So spät bin ich noch nie gestartet.

29.07.2018

Am Vorabend habe ich nicht ein Wort mehr in den Rechner gehackt. Und jetzt? Ich bekomme einfach keinen klaren Gedanken. Die Motivation zum weiter laufen ist ebenfalls im Keller. Gegessen habe ich auch noch nichts. Da meldet sich mein Telefon. Es macht pausenlos das Geräusch, wenn man es an das Ladekabel anschließt. Was ist denn jetzt los? Es verbindet immer wieder. Aufladen tut es sich nicht. Kann auch nicht. Das Kabel ist auf der einen Seite aus seinem Anschluss gezogen. Kabelbruch mit Wackelkontakt. Klasse! Wie machst du das jetzt? In zwei Stunden könntest du zu Hause sein. Willst du aber die Route über deine Heimat gehen? Äußerst ungerne. Das war es eigentlich, was ich auf diesem Abschnitt der Tour nicht mehr machen wollte. Sicher, im Vergleich zu den Vortagen, ist es nur ein Steinwurf entfernt. Aber ich sträube ich. Noch dazu kommt der Aspekt, dass dadurch ein nicht gerade kleiner Umweg dazu kommt. Klar, ich bin gestern über Ruschwedel gelaufen, was zweifelsohne keine Abkürzung war. Aber jetzt nach Hause? Gehen? Niemals!

Blog 1

Stefan erklärt sich bereit, mich eben die Strecke zu chauffieren. Somit habe ich Zeit gewonnen und Kräfte gesparrt. Die Motivation heute loszulaufen hält sich dennoch sehr in Grenzen. Es kommt so, dass ich erst um die Kaffeezeit am Nachmittag aufbreche. Zuvor hocke ich ein weiteres Mal im Belmondo und esse zu Mittag. Anschließend geht es ins Moor. Entlang der Bahngleise Richtung Stade. Vor Dollern kommen mir Fahrradfahrer entgegen. Wir sehen uns Dienstag, ruft man mir zu. Das hätten sie so auch noch nicht gesehen. Dass da jemand zu Fuß zum Wacken Open Air unterwegs ist.

Unterhalb der Autobahnbrücke kurz vor Stade gönne ich mir nochmal eine Konserve Vitamine. Unser Postbote kommt mit seiner Frau vorbei, die gerade ihre sonntägliche Fahrradtour machen. Hier im Schatten lässt es sich gut aushalten. Ein leichter Wind zieht hindurch. In habe einfach keine Lust mehr zu laufen. Ich könnte mich hier irgendwo in die Obstplantagen werfen mit meinem Zelt. Wen soll das hier stören? Letztendlich rollen die Räder meines Handwagens weiter. Laufen meine Füße Schritt für Schritt. Meter für Meter. Entlang der Hauptstraße. Einer viel befahrenen Hauptstraße. Eigentlich ist es die Hauptverkehrsader von Stade in Richtung Kehdingen. Ein wenig vermisse ich die Abgeschiedenheit der Heidewege. Den Sand vermisse ich dagegen nicht. Aber die Ruhe.

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Knapp einen Kilometer hinter dem Schwingesperrwerk hat mein Navi dann aber nochmal eine Überraschung für mich parat. Ich entdecke einen Wegweiser des Elberadwegs. So lande ich dann doch nochmal auf einem ruhigeren Abschnitt. Ich schaue über den Deich, ob man auf der anderen Seite campieren könnte. Nein. Es ist so verwachsen, dass ein Aufbau hier nicht das Wahre wäre. Lauf bis Bützfleth und versuche das, was du die ganze Zeit schon gemacht hast. FRag, ob jemand einen Platz im Garten für dich hat.

Im ›Deutschen Haus‹ frage ich beim Wirt. Er meint, ich könne Richtung Hafen gehen. Dort sei zwar eien Flüchtlingsunterkunft, die seien aber umgänglich. Letztlich entscheide ich mich aber gegen den Vorschlag. Ich habe doch Facebook. Ich kenne hier doch Leute. Vielleicht bekomme ich dort Platz für mein Nachtlager? Ich habe Glück. Gleich der Erste, der Thomas hat nichts gegen einen Camper in seinem Garten einzuwenden. Schon gar nicht bei einem alten Bekannten. Ich habe ihn einst bei den Winterwettkämpfen unserer Schützenmannschaften kennengelernt. Es gipfelte darin, dass wir zwei mal zum Fußball gefahren sind. ›Seine‹ Borussia aus Mönchengladbach gegen ›meine‹ Borussia aus Dortmund. Wann ich denn da sei, fragt er. In fünf Minuten, ist die die Antwort. Vor allem als ich auf dem Navi sehe, dass sein Haus gerade einmal einen Steinwurf vom Wirtshaus entfernt ist. Glück braucht der Mensch.

Blog 3

Und mein Gastgeber meint es wirklich gut mit mir. Er hätte den Grill noch heiß. Ob ich etwas essen möchte? Was ich denn essen möchte? Welche Menge? Etwas trinken? Was denn? Es prasselt so manche Frage auf mich ein. Anfänglich bin ich doch etwas überfahren. Aber nicht falsch verstehen. Es ist schön. Darüber hinaus gibt es ja noch viel mehr zu bequatschen. Ist die letzte Begegnung doch schon länger her. So sitzen wir bis spät in den Abend auf seiner Terrasse. Bei Bratwurst, Fleisch und Bier. Anfänglich noch zusammen mit seiner Jessica. Später dann alleine. Mit einer schweren Plauze krabbel ich schließlich in mein Zelt. Die Gedanken kreisen heute um das, was noch vor mir liegt. Ich hatte eigentlich eine Verabredung in Drochtersen. Drochtersen habe ich Morgen aber in knapp zwei Stunden erreicht. Es wird Montag sein. Mittwoch Mittag möchte ich Wacken erreichen. Ich muss die Etappen noch einmal überdenken. So schlafe ich mit einem qualmenden Kopf ein.

Laufstrecke: 20,43 km
Zeit: 4:26 h
D.-geschw.: 4,80 km/h

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