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Was für eine Idylle

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12.08.2020

Gegen neun Uhr am Morgen habe ich alles zusammen. Der Wagen ist gepackt und verzurrt. Schnell noch die Bänke auf ihre rechtmäßigen Plätze zurück gebracht. Keine fünfzig Kilometer mehr. Irre! Mich kribbelt es irgendwie. Freude, Euphorie aber auch ein wenig Trübsal. Ein gigantisches Abenteuer wird Morgen sein Ende finden. Einen Tag früher, als anfänglich geplant. Trotz all der Umwege, die unterwegs entstanden sind. Es war im Kopf irgendwie immer das Gefühl: Unterbiete diese Zeit. Als wenn man auf ein Navi schaut und es einem sagt, dass man in sieben Stunden das Ziel erreichen würde. Der sportliche Aspekt, der dabei aufkommt. Unterbiete diese Zeit. Nein, ich laufe jetzt normal weiter. Also, was sich in der Zeit als Normal herausgestellt hat. Lotte an die Leine genommen und dann los. Ach, verflixt! Zurück. Ich habe vergessen, das Vorhängeschloss für die sanitären Anlagen zu verschließen. Zum Glück nur ein paar hundert Meter.

Der Weg führt vom Kanal weg. Wald. Endlich wieder Wald. Der Duft von Laub und Nadeln. Etwas pilzig riecht es auch. Ein Eichhörnchen flitzt einen Baumstamm hoch. So kann es bleiben. Und um ehrlich zu sein. Bleibt es auch. Einzig ein kurzes Stück an der Hauptstraße muss ich gehen, dann geht es im Halbbogen unter der Brücke hindurch und ich bin am historischen König-Ludwig-Donau-Main-Kanal. Diese Strecke habe ich schon zwei Mal bereist. Mit dem Fahrrad. Bei durchwachsenem Wetter. Damals habe ich schon angemerkt, wie toll es sein müsste, wenn man hier mal bei Sonnenschein durchkommt. Ein Wort: Wahnsinn! Das Spalier aus Bäumen, die schmalen geschotterten Wege. In der Mitte der alte Kanal. Was hier vor allem an Fische unterwegs ist. Ich kann Spiegelkarpfen sehen. Graskarpfen. Diverse andere Friedfische, wie Rotfedern. Kleine Barsche und sogar junge Hechte, die auf den passenden Augenblick lauern sich einen Happen zu schnappen.

Was durch meinen breiten Wagen jedoch etwas schwierig wird, ist Gegenverkehr. Aber ein bisschen Rücksicht voreinander hier und dort und es klappt. Eine Joggerin überholt mich, bremst und entlädt einen Schwall an Fragen. Ob ich unterwegs je mal ein paar Meter mit dem Bus oder der Bahn gefahren bin? Das wäre ja Schummeln. Nein. Ich bin jeden einzelnen Meter bis hier her alleine gelaufen. Lotte? Die ist weitaus mehr gelaufen. Vor, zurück. Hin und her. Kreuz und quer. Ihre zwei drei Ausflüge in die Welt von Hase und Reh nicht zu vergessen. Blasen? Ja, eine. Die habe ich aber selbst verschuldet. Ansonsten hat alles hervorragend geklappt. Bis jetzt. Schiefgehen kann immer noch etwas.

In dieser Idylle macht es wirklich Spaß immer mal wieder anzuhalten. Die Kamera herauskramen und die Umgebung ablichten. Ich weiß nicht, wie viele Bilder ich mittlerweile vom König-Ludwig-Kanal habe. Es sind so einige. Und es werden immer mehr. Dass es schon wieder so ätzend warm geworden ist, blende ich auf diesen Metern aus. Ich will den Weg genießen. Betonung liegt auf »will«. Es könnte wohl auch vierzig Grad haben. Es wäre egal. Naja, fast. Denn irgendwann ist auch bei mir die Luft raus. Von einem Radfahrer, dem ich auf der Strecke begegnet bin, weiß ich, dass bald ein Biergarten in einem Waldstück kommt. Das soll mein Pausenplatz sein. Nachdem ich zuvor schon einmal bei einem Bäcker Rast gemacht habe. Im Biergarten herrscht reges Treiben. Unzählige Radler, Wanderer oder Leute, die mit ihren Autos gekommen sind und hier zu Mittag essen.

Bei dem Örtchen Pfeifferhütte taucht es dann zum ersten Mal auf den Wegweisern auf. Neumarkt in der Oberpfalz. Die Brust schwillt gleich mal um einige Millimeter mehr an. Ein irres Gefühl. Die alten Schleusen und ihre Wärterhäuschen, die immer wieder auftauchen. Die unzähligen Fische, die an der Wasseroberfläche verweilen. Ich begegne so manchem Angler. Die meisten arbeiten mit Pose und starren auf das treibende, grellrote Ding. In der Hoffnung, dass es in die Tiefe gezogen wird. Einer jedoch kommt mir mit einer Rute entgegen, die nur mit Haken und einem Stück Brot bestückt ist. Schwimmbrot? Der Herr nickt. Eine tolle Art zu angeln. Man stimmt mir zu. Es ist hochinteressant die Fische zu beobachten. Und wenn dann einer von unten her kommt und sich den Köder schnappt. Das kann einem Grund- oder Posenangeln nicht bieten. Auf welchen Fisch soll es denn gehen? Auf die Graskarpfen? Ist schwer? Ja, die Jungs seien faul dieser Tage. Wer will es denen bei den Temperaturen verübeln?

Der Tag plätschert so dahin. So langsam wäre es nicht schlecht einen Schlafplatz zu suchen. Ich bin bis Burgthann gekommen, und habe mich ein weiteres Mal in ein Wirtshaus gesetzt. Durchforste das Internet. Irgendwie bin ich auf die Idee gekommen, dass ich ja die letzte Nacht noch einmal in einer Pension oder in einem Hotel verbringen könnte. Warum eigentlich? Die Frage kann ich mir selber nicht beantworten. Ich wähle, bekomme ein Freizeichen. Zimmer seien derzeit nicht zu vermieten. Die Handwerker sind da und reißen die ganzen Fußböden heraus. So kommt es, dass ich von der Dame den Tipp bekomme, dass an der Kanalschleuse dreiunddreißig Platz wäre für ein Zelt. Es sei nicht zu verfehlen. Eine Seilschwinge sei dort. Jugendliche würden diese dieser Tage nutzen, um ins Wasser zu springen. Wahrscheinlich ist da jetzt auch noch Betrieb. So gehe ich die letzten paar Meter von Schleuse fünfunddreißig zur dreiunddreißig.

Dort muss ich meinen Wagen über die schmale Schleusenbrücke zerren. Die Stufen stellen dabei eine besondere Herausforderung dar. Letztendlich gelingt es mir und ich gehe einige Meter zurück zur Seilschwinge. Ein Vereinsheim, das die besten Tage schon gesehen hat, steht dort. Ein Kanuverein? Das ist mir noch nie aufgefallen. Drei Mädels mit männlicher Begleitung begrüßen mich freundlich. Schnell das Zelt aufgestellt und dann entbrennt ein Abend voller interessanter Unterhaltungen. Eine der Mädels reist immer wieder als Rucksacktourist nach Asien. Da haben sich vom Gesprächsstoff her zwei Leute gefunden. Wir quatschen und die Mäuler fusselig, ehe ich irgendwann der Zeit und Dunkelheit geschuldet alleine am Kanalufer sitze. Schlaf ist es, den ich mir nun redlich verdient habe.

Laufstrecke: 25,37 km
Höhenmeter: 104 m
Zeit: 4:54 h
D.-geschw.: 5,17 km/h
Schritte: 33705

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