Ohne Verspätung geht es nicht …

21.07.2018

Zeit kann gnadenlos sein. Sekunden können sich wie Stunden anfühlen. Man denkt, man kommt und ist nicht weiter. Dann blickt man auf sein bisher Geleistetes und sieht sich bestätigt. So ist es auch heute wieder. Ich laufe durch das Haus und sammel die Utensilien zusammen, die ich bisher noch nicht bedacht habe. Da ich durchaus chaotisch sein kann, mündet vieles in einer kleinen Suchodyssee. Ist nicht mehr wie in Kindertagen, dass man zu Mutti lief und meinte, dass dies oder das weg sei. Und auf die Frage, ob man schon gesucht hätte, geantwortet hat, dass es weg sei. Dann ist Mutti losgelaufen und stand keine Minute später vor einem, mit dem Ding, was man als weg bezeichnete.

Die Sirenen heulen. Nicht das auch noch, schießt es mir durch den Kopf. Ich blicke auf die Uhr. Oh, Gott sei Dank! Es ist nur Mittag. Die Probeauslösung. Moment! Es ist Mittag? Aaah! Lotte steht hinter mir und möchte raus. Überhaupt ist sie merklich unruhig heute. Logisch. Auch sie weiß, dass etwas nicht normal läuft. Dass es losgeht und sie mit möchte.

Anderthalb Stunden später ist es dann endlich so weit. Ich bin unterwegs. Der Anhänger rumpelt über die Straße. Der Hund mit seinem Rucksack läuft voraus. Es ist noch kein Kilometer gelaufen, da geht mir der Handwagen bereits auf den Keks. Ich ziehe ihn. Das macht sich in den Handflächen bemerkbar. Wie soll ich so die nächsten elf Tage durchstehen? Was wären die Alternativen? Ein Rucksack von der Größe, den ich nicht habe. Ein bedeutender Teil der Ausrüstung müsste dann zu Hause bleiben. Kein Schreiben von unterwegs. Und sonst? Entweder schmerzende Handflächen oder aber Rücken. – Nimm die Handflächen, denke ich und trotte weiter.

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Auf dem Lühedeich in Guderhandviertel läd sich Lotte dann spontan selbst zu einer Grillfete ein. Das passiert, wenn man ohne Leine läuft und den Hund Hund sein lässt. Es folgen einige Worte mit den Leuten unter dem Carport. Man bietet mir sogar etwas an. Aber da ich gerade erst unterwegs bin und wirklich erst einmal einige Kilometer schaffen möchte, lehne ich dankend ab. Also Lotte zwischen den vielen Beinen heraus geholt und weiter.

Ich treffe auf einen Vater, der mit seiner Tochter, die mit einem Laufrad unterwegs ist. Er selber trägt einen Rucksack. Erst überhole ich ihn, dann er wieder mich. An der Kreuzung zur Dollerner Chaussee steht dann eine Frau mit einem Jungen. Es stellt sich heraus, dass die Vier zusammen gehören. Sie seien auf einer Wandertour von Hamburg nach Bremen. Sie machen immer am Wochenende einige Kilometer, ehe sie mit der Bahn dann wieder heimwärts fahren. Ziemlich anstrengend denke ich mir im Stillen. Immer nur einige wenige Kilometer und dann hin, sowie zurück in der Bahn hocken. Sie selber rechnen mit gut zehn Wochenenden, die sie unterwegs sein werden. Das wäre nichts für mich. Es ist wie ein Buch zu lesen und nach einer Seite hört man auf und wartet dann eine Woche, um die nächste zu lesen. Oder ein Film, den man nach fünf Minuten aus macht, um dann sieben Tage für die nächsten fünf Minuten zu warten. Am nächsten Abzweig frage ich sie, wie sie denn nach Horneburg zum Bahnhof gehen möchten. Man deutet auf die Dorfstraße. Ich deute Richtung Wirtschaftsweg. Er sei idyllischer. Man lehnt ab. Man wolle einen bestimmten Wanderweg gehen, der halt an der Dorfstraße entlangführt. So trennen sich unsere Wege.

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In der Siedlung hinter zu werde ich von einem älteren Herrn angefahren, warum ich meinen Hund quälen würde. Die Hitze und dann der »schwere« Rucksack auf Lottes Rücken. Ein Utensil, das ich eigentlich mehr als Eyecatcher angeschafft habe. Ähnlich, wie der Anhänger, den ich letztes Jahr auf der Deutschland/Tschechien-Tour dabei hatte. Um die Blicke auf mich zu ziehen. Um mit Leuten ins Gespräch zu kommen. Das ist nun die Kehrseite der Medaille. Auch mit solchen Figuren muss man sich dann auseinandersetzen. Dieser Typ rennt bestimmt auch hinter seinem Enkelkind hinterher und hebt es über das Hindernis, weil Klettern zu gefährlich sei. Und am Ende hat er einen Angstkomplex zu verantworten. Es folgen einige Wortwechsel, ehe ich weiterziehen kann.

Keine Stunde später sitzt Lotte dann im Brack und kühlt sich ausgiebig ab. Ich selber setze mich auf die Bank und gönne mir die erste wirklich feste Nahrung des heutigen Tages. Dabei ist es schon Kaffeezeit. Gut eine Stunde sitze ich hier und schaue den Enten und Blesshühnern auf dem Wasser zu. Einige Möwen haben sich ebenfalls hier niedergelassen. Lotte liegt unter dem Tisch und döst. Es ist heute aber auch echt heiß. Es herrscht kein Luftzug. Nicht mal ein Hauch.

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Hinter Horneburg treffe ich dann auf den Außendienstler der Firma Matthies, der das Wetter für eine Radtour nutzt. Auch ihm läuft das Wasser in Sturzbächen von der Stirn. Schön zu wissen, dass ich nicht alleine damit bin. Mit dem Gucken habe ich Probleme. Irgendwie scheint die Salzkonzentration heute besonders hoch, dass ich teils wie ein Maulwurf über die Straße eier.

In Neukloster brüllt mich plötzlich jemand aus dem Auto an. Volker ist mit seiner Familie unterwegs und meint, dass ich sonst doch mit dem Fahrrad unterwegs sei. Nur nicht heute. Nicht diese Tour. Man muss auch mal etwas Neues wagen. Ich schlage den Weg durch den Wald Richtung Apensen ein. Keinen Kilometer später knicke ich von der asphaltierten Straße auf einen Waldweg ab. Es erscheint mir kürzer. Ich scheine die Stadt Buxtehude als solches zu umgehen und mehr möchte ich eigentlich auch nicht. Ich treffe auf einen anderen Wanderer. Wobei er eigentlich nur einen längeren Spaziergang macht. Ihm habe das Wetter so gefallen. Also ist er losgelaufen. Und jetzt aber auf dem Heimweg. Wir gehen ein kurzes gemeinsames Stück und plaudern. Von ihm bekomme ich einen Tipp, wie ich gehen könne. Also sich voneinander verabschiedet und weiter.

Langsam wird es dann auch an der Zeit, dass ich mich um einen Schlafplatz bemühen müsste. Gute anderthalb Stunden habe ich noch Sonnenlicht. Nachdem ich auch Ottensen hinter mir gelassen habe, knicke ich auf den Sandweg ein, der mich ins Estetal, nach Heimbruch hinunter führt. Unterwegs noch mit einem Pärchen gequatscht, die ihre abendliche Hunderunde drehen.

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Auf einer Grünfläche in Heimbruch darf ich dann mein Zelt aufschlagen. Einzige Bitte, ich solle kein Feuer machen. Klingt nur logisch. Bei der Trockenperiode der vergangenen Wochen. Also baue ich gemächlich mein Lager auf. Als ich damit fertig bin, sitze ich in meinem Campingstuhl und gebe Meldung an zu Hause. Mein ganzer Körper klebt. Am schlimmsten finde ich jedoch das Gesicht und den Kopf als Ganzes. Ich habe zwar einen gewissen Frischwasservorrat dabei, aber den zum Kopfwaschen verbrauchen? Ungerne. Ich habe doch aber das klare Wasser der Este. Ja! Den Falteimer geschnappt und ran ans Flussufer.

Es gipfelt fest darin, dass ich ganz im Gewässer liege. Die Böschung ist recht matschig und dadurch rutschig. Nur im letzten Moment bekomme ich Halt. Lotte eiert um mich herum und freut sich einen Keks, dass das Herrchen da so am Rumzappeln ist. In der Abenddämmerung liege ich dann geschafft auf der Luftmatratze und versuche eine Mütze Schlaf zu bekommen. Es war ein wahnsinniger erster Tag. Mal schauen, was Morgen kommt!

Laufstrecke: 22,80 km
Zeit: 5:15 h
D.-geschw.: 4,43 km/h

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2 Gedanken zu “Ohne Verspätung geht es nicht …

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