Plötzlich alleine

17.07.2020

Um fünf öffne ich ein erstes Mal die Augen. Nein. Viel zu früh. So drehe ich mich noch einmal um. Drei Stunden später kommt dann plötzlich Bewegung in meinen Kadaver. Ich bin viel zu spät dran. Ich muss es nach Garbsen schaffen. Mein Gastgeber hat am späteren Nachmittag einen Termin und vorher muss ich ankommen. Sonst stehe ich vor verschlossener Tür. Also los. Ich komme bis zur Terrasse. Dort hat Noemia mir Frühstück bereitet. Von den Erzählungen vom Vorabend hat sie mir eine Besonderheit neben meine Brötchen gestellt. Zuckerrübensirup.

Peter gesellt sich kurz darauf hinzu und ich vergesse die Zeit. Es wird über alles und jedes gequatscht. Kurz vor Mittag springe ich auf. Ich muss wirklich los! So schön es hier auch ist. Zügig das Zelt abgebaut und alles auf dem Wagen verstaut. Nach einer kurzen aber noch mal herzlichen Verabschiedung rumpel ich davon. Links herum, rechts herum und zack bin ich auf einem Wirtschaftsweg, der mich nach Resse bringen soll. Zumindest zur Hälfte, denn ab etwa der Mitte muss ich eine viel befahrene Straße ohne Radweg entlang laufen.

Unterwegs treffe ich auf einen älteren Herren, der seine mittägliche Runde mit dem Fahrrad dreht. Man müsse in Bewegung bleiben. Sonst verkalkt man. Ich berichte kurz von meinem Vorhaben und ernte erstaunte Blicke. Ich bekomme noch einen Tipp, wie ich ab Resse der Hauptstraße ausweichen könnte. Das verwirrt mich in diesem Moment aber, weil die Erklärungen irgendwie widersprüchlich wirken. Kann aber auch sein, dass ich schlicht zu blöd bin. Ich nicke brav und wünsche meinem Gegenüber einen guten Weg.

In Negenborn, Siedlung im Walde, werde ich von einem weiteren Herren angesprochen. Der steht an seinem Gartenzaun und betrachtet die vorbeirauschenden Autos. Er heiße Uwe. Ob ich nicht eine kurze Pause machen möchte? Ein Bier hätte er noch kalt. Mit dem Zeitdruck im Nacken sage ich dennoch zu. So sitze ich keine Minute später auf einer Bank und quatsche über vielerlei Dinge. Weltgeschehen. Meine Reise. Uwes Reisen. Unterdessen schicke ich eine Nachricht nach Garbsen, dass es später wird.

Diese verfluchte Zeit! Ich habe viel zu lange gesessen. Ich habe noch knappe zwei Stunden. Muss aber noch über zehn Kilometer laufen. Uwe hat mir einen Weg ab Resse über Wirtschaftswege erklärt. Vermutlich der gleiche Weg, den zuvor der ältere Herr abgedeutet hat. Nur dieses Mal habe ich die Erklärungen verstanden. Wie dem auch sei. Irgendwie scheint es immer so, dass, wenn ich wirklich irgendwo sein muss, bringe ich mich selbst in eine zeitliche Schieflage. Ein normal gehender würde an dieser Stelle sagen, dass ich renne. So schnell setze ich einen Fuß vor den anderen. Mein rechtes Fußgelenk findet das gar nicht schön. Jede Abrollbewegung schmerzt ungemein bis ins Schienbein hoch. Zähne zusammenbeißen und ab nach Garbsen.

Fünf Minuten vor fünf schiebe ich meinen Wagen dann auf den Hof. Knut steht schon am Balkon und schaut, wo ich bleibe. Nachdem ich im Vorwege vergeigt habe, das Haus auf Anhieb zu finden. So passiert es dann, dass ich eine schnelle Führung durch die Wohnung bekomme. Hier ist das Wohnzimmer. Gästezimmer, Bad und hier ist die Küche. Dort stehen meine Kartoffeln. Moment. Meine? Ja. Die Bratwurst ist noch im Kühlschrank. Man müsse zu den Schwiegereltern. Seid ihr denn nachher nicht zurück? Nein? Münster? Knut drückt mir den Haustürschlüssel in die Hand. Verabschiedet sich mit seiner Katharina von mir und plötzlich stehe ich alleine in einer fremden Stadt, in einer fremden Wohnung.

Die Babydecke muss ich im Vorwege wegnehmen, weil Lotte die viel interessanter, als die eigene findet. So verstreichen Minuten, viertel und halbe Stunden. Ich liege auf dem Sofa und starre regungslos an die Decke. So ganz begreifen kann ich das gerade nicht. Das kam irgendwie zu unerwartet.

Als der erste Schock dann überwunden ist und ich so langsam die Punkte abarbeite, die ich in den letzten Tagen und eben auf dem Sofa gemacht habe, darf ich einen Nachbarn kennen lernen. Was ich hier alleine im Gebäude, im Keller mache? Ich versuche, die Umstände zu erklären. Knut hat vergessen, seine Nachbarn zu informieren, dass ich hier bin. Etwas ungläubig steht der Herr vor mir. Ich versichere, dass ich mit der Situation auch noch nicht so ganz klar käme. Weitere Fragen kommen nicht. So vergeht ein äußerst ruhiger Abend für mich. Bei Kartoffeln mit Frischkäse und Tunfischdose. Ich habe kaum Hunger und schon mit dieser Portion zu kämpfen. Mein Fußgelenk bringt mich um. Zum Glück muss ich Morgen nur von Garbsen nach Seelze laufen. Knappe fünf Kilometer. Dort werde ich Björn, einen Feuerwehrkameraden besuchen, den ich auf der Feuerwehrschule in Loy kennen lernen durfte. Das wird dann mein Ruhetag. Mal schauen, wie das Fußgelenk das aufnimmt.

Laufstrecke: 18,65 km
Höhenmeter: 17 m
Zeit: 3:25 h
D.-geschw.: 5,48 km/h
Schritte: 23873

Ruhetag von Garbsen »nur fix« nach Seelze.

Laufstrecke: 5,41 km
Höhenmeter: 14 m
Zeit: 1:04 h
D.-geschw.: 5,05 km/h
Schritte: 8287

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