Kletten, eine Wespe, eine Personensuche und Blasen

22.07.2018

Kaum bin ich in den frühen Morgenstunden mit Lotte aus dem Zelt gekrabbelt, bekommt der Hund einen Rappel und spurtet davon. Toll! In der Fremde der Hund weg. Besser kann ein Tag nicht beginnen. Habe ich dedacht. Ein zwei Mal Rufen und Lotte ist wieder da. Mit einer gigantischen Überraschung. Die blöde Nuss hat den dicksten und größten Klettenbusch gefunden, der da in der Gegend steht, und ist da durch. Übersät mit kleinen grünen Punkten. Ja, geil! Also erst einmal Kletten pulen. Die fransigen Ohrenhaare haben dabei das Meiste abbekommen. Tiefe Gräben durchziehen meine Stirn, während ich vorsichtig die Mitbringsel aus dem Fell zupfe.

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Nach einigen Minuten denke ich, dass das für den Anfang reicht, und widme mich dem Zusammenräumen des Gepäcks. Da springt Lotte plötzlich, wie eine Furie über die Wiese. Was ist denn jetzt wieder los? Ich hinter dem Hund hinter her. Sie hat jetzt etwas Gelbes im Fell hängen. Als ich näher herankomme, erkenne ich eine Wespe, die sich im Fell verfangen hat und fleißig mit ihrem Stachel zusticht. Bis dieses Vieh raus ist, bekommt der Hund noch einige Male sein Fett weg. Ein gebrauchter Tag für den Hund.

Als ich dann alles zusammen habe, entdecke ich, dass Lottes linkes Auge ganz dick geworden ist. Sie sitzt im Gras und hält das Lied geschlossen. Blinzelt vereinzelt. Was machst du jetzt, frage ich mich. Es ist Sonntag. Wie jetzt zum Tierarzt? Du bist sonst wo. Wo ist überhaupt ein Tierarzt? Reise abbrechen? Wegen einer Wespe? Das ist alles ganz große Grütze. Beobachte erst einmal, denke ich schließlich. Wenn es schlimmer wird, kann ich immer noch die Reißleine ziehen. Also rauf auf die Straße.

Ich verlasse Heimbruch und wander über Pippensen südlich von Buxtehude in Richtung Elstorf. Anfänglich über asphaltierte Wirtschaftswege. Es ist wirklich schön hier. Die weiten Felder. Die Traktoren, die in einiger Entfernung herum stauben. Ein Problem stellt aber die Sonne dar. Sie ballert vom Firmament, dass ich mir abermals Sorgen um meinen Hund mache. Trinken hier. Trinken da. Es gefällt mir nicht. Der Hund braucht ein Gewässer, dass sie einmal komplett Abkühlung bekommt.

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In Ardestorf entdecke ich schließlich eine Bank im Schatten großer Bäume. Zumindest einmal im Schatten pausieren. Der Hund legt sich sogleich einer Flunder gleich auf den Boden. Da entdecke ich den Dorfteich. Lotte also zum Aufstehen motiviert und rein ins kühle Nass. Da erblicke ich ein Melkhus mit Gestühl davor. Somit verlagere ich meine Pause dorthin. Ein Stück Kuchen und eiskalte Milch sind jetzt mein Lohn für den Kampf gegen diese Hitze. Da kommt der Hofhund. Ein junges Tier. Der sogleich Lotte zum Spielen animieren möchte. Also lasse ich die Zwei etwas toben. Von meinen Tischnachbarn erfahre ich, dass die ihren Hund mittlerweile zu Hause lassen, da der Hofhund kein Ende findet. Das merke ich dann auch nach gewisser Zeit. Lotte liegt längst wieder. Der andere animiert ununterbrochen.

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So breche ich schließlich wieder auf. Nur wenige Kilometer später, in Elstorf, mache ich erneut Pause. Ich sitze vor der örtlichen Tankstelle und gönne mir ein Erfrischungsgetränk. Von dort aus geht es durch den Rüterweg in den Wald. Und so langsam muss ich mich entscheiden. Schlage ich den Weg über den Heidschnuckenweg ein, oder doch über den Leine-Heide-Radweg? Wanderweg, oder Fahrradstraße? Der Handwagen spielt bei der Überlegung eine entscheidende Rolle. Wie ist der Wanderweg? Ist es nur ein schmaler unwegsamer Pfad? Schotterstraße? Ich komme an der Straße heraus, über die man nach Tötensen gelangt. Dem Tötensen, wo Dieter Bohlen wohnt.

Ich entscheide mich für den Fahrradweg. Aber ich nehme die Abkürzung über den E1 Europawanderweg. Dieser bringt mich direkt auf meine Route. Es ist eine Schotterpiste, wo auch Waldfahrzeuge fahren. Ich begegne hier einer niederländischen Fernradlerin, die die Hansestadt-Tour macht und nach Buxtehude möchte. Nachdem der Weg dann deutlich an Steigung dazu gewonnen hat, gelange ich schließlich auf den Fahrradweg. Mitten im Wald verläuft eine schiere Asphaltstraße. Geil! Kein Riss. Kein Schlagloch. Nichts. Glatt, wie ein Kinderarsch. Zumindest hier. Das ändert sich später noch etwas. Aber wirklich schlimm ist es nirgends. Unzählige Fahrradfahrer sind an diesem Sonntag unterwegs. Und ein BMW.

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Aus der Entfernung kann ich Scheinwerfer im Wald erkennen. Neben mir hält der Wagen. Ob ich eine weißhaarige Frau gesehen hätte. Ich verneine. Sie sei ausgebüxt und dement. Klasse Voraussetzungen für einen Spaziergang alleine im Wald, denke ich. Wie lange sei sie denn weg, frage ich. Zwei Stunden ist die Antwort. Ob die örtlichen Hilfsorganisationen bescheid wissen, frage ich weiter. Wieder »Nein«. Das ist jetzt aber ambitioniert, denke ich. Man erklärt, dass diese Frau gut zu Fuß sei. Sie sei am Küchenfenster vorbei gegangen, und als der Ehemann hinterher ist, war sie schon weg. In zwei Stunden kann man dann aber auch mal zehn Kilometer schaffen, sage ich. Sie muss sich ja nicht an die Wege halten. Dass eine Benachrichtigung der Hilfsorganistionen ratsam wäre. Ich lasse mir die Telefonnummern der beteiligten Personen geben und halte in der Folgezeit die Augen offen. Ob die Feuerwehr, oder ähnliche Kräfte noch mithelfen, kann ich aber nicht sagen. Finden tue ich auch niemanden, der auf die Beschreibung weiblich, weiße Haare passt.

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Was mir auffällt, während ich da so durch den Wald schlender, ist, dass meine Füße immer mehr schmerzen. Also klopfe ich die kleinen Steinchen und den Sand aus. Die Schmerzen bleiben. Dann hast du dir bestimmt Blasen gelaufen, denke ich. In Buchholz Steinbeck halte ich schließlich am Hotel »Zur Eiche« an. Eigentlich wollte ich nur mal ein kaltes Bier trinken. Ein Essen wird es. Ob ich im Hinterhof mein Zelt aufschlagen dürfe, frage ich. Ja, bekomme ich als Antwort. Alles richtig gemacht denke ich und ziehe mich schließlich auf meine Grünfläche zurück und werfe einen Blick auf Lottes Auge, das über den Tag wieder abgeschwollen ist. Anschließend widme ich mich meiner lädierten Füße.

Laufstrecke: 25,69 km
Zeit: 5:45 h
D.-geschw.: 4,71 km/h

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