Wo bin ich denn hier gelandet?

28.07.2019

Stimmen unweit meines Zeltes reißen mich aus meinem Schlaf. Verschwommen ist das erste Bild, das ich aus den schmalen Augenschlitzen zu erhaschen versuche. Lotte liegt auf ihrem Kissen, sämtliche Antennen auf Empfang. Dann Entwarnung. Da ruft jemand nach seinem Hund. Es klimpert eine Hundemarke an meinem Zelt vorbei. Danach kehr Ruhe ein. Mein Kopf auf meine Schlafunterlage zurück. Mein Rücken bringt mich um. Ich brauche dringend eine andere Matratze. Zum Glück bekomme ich heute, am späten Nachmittag eine.

Ich verstaue die letzten Dinge auf meinem Wagen. Muss zwischendrin immer wieder aufpassen, dass ich nicht in den Haufen meines frühmorgendlichen Besuchers trete. Ich gebe zu, dass ich es nicht immer so ganz genau mit der Beseitigung von Lottes Hinterlassenschaft bin. Aber dass ich meinen Hund auf eine Zeltwiese lasse und dann nach dessen Geschäft einfach abhaue. Das regt mich auf. Da hält am Gerätehaus der Feuerwehr ein Auto. Eine kleine Gruppe derer, die am Vorabend dort ihr Gemeinschaftsgrillen abgehalten hat, steigt aus. Ich sei ja noch gar nicht los, so deren Feststellung. So kann man sich zumindest noch einmal vernünftig verabschieden.

Bis Isensee passiert mal so gar nichts. Ich setze Fuß vor Fuß, gehe Schritt für Schritt und lasse Meter für Meter hinter mir. Abgesehen von der Hitze habe ich dieses Mal eigentlich fast keine Überraschung erlebt, was meinen Weg betrifft. Alles mit Schotter, oder Asphalt. So kann es dann doch auch weitergehen. Habe ich gedacht. Ja, genau! Im Örtchen Isensee soll ich nach links abbiegen und folge einem weiteren Wirtschaftsweg. So weit, so normal. Aber nach gut einem Kilometer komme ich an eine Wegkreuzung. Nach links und rechts ist Asphalt. Nach vorne hin ist ein verwachsener Feldweg. Wie soll ich nach Navi laufen? Genau. Geradeaus. Ich sträube mich und gehe nach links, gehe nach rechts. Einen besseren Weg finde ich nicht. Was mache ich jetzt? Irgendwie scheinen die Wege zur Seite auch Sackgassen zu sein. Sie führen auf Höfe. Dahinter kann ich nichts sehen. Also geradeaus.

So quäle ich mich mit dem Wagen durch die Spurrinnen, die langsam von größeren Pflanzen und Brombeeren zurückerobert werden. Ich komme kaum vorwärts. Immer wieder bleibe ich stehen und verschnaufe. Genauso oft werfe ich einen Blick auf das Navi. Der Weg soll bis zur nächsten größeren Straße vorhanden sein. – Na, ich weiß nicht. Je weiter ich komme, desto anstrengender wird. Das hohe Gras raschelt am Holz der Kiste, wenn ich den Anhänger weiter ziehe. Die kleinen, vertrockneten Zweige, die vereinzelt auf dem Boden liegen knacken und knistern unter meinen Schuhen. Erneut mache ich eine Pause. Dann nach einer größeren Buschgruppe taucht eine abgemähte Futterwiese auf. Die Heuballen stehen querbeet in der Weltgeschichte herum. Ich lasse alles stehen und gehe solo weiter. Ich möchte wissen, ob ich auch wirklich auf die Querstraße komme, oder ob mir nicht doch noch ein Graben den Weg versperrt. Nein. Ich kann durchlaufen. Hier ist es dann auch gleich viel freundlicher. Der Straßenbelag besteht aus riesigen Betonplatten. Also zurück und den Wagen geholt. Mit einem großen Kraftaufwand zerre ich den Zossen die finalen Meter über die Wiese. Endlich auf dem Weg, springen mir viereckige Erdstücke ins Auge, die man zum Trocknen an den Rand der Straße gelegt hat. Torf. Hier wird Torf gestochen. Ist ja verrückt. Das habe ich so auch noch nicht gesehen.

Als ich in Wischhafen ankomme, geht ein Telefonat an meinen Vater raus. Ich bin am Ziel und würde mir jetzt einen Ort suchen, wo man die Übergabe machen kann. Einige Zeit müsse ich mich aber gedulden, da er selber noch beschäftigt ist und nicht weiß, wann er loskommt. Egal. Ich habe Zeit. Mich hetzt nun nichts mehr. In einem Wirtshaus mitten im Dorf finde ich ein schattiges Plätchen. Lotte legt sich umgehend nieder und schläft schnell ein. Zum frühen Abend hin erscheint dann Lottes Taxi. Schnell die Habseligkeiten von ihr im Auto verstaut. Und als Gegenstück bekomme ich eine andere Schlafunterlage plus einiger weiterer Dinge, um die ich ihn gebeten habe.

Der Wagen fühlt sich glatt ein Stück leichter an, als ich auf dem Weg zur Fähre bin. Mit einem breiten Grinsen ziehe ich an all die Wartenden vorbei. Am Kiosk kurz vor dem Anleger halte ich noch einmal an. Ich komme mit einigen Leuten dort ins Gespräch. Man möchte Bilder mit mir und meinem Wagen machen. Okay, warum nicht? – Cheese!

Auf der anderen Elbseite springt mir ein Wohnanhänger auf, der mit Sicherheit auch zum Festival fährt. Das verraten all die Bildchen an der Außenwand. Ein sehr skurriles Teil. Wiedererkennungswert hat es allemal. Auf einem belebten Festivalgeländer nicht zum Nachteil. Letztendlich entscheide ich mich doch noch etwas weiter zulaufen. Was dazu führt, dass ich auf dem Hof in der Blomeschen Wildnis lande, wo ich schon im Vorjahr pausiert habe. Der Herr vom letzten Jahr, werde ich überrascht begrüßt. Ich wollte nicht vorbei ziehen, ohne auch nur einmal kurz Hallo zu sagen. Schnell wird ein weiterer Stuhl geholt, und ehe ich mich versehe, habe ich eine Flasche Bier in der Hand. Die Wohnung, wo ich im letzten Jahr geschlafen habe, hätte man unterdessen vermietet. Somit fällt eine Nächtigung dort aus.

Der Senior des Hofes meldet sich zu Wort und schlägt das Gewächshaus vor. Dort wäre Platz. Ich wirke skeptisch. Gewächshaus? Ich habe die letzten Tage so viel Hitze über mich ergehen lassen und jetzt in einem Gewächshaus schlafen? Na, ich weiß nicht. Das Argument, dass ich auf diesem Weg kein Zelt aufbauen muss, überzeugt mich dann recht schnell. Im vorderen Bereich würden außerdem Stühle und Tische stehen. Ein Kindergerüst, wo die Enkel und Urenkel toben können. Und so warm ist es hier wirklich nicht drin. Als dann auch noch Regen aufzieht, fällt die Temperatur hier drin merklich schnell. Ich selber schlafe in Windeseile ein …

Laufstrecke: 21,32 km
Höhenmeter: 10 m
Zeit: 4:29 h
D.-geschw.: 4,74 km/h

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