Ziel erreicht! Wacken! … Äh … WACKÖÖÖÖÖN!!!

01.08.2018

Es ist der zehnte Tag. Die zehnte Etappe. Heute ist der Tag, an dem ich mein Ziel erreichen werde. Dann folgen drei Tage Krawall für die Ohren. Sarkasmus … Sarkasmus ist ganz wichtig. Wer keinen Sarkasmus beim WOA versteht, der ist quasi verloren. Der Level hier ist so unfassbar hoch, dass es fast schon das Schlaraffenland für bissige Bemerkungen ist. Und noch besser: Niemand ist am Ende beleidigt.

Nachdem ich bei meinem Gastgeber noch zwei Artikel für meinen Blog hochladen durfte, geht es ein letztes Mal auf die Straße. Keine zehn Kilometer mehr, so versichert mir Lothar. Ja, dann … auf, auf! Vielleicht trifft man sich die Tage dort. Zumindest möchte er mit seiner Familie auch mal vorbei schauen. Sandra ist ja sowieso zugegen. So als Pressesprecherin der Polizei.

Ein letztes Mal die Kopfhörer eingestöpselt. Mucke aufgerissen und einen Fuß vor den anderen gesetzt. Viel passiert hier dann nicht mehr. Ich hatte etwas anders erwartet. Mehr Verkehr auf der Straße. Nicht hier. Diese Straße kann man fast schon als Geheimtipp betrachten. Man kürzt zur Hauptanreisezeit fast die Hälfte der Wegführung der Anreisenden ab. Da das Groh von der Autobahn kommt und um Wacken herumgeführt wird. Wenn mich fünf Autos mit der Signatur ›WOA‹ auf diesem Abschnitt überholen, dann ist das echt viel. Wie gesagt: Geheimtipp.

In Vaale mache ich dann doch noch einen Fehler. Ich falle in das Herdendenken zurück und folge den Autos, die an der Kreuzung, aus meiner Sicht nach links fahren. Wenige hundert Meter später schlage ich mir vor die Stirn. Ich bin doch doof. Warum laufe ich wie ein Schaf der Herde hinterher? Ich bin zu Fuß. Ich habe doch fast Narrenfreiheit. Also zurück und dem Verkehrsstrom entgegengelaufen. Und dann taucht sie auf. Die Ortsgrenze von Wacken. Ich finde sogar ein Ortsschild. Wohl eines der Letzten, die man vorsorglich nicht abmontiert hat. Ich kann also ein Foto machen. Diesen Gedanken sollte ich im Vorwege begraben, so sagte man mir. Falsch gedacht. Glück muss der Mensch haben.

Blog 1

Auf der linken Straßenseite erscheint ein Haus, wovor eine Bank steht. Ein älterer Herr sitzt dort und beobachtet die vorbeifahrenden Autos. Sein Sohn, so vermute ich mal, zumindest sind da doch Ähnlichkeiten zu erkennen, steht neben ihm. Kräftige Figur, Rauschebart, schwarzes T-Shirt, Bier in der Hand. Doch, ja, hier bist du richtig, denke ich. Vor allem kommt mir bei dem Anblick eine Geschichte in den Kopf, den mir mein Kumpel mal erzählt hat. Auch er war mit seinen Leuten hier, als ein etwas angetrunkener Kerl sie ansprach. Ob sie seinen Kumpel gesehen hätten. Wie er aussehe? Lange Haare, Bart, schwarzes Shirt und Bier in der Hand. Eine Personenbeschreibung, die auf fast neunzig Prozent der Anwesenden zutrifft. Naja, ganz so hoch ist die Quote wohl nicht. Aber fernab ist diese Einschätzung bestimmt nicht.

Kaum habe ich die Verkehrsumleitung gepaart mit der Absperrung hinter mir gelassen, macht sich dann doch Euphorie in mir breit. Ich habe es geschafft. Ich bin zu Fuß nach Wacken gelaufen. Und dabei nicht mal den direkten Weg. Weil er mir zu langweilig erschien. Ich bin so bekloppt gewesen und bin über die Lüneburger Heide gepilgert. Ich brauche ein Getränk. Kalt muss es sein und nach etwas schmecken sollte es. Also auf zur nächsten Bierbude. Unterwegs erreicht mich die Nachricht, dass der Torbo mit seiner Freundin in Wischhafen an der Fähre steht. Heißt für mich, dass ich alle Zeit der Welt habe. Noch ein Bier, bitte!

Als die Meldung kommt, dass man auf dieser Elbseite ist, ist es für mich das Signal mich in Richtung des Campingareals zu bewegen. Doch kaum schlender ich über die belebte Hauptstraße, höre ich meinen Namen. Ich schau mich um und entdecke die Fahrradfahrer vom vergangenen Sonntag, die mich in Dollern angesprochen haben. Ey, hier sind fast achtzigtausend Seelen unterwegs und gefühlt, keine fünf Minuten meiner Ankunft treffe ich dann die ersten Leute wieder. Kaum bin ich auf dem Gelände, ruft der Nächste. Was ist denn hier los? Wie kann das sein? Es ist Wilko? Ich glaube, dass sein Name Wilko ist. Ich und Namen. Schande über mich. Ihn habe ich im Vorjahr kennengelernt. Und nochmal zur Erinnerung: Ich bin gefühlt erst fünf Minuten hier. Alle irre hier. Die Begrüßung fällt herzlich aus. Man knallt sich ein paar Sprüche an den Kopf, lacht und schlendert etwas gemeinsam über den Platz.

Da spricht uns eine junge Dame an. Das Fernsehen. Man sei hier und möchte die familiäre Atmosphäre einfangen. Aus der Menge ruft einer, dass ich zu Fuß hier sei. Da ist das Familiending plötzlich egal. Plötzlich habe ich ein Mikrofon vor der Nase und soll erzählen. Wo ich herkomme? Wie weit ich gelaufen bin? Warum zu Fuß? Warum der Umweg? Kurz um, es werden einige Fragen gestellt.

An dieser Stelle muss ich einmal aus meiner Erzählung ausbrechen. Ich habe, als ich wieder zu Hause war, einen Tipp bekommen, dass ich es bis in den Beitrag geschafft habe. Also habe ich die Mediathek des Senders durchforstet. Ich konnte sogar Kontakt zu dem Mädel herstellen. Ich habe nach dem ganzen Interview gefragt. Ob ich das Material bekommen könne? Ich habe nach der rechtlichen Lage gefragt, ob ich das Material auf meiner Facebookseite hochladen dürfe und dass es nicht meine Absicht ist, mit dem Interview Geld zu verdienen. Ich möchte es nur zeigen dürfen. Bedauerlicherweise habe ich seitdem nie eine weitere Antwort bekommen. Dabei heißt es doch im Sesamstraßen-Lied: Wer nicht fragt, bleibt dumm. So ganz stimmt das nicht. Wer keine Antwort bekommt, wird auch nicht schlauer.. Aber zurück zur Erzählung:

Ich greife mir einen Ordner mit Funkgerät. In welchen Abschnitten man gerade die Fahrzeuge auf das Campingareal lässt. ›Q‹? Alles klar. Das ist ja gleich hier. Also warte ich und gebe die Information an den Torbo weiter. Aber irgendwie scheint da etwas komisch. Ich greife mir einen anderen Ordner. Von ihm erfahre ich, dass die Plätze ›S‹ und ›T‹ ebenfalls angefahren werden. Toll, denke ich. Wie will ich das denn nun machen? Die Lösung? Ich halte mich in etwa der Mitte der jeweiligen Stellplätze auf. So muss Torbo mir am Ende nur sagen, wo er nun drauf gelotst wurde.

Da ertönt die nächste Stimme hinter mir. Der Herr vom Fähranleger. Haben die sich alle abgesprochen? Wie kann es sein, dass ich allen gleich am ersten Tag wieder begegne? Das ist doch verrückt! Plötzlich vibriert das Hosenbein. Ja! Länger! Herrlich! Oh, ich muss rangehen, sonst übernimmt das die Sprachbox. Ich muss auf Parkplatz ›S‹? Alles klar! Ich bin gleich da! Und so endet meine Pilgerreise zum Wacken Open Air. Knappe zweihundertzwanzig Kilometer habe ich in den zehn Tagen hinter mir gelassen. Ich bin gespannt, was im Laufe des Abends noch passiert. Aber besonders, was in den kommenden drei Tagen noch auf mich zu kommt!

Laufstrecke: 10,55 km
Zeit: 2:06 h
D.-geschw.: 5,12 km/h

Advertisements

Ein Gedanke zu “Ziel erreicht! Wacken! … Äh … WACKÖÖÖÖÖN!!!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s