Hinradeln! Rumballern! Wegradeln!

17.06.2018

Wenn ich ehrlich bin, ein wenig beschwerlich ist es heute, für mich aus dem Bett zu kommen. Nicht die Beine sind das Problem. Eher die Augen, die sich anfühlen, als hätte jemand Ziegelsteine an die Lieder gehängt. Mein Problem? Ich habe da eine in schwarzem Pelz gekleidete Dame, die freudig vor meinem Bett steht und nach Unterhaltung verlangt. Naja, eigentlich ist es eher der Ruf der Natur, dem Lotte folgen möchte. Anschließend ist das Ding mit der Unterhaltung dran. So schäle ich mich unmotiviert aus den Federn. Aber kaum fünf Minuten inne Gang, rückt die Freude auf den heutigen Tag in den Vordergrund. Ein Blick aus dem Fenster unterstreicht das Ganze. Wie am Vortag sind einige dicke Wolken am Himmel. Es scheint nicht ganz so heiß zu werden. Umso besser.

Kurz, nachdem Lotte von ihrem heutigen Sitter abgeholt wurde, sitze auch ich wieder im Sattel. Ich habe gute drei Stunden Zeit um mein heutiges Zwischenziel zu erreichen. Wie will ich diese Zeit nutzen? Wo möchte ich langfahren? Immer diese Entscheidungen. Hatte ich am gestrigen Tag einen konkreten Plan, läuft heute alles auf Spontanität heraus. Dumm nur, wenn man sich nicht wirklich festlegen kann. Ach, fahr erstmal Richtung Elbdeich. Etwas am Außendeich entlang radeln. Einen Blick auf die Elbe erhaschen. Zum warm werden.

Einmal über das Lühesperrwerk rüber und weiter am Wasser entlang. Auf Höhe der Jorker Mühle geht es dann weg vom Deich. Die JVA Hahnöfersand versperrt den Weg. Direkt dahinter geht es dann weg von der Hauptstraße, wieder am Elbufer entlang. Kurz bevor ich die Sietas-Werft am Estesperrwerk erreiche, drängt sich mir eine Frage auf. Will ich wirklich noch ganz bis Finkenwerder fahren? Sicher, so weit entfernt ist es von hier nicht mehr. Aber mit Blick auf die Uhr? Mein Termin rückt näher. Außerdem würde ich gerne etwas mit Geschmack trinken. Nein! Streich Finkenwerder. Mach Dir keinen Stress, denke ich. Also geht es weg vom Elbdeich und auf dem Estedeich weiter.

Jedoch nicht weit. Beim Gasthaus »Zur Post« werfe ich den Anker aus. Es ist noch nicht allzu lange her, dass ich hier war. Die Umstände des Besuches waren seiner Zeit zwar recht trüb, aber der Laden an sich hat mir damals gefallen. Rein, oder draußen sitzen? Kann man überhaupt … Ja! Ein Biergarten. Und was für ein schöner! In der Mitte stehen zwei wundervolle alte Kirschbäume, die mit ihrem mächtigen Geäst fast den ganzen Garten überspannen! Herrlich! Ich suche mir einen Platz direkt mit Blick auf die Este. In nicht allzu großer Ferne kann ich das alte Estesperrwerk sehen.

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Ich komme etwas mit dem Wirt ins Plaudern. Dass ich begeistert von seinen Kirschbäumen bin, also, das gesamte Ambiente des Biergartens mir sehr gefällt. Was ich darauf zu hören bekomme, lässt mich innerlich fast verzweifeln. Ich versuche es einmal mit meinen eigenen Worten wieder zugeben. Also: Dieser Ort, wo ich gerade sitze, hat die Eigenschaft die groteske Dummheit der Menschheit zu Tage zu fördern. Warum? Wie das? Nun: Da ist die Natur. Die Schwerkraft. So kann es manchmal durchaus vorkommen, dass etwas vom Baum fällt. Ein Zweiglein. Eine Kirsche. Ob reif oder nicht. Es kann immer mal passieren, dass etwas herunter fällt. Wie am Anfang geschrieben: Das ist die Natur! Nun ist es vorgekommen, dass Gäste in ihren Sonntagshosen im Biergarten gesessen haben und eben aufgrund der Schwerkraft etwas auf die Kleidung bekommen haben. Worauf wohl nicht selten Grundsatzdiskussionen ausbrechen, wer denn jetzt für die Reinigung aufkommen soll. Gar über eine Neuanschaffung betroffener Kleidung.

Bei allem Respekt. Solchen Leuten müsste man gleich mit der Plattschaufel eine hinterher geben. Der Fairness halber kann man ja im Vorwege fragen, ob sie es kommen sehen wollen, oder aber überraschen soll. Selbst jetzt, wo ich darüber schreibe, merke ich, wie die Wut in mir aufsteigt. Menschen. Das Dümmste, was Mutternatur je erschaffen hat.

Nach gut einer Dreiviertelstunde verabschiede ich mich und setze meinen Weg fort. Gut eine Stunde habe ich noch, ehe ich bei meinem Termin sein muss. Ich quere die Este über das alte Sperrwerk und fahre nun auf dem alten Elbdeich entlang. Für die Leser, die die Gefilde bei uns im Alten Land nicht so kennen. Warum schreibe ich gerade so oft »alt«? Nun damals war der Flutsicherung, sprich der Deich weiter hinten im Marschland. Erst später hat man die Deichlinie weiter vor gesetzt und somit der Natur etwas mehr Land abgerungen. Daher gibt es eben »alte« Sperrwerke bei uns und auch einen »alten« Elbdeich.

Fühlen tue ich mich gerade wie in der Achterbahn. Denn auf diesem Abschnitt gibt es sehr viele Deichdurchbrüche, die zu den Häusern mancher Anwohner führen. So rausche ich immer wieder den Deich abwärts und hinter der Einfahrt aufwärts.

Und jetzt, wo ich in Hamburg Neuenfelde bin? Radel ich noch bis in den Stadtteil Francop und dann über die Wirtschaftswege zu meinem Pflichtziel? Moment. Es gibt doch hier einen Querweg. Damals, als man noch mit dem Traktor und Anhänger die Pfingsttour gefahren ist. Hier war irgendwo die Durchfahrt zu eben der Straße, die mich nach Rübke bringen soll. Hier? Ich bin an der Hauptstraße und stehe vor einem Seitenweg. Dort hinten ist ein Verbotsschild. Jo! Das muss der Weg sein. Also drauf los. Der Fahrbahnbelag wechselt zu Schotter. Weiter vor mir taucht eine Gruppe Radler auf. Kein Zweifel! Ich habe den richtigen Schleichweg.

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Von hier her geht es dann alles recht schnell. Ich gelange an den Wirtschaftsweg und halte mich rechts. Ich komme durch Rübke und radel erneut über Wirtschaftsstraßen nach Moorende und von dort in das Örtchen Estebrügge. Hier findet diesen Sonntag das »Altländer Pokalschießen« statt. Der Tag, an dem sich die sechs Schützenvereine des Alten Landes treffen und sich einander messen. Auch schießen die amtierenden Könige ihren König der Könige aus. So lange möchte ich aber nicht bleiben. Ein kurzer Plausch mit der Mannschaft. Den Bekannten aus den Nachbarvereinen »Hallo« gesagt. Dann geht es auch schon auf den Stand. Recht zügig habe ich meine zehn Schüsse abgegeben. Nochmal kurz geplaudert, dann sitze ich wieder im Sattel. Das »Eskalieren«, was den Alkoholkonsum betrifft, überlasse ich lieber den anderen. Wobei, mal ehrlich. Wann eskaliere ich bezüglich dessen? Mehr selten. Aber das ist nicht das Thema.

Ich radel nach Buxtehude und von dort abermals über Wirtschaftswege nach Neukloster. An Horneburg vorbei, bis ich schließlich in Stade ankomme. So allmählich komme ich in die zeitliche Region, da ich den Hund abholen muss. Eine letzte Pause sei aber vergönnt. Die Beine brennen jetzt doch merklich. Also einen vollen Teller her, ein kaltes Erfrischungsgetränk und dann etwas vom Fußballspiel Deutschland gegen Mexiko geschaut. Wobei man Letzteres auch getrost hätte sein lassen können. Was eine Scheiße die da spielen! Unfassbar! Naja, egal. Der Hund muss abgeholt werden.

Die Freude bei Lotte ist doch riesig, als ich sie von Meike abhole. Dafür nochmal ein riesen Dankeschön! Und eines steht fest. Die nächste Tour ist Lotte wieder dabei. Wo es hingeht? Eine Idee hätte ich zwar schon, aber man weiß nie, was dem Kopf kurzfristig noch einfallen könnte …

Fahrstrecke: 70,18 km
Höhenmeter: 120 m
Zeit: 4:02 h
D.-geschw.: 17,35 km/h

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Quelle: Runtastic.com

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2 Gedanken zu “Hinradeln! Rumballern! Wegradeln!

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