Einmal nach Zeven und zurück.

01.07.2018

Eigentlich wollte ich nach Bayern. Eigentlich. Der Wecker war für Samstag gestellt. Nein, eigentlich nicht. Ich war platt und dankbar, dass ich etwas länger schlafen konnte. Selbst Lotte hat mich in Ruhe gelassen. Was doch etwas verwunderlich war. Normalerweise steht die um diese Zeit schon mit gekreuzten Beinen neben meinem Bett, wenn ich mal wieder nicht aus dem Quark komme. Heute ist das nicht der Fall. Es ist jetzt aber auch nicht so, dass ich so lange liegengeblieben bin, bis das beschriebene Szenario eintritt. Also raus an die frische Luft. Der Blick richtet sich auf die Uhr. Noch könnte ich aufbrechen und wäre am späten Nachmittag im Süden.

Ich schüttel mir diese Flausen postwendend aus dem Kopf. Tu dir den Stress nicht an. Es würde so ablaufen: Am frühen Abend ankommen, Kirchweih feiern und um die Mittagszeit am Sonntag wieder zurück. Nein! Mach das mit den Oldtimern Morgen. Das wird bestimmt interessant genug. Mach heute einfach mal einen auf entspannt …

Der Wecker schellt.

Einem murrenden Bären gleich, der aus dem Winterschlaf erwacht, schäle ich mich aus meinem Bett. Heute liegen einige Kilometer vor mir. Einige mehr. Nachdem das morgendliche Prozedere hinter mir liegt, wird der Hund durch die Pläne gescheucht. Die Tour heute wäre zu viel für sie. Achtzig Kilometer, wenn ich keinen großen Umweg fahre. Als ob ich mich daran halten würde. Es wäre zwei Mal die gleiche Strecke. Hin und wieder zurück. Ja, im Leben nicht. Dreistellig sollte die Tour nach Möglichkeit schon sein. Es wäre die vierte Tagesrunde, bei der ich über einhundert Kilometer zusammen strampel. So oft habe ich das innerhalb eines Kalenderjahres noch nie gemacht.

Blog 1

Es fühlt sich herrlich an, wieder im Sattel zu sitzen. Sicher, ich sitze jeden Tag einige Kilometer auf dem Drahtesel. Aber der Aufbruch zu größeren Touren hat immer irgendetwas. Es leichtes Kribbeln in der Bauchgegend. Der Fahrtwind. Der Duft der Natur in der Nase. Die Geräusche der Umwelt in den Ohren. Wie oft beschrieben, der Gesang der Vögel. Das beruhigende Rauschen der Blätter mächtiger Bäume. Das Klappern des Fahrrads, wenn man über Schotter fährt. Das Knirschen und Knarzen der kleinen Steine unter den Reifen. Wie sie zur Seite weg flippen. Es gibt nichts Schöneres!

Ich wähle den Weg durch die Obsthöfe, um ins Moor zu kommen. Dort geht es über die Wirtschaftswege nach Horneburg. Ich habe alle Zeit der Welt. So mache ich am »Belmondo« eine kurze Pause. Das Lokal hat zwar offiziell noch nicht geöffnet. Aber ein Getränk kann ich dennoch erwerben. Zehn Minuten da sitzen und an gar nichts denken. Die Kühle der Limonade spüren, wie sie den Hals hinunter läuft. Das Prickeln der Kohlensäure auf der Zunge.

Zügig drehen sich die Pedale. Ich habe Rückenwind und sause über die asphaltierte Straße. Es ist noch nicht lange her, dass ich Sand unter den Rädern hatte. Aber jetzt? Die Kilometer scheinen einfach dahin zuschmelzen. Hinter Ahlerstedt fahre ich dann bis Zeven an der Hauptstraße entlang. Und in Boitzen mache ich, wie damals, als ich mit Lotte nach Wangerooge wollte, eine Pause. Die gleiche Bank. In dem Ort ist gerade Schützenfest. Ich denke, es ist der Königsempfang, der da in einiger Entfernung stattfindet. Es werden gerade Anekdoten der Würdenträger erzählt. Aber bei allem Respekt: Ich höre nicht einmal die Leute lachen. Also, so richtig lachen. Es ist stets nur eine Stimme zu hören. Recht penetrant. Durch das Mikrofon wirkt das ganze, wie ein cholerischer Marktschreier. Naja, ich will nicht zu sehr übertreiben. Ganz so schlimm ist es nicht. Aber schön auch nicht.

Blog 2

Es ist halb zwei, als ich in Zeven, auf den Parkplätzen der Firma »Lisega« ankomme. Es ist die Hölle los. Unzählige Menschen haben sich hier eingefunden. Eine Gruppe Akkordeonspieler sorgt für die musikalische Untermalung. Um Bier- und Bratwurstbuden herrscht belebtes Treiben. Ich suche den Oldtimer der Feuerwehr Steinkirchen. Ein liebevoll restaurierter Opel Blitz. Mit den Worten »Ich dachte, du wolltest bei uns mit?« werde ich begrüßt. Habe ich so zwar nie gesagt. Aber okay. Nein, Dieter lenkt ein. Er wusste, dass ich wenn mit dem Fahrrad angefahren komme. Ob ich das denn wirklich durchgezogen habe, fragt er. Oder ob das Auto nicht doch drei Straßen weiter parkt. Ein schelmisches Grinsen huscht über sein Gesicht, als ich versichere, dass ich wirklich geradelt bin. Schnell noch den anderen beiden »Hallo« gesagt, dann geht es los. Erst einmal an die Buden. Ich habe Hunger. Durst sowieso.

Weiter geht es weiter mit einer Runde über das Gelände. Hier geguckt, da geschaut. Hier gestutzt, da gestaunt. Habe ich die Absicht gehabt Kontakte zu sammeln, was mögliche Brautwagen betrifft, stehe ich aber ziemlich einsam zwischen den Fahrzeugen. Sinnbildlich. Im Grunde tobt um mich herum das Leben. Aber an den Autos selber? Die Eigentümer haben lediglich laminierte Beschreibungen in die Scheiben geklebt. Dann sind sie in der Masse zwischen den Buden verschwunden. Wie will man so die Leute finden und Fragen stellen? Einzig bei einem Opel Kapitän, der mein Interesse geweckt hat, sitzt auch tatsächlich der Besitzer. Er fachsimpelt gerade mit einem anderen Herren. Wobei der Andere eher mit ihm fachsimpelt. Eigentlich quatscht er ihn nur tot. Ich habe Zeit und stehe gute zwei Meter daneben und beobachte das Schauspiel.

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Der Fahrzeughalter bemerkt mich und unterbricht sein Gegenüber. Ich hingegen fordere, dass das Gespräch doch erst beendet werden solle. Ich hätte schließlich Zeit. So ergießt sich ein weiterer Wortschwall über den älteren Mann. Ehe der Quasselkopf ein weiteres Mal unterbrochen wird. Nun sei ich an der Reihe, heißt es. So stelle ich meine Fragen, die allesamt mit »Nein« beantwortet werden. Worauf der Geschichtenerzähler seine Börse zuckt und mir doch ziemlich forsch eine Visitenkarte in die Hand drückt Er hätte einen größeren Fuhrpark und ich könne mich bei ihm melden. Dann widmet er sich wieder dem Besitzer des Opel Kapitäns zu und quatscht in einer Tour. Ich glaube ja, der wollte mich nur loswerden, dass er weiter tratschen kann.

Nach etwas mehr als einer Stunde habe ich dann keine Lust mehr. Es ist mal interessant gewesen, so ein Treffen zu besuchen. Aber ob das jetzt so mein Ding ist, wage ich zu bezweifeln. Ich verabschiede mich von den Steinkirchenern und schwinge mich wieder in den Sattel. Auf dem Rückweg gelange ich dann wieder durch Kleinstdörfer, von denen ich zuvor noch nie etwas gehört habe. »Marschhorst« oder »Rüspel« sind zwei davon. Die Wege durch die Wälder hindurch machen wirklich Spaß. Erst kurz vor Bliedersdorf gelange ich wieder auf die Route, die ich bereits am Morgen gefahren bin.

Aber nicht lange. Ich biege Richtung Ruschwedel ab. Ich möchte nicht den restlichen Weg fahren, den ich heute schon einmal gesehen habe. Auch würd eich sonst das Ziel einhundert Kilometer verpassen ich müsste dann vor der Haustüre noch umherfahren, um es zu erreichen. Dass ich es nun auf diesem Weg mache, ist auch etwas meiner Blödheit geschuldet. Ich verpasse den Abzweig, der mich zur Hauptstraße bringt. Genau genommen habe ich totel die Orientierung verloren. Aus einer Seitenstraße kommen mir Radler entgegen. Ob man dort durchkommt, oder ob es eine Sackgasse ist, frage ich. Nein, man kann dort fahren. Großartig! Also drauf los.

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Auf der linken Seite tauchen dann Fabrikgebäude auf. Moment! Das ist doch Eisbär-Eis. Du bist … echt jetzt? – Ich bin in Apensen gelandet. Dezenter Umweg, ja. Aber doch nicht über Apensen. Immerhin kann ich jetzt mit Sicherheit sagen, dass ich die einhundert Kilometer heute schaffe. Wo komme ich denn nun im Ort heraus? Von dieser Seite bin ich noch nie in das Dorf gefahren. Ach schau, da beginnen die Siedlungen und hier … hier ist der Schießstand. Hier ist der Schießstand?! Wie geil! Aber nun muss ich nach Horneburg gelangen. Von Apensen nicht die schönste Strecke. Es gibt keinen Radweg. Ich könnte durch den Wald nach Neukloster. Aber noch weiter ausholen? Nein. Fahr die fünf Kilometer eben an der Hauptstraße. In Horneburg geht es dann direkt zum Festplatz. Einmal noch pausieren. Noch eine Bratwurst mit Pommes verhaften.

Blog 6

Quelle: Runtastic.com

Fahrstrecke: 107,01 km
Höhenmeter: 307 m
Zeit: 6:12 h
D.-geschw.: 17,24 km/h

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