Und »D«: Es ist für die kommenden Tage auch noch Regen angesagt.

Mach zumindest so, dass du Freitag zu Hause ankommst. Gönn dir noch eine Nacht im Zelt. Oder? Doch in die Heimat? Die Frage ist gerade nicht leicht für mich. Trotz der Querelen. Was willst du schon so früh zu Hause? Da kennen sie dich doch alle. Das hat einer der Meister in meiner Ausbildungszeit gesagt, wenn man sich zu Feierabendzeiten abgemeldet hat. Recht hat er irgendwo schon gehabt. Auch jetzt. Aber noch ein Tag Wind? Dazu potenziell Regen? Ich weiß nicht.

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In Lahmstedt gönne ich mir eine längere Mittagspause, nachdem ich einige Zeit zuvor wieder eine Bushaltestelle in Beschlag genommen hatte. Die Frühstücksgeschichte. Aber nun ist Mittag. Mit einer deftigen Mahlzeit im Bauch setze ich meinen Weg schließlich fort. Und es ist eine Entscheidung gefallen. Ich fahre heute bereits nach Hause. In der Wirtschaft bemerkte man wiederholt, dass es am morgigen Freitag regnen soll. Also verwerfe ich alles Übrige und schlage den direkten Weg Richtung Heimat ein.

Hauptstraße. Immerhin mit Fahrradweg. Hechthausen ist das Zwischenziel. Und dann … warte. Was ist das? Ostefähre Brobergen steht auf einem Schild. Das kennst du! Das hast du schon oft auf Googlemaps gesehen. Außerdem hast du die Fähre vor Jahren mal bei einer Zugübung der Feuerwehr gesehen. Da wolltest du schon immer mal mit fahren. So verlasse ich die Hauptstraße und gondel über schmale Asphaltstraßen zum Ostedeich hin. Ich fahre durch kleine Waldstücke, passiere weite Felder. Werde von Traktoren überholt. War eben auf der Straße zwischen Lahmstedt und Hechthausen einiges los, ist hier der Hund begraben. Schön! Ich muss mich nicht mal mehr gegen den Wind durchsetzen. Der pustet jetzt seitlich. Während ich also wieder die Momentaufnahme dieser Ruhe genieße, schießt mir ein Gedanke durch den Kopf. Hoffentlich fährt das Ding auch!

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NEEEEEIIIIIIIIIIIIIN! Was soll das denn? Erst im Mai wird der Fährbetrieb wieder aufgenommen. Ich dreh ab! So ein Umweg für nichts. Sicher, war der Weg hierher schon schön. Aber die Endtäuschung überwiegt doch gerade. Also doch über Hechthausen fahren. Was für eine Pleite!

Habe ich ab Hechthausen gedacht, dass ich bis Stade an der Bundesstraße fahren muss, habe ich mich in meinem Navi geirrt. Kaum habe ich die Ostebrücke hinter mich gebracht, werde ich in die »Wildnis« geführt. Landwirtschaftliche Wege weit ab der Hektik. So besuche ich in Himmelpforten einen Bekannten. Bei dem ich doch lose im Gedankengang umschwenken möchte und doch an eine weitere Nacht im Zelt denke. Doch er und seine Frau sind heute Abend nicht da. So ziert er sich darum, dass ich bei ihm im Hinterhof mein Lager aufschlage. Also weiter. Soweit ist es ja nun auch nicht mehr.

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In Stade selbst halte ich noch einmal und gönne mir in einer Lokalität ein Kaltgetränk. Gleiches mach ich noch einmal in Bachenbrook, kurz vor zu Hause. Ich habe schließlich Zeit. Keine drei Kilometer mehr. Jetzt kannst du auch trödeln. Die letzten Meter noch einmal richtig, mit allen Sinnen wahrnehmen. Die Freude, dass ich es dieses Mal aus eigener Kraft geschafft habe. Es ist schon cool.

Als ich die Tür zum Keller öffne, werde ich erst einmal überschwänglich von Lotte begrüßt. So sitze ich eine Weile mit meinem Hund auf dem Sofa hier unten und verpasse ihr eine gehörige Streicheleinheit. Anschließend wird das Fahrrad abgeladen und rein geholt. Hatte ich anfänglich gedacht, dass der erste Tag die längste Etappe war, habe ich es heute um einige wenige Kilometer getoppt. Was wohl am Umweg zum Fähranleger lag.

Schnell noch das Nötigste ausgepackt. Alles voran »Rupert«. Okay, wie in einem vorangegangenem Bericht angedeutet, besteht hier Klärungsbedarf. Auf dann:

Ich hatte definitiv zu viel mit. Sinnbild des »zu Viel« ist an der Stelle »Rupert«. Rupert ist eine Honigmelone. Ja, ich habe einer Honigmelone einen Namen gegeben. Aber »die« Melone? Er ist ein Honigmeloner! Da diskutiere ich jetzt auch nicht. Wie dem auch sei. Ich habe ihn gute zwei Wochen vor Reiseantritt gekauft und wollte ihn mir in der Zeit eigentlich zu Gemüte führen. Wurde nichts draus. Also habe ich gedacht: Nimmste die Melone mit. Kannste sie unterwegs essen. Hat auf der Hintour nicht geklappt. Also mit auf die Insel genommen. Schließlich kann man sie dort ja essen. Wurde auch nichts. Wieder auf dem Festland war es aber derart windig und kalt am Abend, dass ich keinen Bock hatte vorm Zelt zu sitzen und eine Melone aufzuschneiden. Und so kam es, wie es kommen musste. Ich habe die Melone, die zu dem Zeitpunkt dann den Namen »Rupert« bekommen hat, wieder mit nach Hause genommen.

Blog 5

Wenn schon der Hund nicht dabei sein konnte, so habe ich zumindest einer Honigmelone die große weite Welt gezeigt. Das ist doch auch etwas … *hust* …

Fahrstrecke: 72,92 km
Höhenmeter: 235 m
Zeit: 7:28 h
D.-geschw.: 9,75 km/h

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