Ich bin zu schnell!

28.07.2018

Herrlich! Das Wasser ist so herrlich kalt! Man möchte sich glatt hineinlegen. Dumm nur, dass das Becken bereits durch meinen Hintern völlig ausgefüllt wäre. Ich wasche mich mit Grundwasser. In dem kleinen Gartenschuppen befindet sich ein Grundwasserbrunnen. Mal etwas anderes. Der Garten selbst macht gar nicht mehr den Eindruck, als sei am Vorabend hier eine Fete gewesen. Nahezu alles ist wohl in der Nacht schon weggeräumt worden. Die Partygarnituren sind das einzige Überbleibsel.

Gerade bin ich dabei mein Gepäck wieder zusammen zupacken, betreten meine Gastgeber den Garten. Ob ich mitfrühstücken möchte. Ich willige ein. Schnell noch den Schlafsack zum Auslüften ausgelegt. Vom Ende der Gartenparty habe ich überhaupt nichts mitbekommen. Es sei aber nicht leise gewesen. Dann war ich wohl besonders platt. Ich habe geschlafen, wie ein Stein.

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Während ich jetzt zügig meine Sachen zusammenpacke, werde ich, wie am Vorabend, beim Aufbauen von den beiden Ziegen im Gehege beäugt. Ganz schöne Klugscheißer die Zwei. Ziemlich vorlaut kommentieren sie mein Treiben. Vom Wesen her sind die Beiden aber herzensgut. Einmal am Nacken gekrault, blicken sie zum Boden und genießen die Streicheleinheiten. Dann denke ich, dass einer der heruntergefallenen Äpfel etwas für sie wäre. Leider entpuppt sich der Bock seiner Dame gegenüber als ziemliches Arschloch. Warum das? Er gönnt ihr ihren Apel nicht und stößt sie mit dem Kopf nicht nur ein Mal in die Seite.

Auf der Straße habe ich heute anfänglich etwas mehr mit meinen Füßen zu kämpfen. Besonders in den ersten ein zwei Kilometern. Später geht es dann wieder. Musik auf die Ohren und den Kopf ausgeschaltet. Einen Schritt nach dem Anderen. Immer geradeaus. Es wirkt heute so, als würde es nicht ganz so heiß werden. Die Suppe läuft dennoch. Kilometer um Kilometer komme ich dichter an Apensen heran. Das erste große Zwischenziel für heute. An der Kirche gönne ich mir dann die wohlverdiente Pause. Ich habe das Bergfest bereits hinter mir. Das Navi zeigt noch sieben Kilometer für mich heute. Ich wäre in den frühen Nachmittagsstunden bereits in Horneburg.

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Wie ätzend. Das geht mir dann doch zu schnell. Sicher könnte ich dann die Füße länger schonen. Aber bereits zur Kaffeezeit bei meiner Unterkunft sein? Zur Erklärung: Ich habe bereits am Vorabend beim Stefan angefragt, ob man ein Plätzchen im Garten frei hat. Somit war der Punkt abgehakt. Aber schon so früh dort ankommen? Außerdem würde ich ein Stück an der Route entlang laufen, die ich auf dem Hinweg Richtung Lüneburger Heide beschritten habe. Nein. Nichts doppelt bewandern. Wie langweilig. Lauf den Weg, den du einige Wochen zuvor mehr durch Zufall mit dem Fahrrad befahren hast. Wo du eigentlich nicht mehr ganz bis Apensen wolltest, aber doch hier gelandet bist. Ja, lauf über Ruschwedel.

Nach dem ganzen Hauptstraßengelaufe nochmal eine nette, ruhigere Alternative. Außerdem hat die Straße von Apensen nach Horneburg keinen Radweg. Den Weg durch den Wald nach Neukloster führt mich, wie geschrieben, an Teilabschnitte meiner Hintour vorbei. So ist es schon gut. Zwar wird der Weg im späteren Verlauf noch einmal rumpelig, weil ich einen Abzweig nehme, den ich mit dem Fahrrad damals nicht genommen habe, aber das ist mir in dem Moment egal.

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Hinter Ruschwedel beschreite ich dann wieder einen Radweg, der an der Straße gen Bliedersdorf verläuft. In meinem Rücken ziehen dunkle Wolken auf und ein gewisser Groll durchzieht die Luft. Der Wind nimmt zu. Die Vöglein sind verstummt. Das gibt gleich einen, denke ich. Durchgeschwitzt, wie ich bin, grübel ich anfänglich: Lässt du dich durchregnen? Eine natürliche Abkühlung? Ziehst du Regenklamotten an? Immer lauter wird das Grollen hinter mir. Der Wind nimmt zu und die Temperaturen sind ziemlich schnell gefallen. Es ist regelercht kalt geworden an den Armen. Am ganzen Körper. Unangenehm. Dann noch nass regnen lassen?

Just in dem Moment, wo die ersten Tropfen vom Himmel fallen, betrete ich die Veranda vom Lindenkrug. Dicke Tropfen prasseln auf die Straße. Und ich habe ein Dach über dem Kopf. Glück gehabt. Alles richtig gemacht. Dann gönn dir eine Pause, bis der Regen aufhört. Niemand hat gesagt, dass es sich ziemlich einregnet. Dem anfänglichen Donnerwetter folgt ein gleichmäßiger Rauerregen. Der Teller ist längst leer und eigentlich möchte ich die letzten paar Kilometer nach Horneburg in Angriff nehmen. Alleine bin ich auf der Veranda die ganze Zeit nicht. Der Wirt und seine Belegschaft genießen dort die Ruhe vor dem abendlichen Gästesturm. Zwar ist im Saal weiter hinten ein Geburtstag, aber da ist das ›Schlimmste‹ durch.

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Die Wirtin ist so angetan von meinem Vorhaben, dass sie gerne mitkommen würde. Ob ihr Feldbett auf meinen Anhänger passe. Ich verneine. Die Dinger sind schwer. Wer mitmöchte, muss seinen Kram selber schleppen, oder eben rollern. Also gehe ich alleine weiter. Ohne Karte, das noch zusätzlich, nach Wacken laufen, hat auch keinen wirklichen Reiz. So tingel ich, nachdem sich die Wetterlage beruhigt hat, alleine weiter. Aber nicht um vorher noch etwas vom Kuchen abzubekommen, der bei der Geburtstagsfeier übrig geblieben ist. Danke nochmal dafür.

Der Regen hat dann auch dafür gesorgt, dass ich zu gewohnter Zeit an meinem Ziel eintreffe. Unterwegs treffe ich noch Viola, die mit ihrem Kind eine Runde dreht. Anfänglich etwas verstört, was ich in dieser Ecke wolle. Das Ziel liege ja schließlich ganz woanders auf der Karte. So erkläre ich, was ich dieser Tage so manches Mal mache, dass der Weg von zu Hause nach Wacken selbst zu unspektakulär sei. Also einen Umweg gelaufen.

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Schließlich in Horneburg angekommen, brauche ich das Zelt nicht aufbauen. Ich kann im Haus übernachten. Einmal nicht das Zelt aufbauen. Hat auch etwas. Das Sofa selbst ist für mich zwar zu kurz, das ist mir aber egal. Ich habe ja alles dabei. Also Schlafsack und Luftmatratze raus. Auch den Rechner packe ich aus. Vielleicht schaffe ich es später, die Gedanken mal etwas zu beruhigen und einen Tagesbericht zu schreiben.

Am frühen Abend setze ich mich ins Belmondo und gönne mir eine weitere, nicht selbst zubereitete Mahlzeit. Etwas ärgert es mich zwar, aber eine Belohnung muss auch mal sein. Ich bin insgesamt den sechsten Tag auf der Straße. In dieser Zeit habe ich es zusammengezählt auf einhundertvierzig gebracht. Da kann man sich dann auch mal den Magen zwei Mal in einer Wirtschaft vollstopfen. Darüber hinaus bin ich mit den täglichen Ausgaben mehr als zufrieden. Was mir auf dem Fahrrad nie wirklich gelungen ist, schaffe ich auf meinem Fußmarsch. Daher ist ein Ausreißer in den Tagesausgaben durchaus vertretbar.

Laufstrecke: 21,73 km
Zeit: 5:06 h
D.-geschw.: 4,29 km/h

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